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03.04.2012

09:10 Uhr

Sachsen-Anhalt

Minister denkt über Bürgschaft für Q-Cells nach

Der Solarkonzern Q-Cells will heute Insolvenz anmelden. Grünen-Politikerin Künast gibt der Bundesregierung eine Mitschuld. Und Sachsen-Anhalts Finanzminister Bullerjahn hält Bürgschaften für möglich.

Anwalt der Minderheitsgläubiger

Q-Cells-Berater haben versagt

Anwalt der Minderheitsgläubiger: Q-Cells-Berater haben versagt

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Frankfurt/Bitterfeld-WolfenSachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) hält staatliche Hilfen für den zahlungsunfähigen Solaranlagen-Bauer Q-Cells für möglich. „Wenn es bei Q-Cells die Chance zur Restrukturierung gibt, sollte man sie nutzen“, sagte der Landesminister der „Mitteldeutschen Zeitung“ vom Dienstag. Dabei sei zwar in erster Linie das Unternehmen selbst gefordert. Die Landesregierung sei aber gesprächsbereit, „was mögliche Hilfen angeht“. Denkbar seien etwa „Förderung, steuerliche Aspekte oder auch Bürgschaften“.

Die seit langem kriselnde Q-Cells hatte am Montag angekündigt, noch am Dienstag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Dessau stellen zu wollen. Das Unternehmen will sich nach eigenen Angaben unter Gläubigerschutz in Eigenregie sanieren. Das Management will mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter an einem Fortbestand des Unternehmens arbeiten. Im vergangenen Jahr hatte der einstige Börsenstar einen Verlust von rund 846 Millionen Euro angehäuft.

Q-Cells Chronologie

1999

Die Q-Cells AG wird von drei Ingenieuren gegründet.

2000

In Thalheim bei Bitterfeld wird mit dem Bau der ersten Produktionslinie begonnen.

2001

Das sogenannte Start-up-Unternehmen beschäftigt 19 Mitarbeiter, die ersten Solarzellen laufen vom Band.

2002

Die Zahl der Beschäftigten steigt auf 82, das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen.

2004

484 Frauen und Männer arbeiten bei Q-Cells, das sich an der australischen Solarfirma CSG Solar beteiligt.

2005

Im Herbst geht das Unternehmen an die Börse, im selben Jahr wird das Joint Venture EverQ gegründet, das heute als Sovello GmbH firmiert und als eigenständiges Unternehmen am Markt agiert - 2007 wächst das Unternehmen weiter und beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter.

2007

Das Unternehmen wächst weiter und beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter.

2008

Die Gesamtkapazität erreicht 574 Megawattpeak, Q-Cells gilt als der weltweit größte Hersteller von Solarzellen.

2009

Q-Cells verlagert Teile der Produktion nach Malaysia und nimmt dort die Produktion von kristallinen Solarzellen auf.

2010

Das Unternehmen ändert sein Geschäftsmodell und wandelt sich vom bisherigen Hersteller von Solarzellen zum Anbieter von Photovoltaik-Lösungen.

2011

Q-Cells rutscht in tiefrote Zahlen. Das überschuldete Unternehmen macht einen Verlust von 846 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,02 Milliarden Euro.

Das Produktionsvolumen beträgt indes 783 Megawattpeak, davon entfallen 717 Megawattpeak auf die Produktion von Solarzellen, von denen rund 60 Prozent im malaysischen Werk produziert wurden.

2012

2012 stand Q-Cells vor einem Schulden- und Kapitalschnitt. Nach Konzernplänen sollten die Gläubiger keine Rückzahlung bei Fälligkeit der Anleihen erhalten, sondern diese im Rahmen des Schulden- und Kapitalschnitt einbringen. Sie hätten damit auf ihre Ansprüche in Höhe von zusammen mehr als 550 Millionen Euro gegenüber Q-Cells verzichtet. Im Gegenzug sollten sie Aktien erhalten. Doch der Plan scheiterte.

Q-Cells will am 3. April einen Insolvenzantrag stellen. Q-Cells beschäftigt derzeit 2.300 Menschen, davon 500 in Malaysia.

