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26.07.2017

14:40 Uhr

Salafistenprediger

Sven Lau zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Salafistenprediger Sven Lau ist zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sprach den 36-Jährigen der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig.

Der Salafistenprediger ist zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. dpa

Prozess gegen Islamist Sven Lau

Der Salafistenprediger ist zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

DüsseldorfDer Islamist Sven Lau ist als Terrorhelfer zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sprach den 36-Jährigen am Mittwoch der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig. Er habe die islamistische Miliz Jamwa unterstützt.

Lau gehört gemeinsam mit Pierre Vogel zu den bekanntesten Gesichtern des radikalen Islam in Deutschland. Der 36-Jährige gilt auch als Initiator der „Scharia-Polizei“, die 2014 durch Wuppertal zog und bundesweit für Empörung sorgte.

Die Bundesanwaltschaft hatte sechseinhalb Jahre Haft für Lau gefordert und ihn einen „Überzeugungstäter“ genannt. Er habe den Dschihad in Syrien von Deutschland aus unterstützt und dabei unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe agiert. So habe er Terroristen in Syrien Islamisten als Kämpfer vermittelt, außerdem habe er etwa drei Nachtsichtgeräte beschafft.

Sven Lau als Terrorhelfer verurteilt

Der Prozess

Begann vor gut zehn Monaten. Der Senat unter Vorsitz von Richter Frank Schreiber hat seit dem 6. September 2016 nach Gerichtsangaben 52 Verhandlungstage absolviert, vernahm 38 Zeugen und hörte zwei Sachverständige.

Das Urteil

Sven Lau ist als Terrorhelfer zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sprach den 36-Jährigen der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig. Er habe die islamistische Miliz Jamwa unterstützt.

Zur Person

Sven Lau zählt mit Pierre Vogel, der in dem Prozess als Zeuge aussagte, zu den prominentesten Gesichtern des radikalen Islam in Deutschland. Lau stammt aus Mönchengladbach, ist zum Islam konvertiert. Dort trat er als Anführer des salafistischen Vereins „Einladung zum Paradies“ auf, der sich 2011 auflöste – vermutlich, um einem Verbot zuvorzukommen. Ein Gutachter bescheinigte Lau mit seiner „emotionalen Rhetorik“ eine „hohe suggestive Wirkung“ auf junge Muslime. Bis zu seiner Festnahme im Dezember 2015 lebte er im Süden Düsseldorfs. Lau gilt auch als Initiator der „Scharia-Polizei“ in Wuppertal. Bevor er den Dienst quittierte, war er Feuerwehrmann in Mönchengladbach. Lau (36) hat fünf Kinder. Ein Foto zeigt ihn in Syrien mit Kalaschnikow auf einem Panzer. Aussteiger aus der Szene berichteten, dass er sich radikalisiert habe.

Jamwa

Steht für „Armee der Auswanderer und Helfer“. Der islamistischen Miliz gehörten in Syrien bis zu 750 Kämpfer an, darunter auch eine Kampfeinheit mit Islamisten aus Deutschland. Die Miliz kämpfte gegen syrische Regierungstruppen und kurdische Einheiten. Der von Lau unterstützte Jamwa-Flügel hatte sich später der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen.

Der Terrormiliz Jamwa gehe es um die Errichtung eines Kalifatstaates, argumentierte die Bundesanwaltschaft. Teile der Gruppe hätten sich inzwischen dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen. Lau habe zudem - unterstützt von Pierre Vogel - ein salafistisches Netzwerk in Deutschland aufgebaut und beherrscht.

Laus Verteidiger Mutlu Günal hatte einen Freispruch beantragt. Lau sei von einem verurteilten Terroristen und notorischen Lügner belastet worden, der sich davon offenbar verspreche, früher aus dem Gefängnis freizukommen, argumentierte Günal.

Der Prozess gegen den ehemaligen Feuerwehrmann aus Mönchengladbach hatte im September vergangenen Jahres begonnen. Er umfasste 53 Verhandlungstage, der Senat vernahm 38 Zeugen und hörte zwei Sachverständige. Die Tatvorwürfe reichen ins Jahr 2013 zurück. Lau hat bislang 22 Monate in Untersuchungshaft gesessen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Holger Narrog

26.07.2017, 15:12 Uhr

Interessant ist wie streng die Deutschen Gerichte in politischen Prozessen urteilen.

Wenn es sich um einen Linken gehandelt hätte, wäre das Verfahren vermutlich eingestellt worden.

Herr Tomas Maidan

26.07.2017, 18:38 Uhr

Wenn sie den Unterschied zwischen dem Islamischen Staat und den Steinewerfern von Hamburg nicht sehen, leben sie auch ein bisschen hinterm Mond. Ins Schulterblatt traue ich persönlich mich noch rein, nach Rakkah eher nicht. Auch Köpfe wurden bisher in der Autonomen Szene nicht abgeschnitten etc. Es gibt da gewisse graduelle Unterschiede zu Mossul.

So ganz klar in ihrer Weltsicht scheinen Sie ja nicht zu sein. Lassen Sie mich raten: Sie sind Trump-Fan? Abgehängter? Aus dem Rust-Belt? Wutbürger?

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