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06.09.2013

09:24 Uhr

Sarrazin, Herman & Co.

Die Stunde der Verschwörungstheoretiker

VonDietmar Neuerer

Exklusiv„Scheitert der Euro, scheitert Europa“, lautet Merkels Spruch, wenn es um die Euro-Rettung geht. Thilo Sarrazin steht für drastischere Theorien. Dass er diese bei einem obskuren Kongress vertreten will, erzürnt die SPD.

Umstrittener Kongress in Leipzig - mit dabei: Thilo Sarrazin, Eva Herman, Peter Scholl-Latour (v. l.) PR (Screenshot)

Umstrittener Kongress in Leipzig - mit dabei: Thilo Sarrazin, Eva Herman, Peter Scholl-Latour (v. l.)

BerlinDer Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, hat dem früheren Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin den Parteiaustritt nahegelegt. Hintergrund ist die „Compact-Konferenz für Souveränität“ des umstrittenen Berliner Publizisten Jürgen Elsässer, die am 23. November in Leipzig stattfindet. Unter der Überschrift „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit, Geburtenabsturz und sexuelle Umerziehung“ sollen neben Sarrazin, der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis, die Ex-„Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman und der Buchautor Peter Scholl-Latour Vorträge über das „absterbende Europa“ halten. 

Stegner, der auch Mitglied im SPD-Bundesvorstand ist,  sagte dazu Handelsblatt Online: „Solche Veranstaltungen von Ewiggestrigen sind Propagandaforen gegen Fortschritt und Menschenwürde. Sozialdemokraten haben da nichts verloren. Ich bleibe dabei, dass Thilo Sarrazin sich und der SPD einen großen Gefallen täte, wenn er austritt und zu einer Rechts-Partei wechselte, die für Intoleranz steht und somit viel besser zu ihm passt als die SPD.“ Mit solchem „Ungeist“ wie auf dieser Veranstaltung dargeboten, wolle die SPD nichts zu haben. „Die Teilnehmer verdienen nur Verachtung.“

Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte von der CSU eine öffentliche Distanzierung von ihrem Bundestagsabgeordneten Geis, weil er bei einem Kongress auftrete, bei dem selbst Unterstützer des russischen Gesetzes gegen die „Homopropaganda“  an zentraler Stelle sprächen. „Das diskreditiert die gesamte Menschenrechtspolitik der Union“, sagt Beck Handelsblatt Online. „Homophober Menschhass“ dürfe in keiner Partei toleriert werden. „Es wäre  menschenverachtender Zynismus, wenn die CSU das laufen ließe und hier mit falsch verstandener Toleranz nach Stimmen aus dem rechtsradikalen Lager fischen würde.“

Hintergrund ist, dass bei dem Kongress auch internationale Referenten auftreten, die extreme Positionen zur Gleichstellung von Lebenspartnerschaften vertreten, darunter Béatrice Bourges, eine der zentralen Akteure des französischen Widerstands gegen die Homo-Ehe und Abgeordnete der russischen Duma, die über die, wie es in der Ankündigung des Veranstalters heißt, „Erfolge von Wladimir Putins Familienpolitik“ berichten sollen.

Kommentare (158)

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Heinz

06.09.2013, 07:01 Uhr

Wenn man in Deutschland mal von der Mainstream Meining abweicht und die äußert, wird man sofort diffamiert und als "Hasser" oder Verschwörer betitelt.
Das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun.
Denn die lebt vom Dialog.

RalphFischer

06.09.2013, 07:08 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

gleichGEschaltet

06.09.2013, 07:13 Uhr

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