Das Ende 1999 gegründete Unternehmen galt lange als Vorzeigeprojekt für die Ansiedlung von Zukunftstechnologien in Sachsen-Anhalt. Q-Cells startete 2001 mit anfangs nur 19 Mitarbeitern die Produktion von Silizium-Solarzellen. Zuletzt arbeiteten mehr als 2000 Beschäftigte bei dem Solaranlagenbauer. Derzeit kriselt die gesamte Solarbranche in Deutschland, die Pleite von Q-Cells ist bei weitem nicht die erste Insolvenz einer Solarfirma.

Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) schließt Hilfen für Q-Cells nicht aus. ap

Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) schließt Hilfen für Q-Cells nicht aus.

Die Grünen geben der Bundesregierung eine Teilschuld an der Insolvenz der Solarzellen-Firma Q-Cells. „Die Probleme von Q-Cells lassen eine weitere Alarmglocke läuten, dass hier eine Zukunftsbranche in Deutschland zerstört wird“, sagte die Grünen-Bundestagsfraktionsvorsitzende Renate Künast der „Frankfurter Rundschau“ laut Vorabbericht. Nun müsse die Bundesregierung handeln.

„Ich erwarte jetzt, dass der Wirtschaftsminister sehr schnell das Gespräch mit der Branche sucht“, sagte Künast. „Die Welt setzt auf die solare Zukunft, wir dürfen jetzt nicht zusehen, wie Deutschland aus diesem Zukunftsmarkt gedrängt wird.“

Solarunternehmen: Q-Cells geht am Dienstag in die Insolvenz

Solarunternehmen

Q-Cells geht am Dienstag in die Insolvenz

Der Solarzellenhersteller will in Eigenregie seine Schulden loswerden.

Unklar ist bislang, welche Auswirkungen eine Insolvenz auf die Arbeitsplätze haben wird. Q-Cells direkt beschäftigt nach Angaben einer Sprecherin 1300 Menschen, weitere 400 bei der Solarfirma Solibro und 500 Mitarbeiter in Malaysia. Weitere rund 100 Menschen seien weltweit an verschiedenen Orten für das Unternehmen tätig.

Q-Cells hatte am Freitag sein Sanierungskonzept für gescheitert erklärt. Grund sei ein Rechtsstreit mit Gläubigern. 2011 hatte Q-Cells einen Verlust von 846 Millionen Euro ausgewiesen, der Umsatz war um ein Viertel auf rund eine Milliarde Euro eingebrochen.

Q-Cells fertigt Solarzellen und -module sowie Anlagen, mit deren Hilfe aus der Kraft der Sonne Energie erzeugt werden kann.

Solarstrom

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Solarstrom: Die unerschöpfliche Sonnenenergie

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Kommentare (48)

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Account gelöscht!

03.04.2012, 04:40 Uhr

Oh, da sind ja die ganzen Firmenbeteiligungen der GrünInnen nicht mehr viel wert, wie schaade...
War aber ein guter Deal, erst Beteiligungen kaufen, dann fördern ohne Ende, sichere Gewinne.

Account gelöscht!

03.04.2012, 05:52 Uhr

Die Pleitewelle in der Solarbranche zeigt, daß diese Technik von den Nachfragern nur akzeptiert wird, wenn der Staat sie ihnen mit weiteren Subventionen nachwirft. Es hat sich herausgestellt, daß die frühere Hoffnung auf eigenständiges Wachstum dieser Branche lediglich ein Wunschtraum der Politik war.

Die staatliche Anschubfinanzierung war und ist lediglich sinnlos verpulvertes Steuergeld. Und den Stuß von Frau Künast, es handle sich um eine Wachstumsbranche und die Welt warte darauf, kann man getrost ignorieren.

Rene

03.04.2012, 07:23 Uhr

Und wieder zeigt sich. Subventionen sind die Ursachen unwirtschaftlicher Unternehmen.

Nach Anschubfinanzierung müssen die Unternehmen ohne Steuergelder profitabel werden. Schuld? Sind die Gründer der Solarförderung...Mein teuer verdientes Steuergeld, entwider bei den gierigen Unternehmens"Gescäftsführern", die das Unternehmen in den Sand gesetzt haben und die Arbeitlosigkeit der Angestellten zu vertreten haben und in China. Danke Politik!

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