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05.05.2017

16:00 Uhr

Schadstoffwerte bei Diesel-Fahrzeugen

Umweltminister fordern Nachrüstung

Die Umweltminister von Bund und Ländern fordern eine umfassende Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen, um den Schadstoffausstoß in deutschen Städten einzudämmen. Die Finanzierung des Programms ist jedoch noch ungeklärt.

"Ich freue mich, dass die Länder mich in dieser Haltung ausdrücklich unterstützen und diesen Weg ebenfalls fordern". dpa

Umweltministerin Hendricks

"Ich freue mich, dass die Länder mich in dieser Haltung ausdrücklich unterstützen und diesen Weg ebenfalls fordern".

BerlinBundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) drängt die Autoindustrie wegen hoher Abgaswerte zu einer schnellen Nachrüstung von Diesel-Autos. Die Industrie müsse spätestens im Herbst die Zusage geben, dass sie die Fahrzeuge auf eigene Kosten sauberer mache, sagte Hendricks am Freitag in Bad Saarow. Sonst müsse nach der Bundestagswahl über eine gesetzliche Zwangsmaßnahme diskutiert werden.

Auch neuere Autos haben nach jüngsten Untersuchungen in der Praxis deutlich höhere Stickoxid-Werte als angenommen. „Da sind die Hersteller in der Verantwortung, tatsächlich nachzurüsten“, sagte Hendricks. In Bad Saarow östlich von Berlin hatten sich die Umweltminister von Bund und Ländern zu ihrer Frühjahrskonferenz getroffen.

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Der Bund solle sich bei den Herstellern „für eine technische Ertüchtigung von Diesel-Fahrzeugen in der gesamten Breite der Flotte“ einsetzen, heißt es in einem einstimmig verabschiedeten Beschluss. Die Konferenz schlug zudem vor, einen Entschädigungsfonds zu prüfen. Es könne nicht sein, dass die Verbraucher, die gutgläubig die Autos gekauft hätten, nun auf den Kosten sitzenblieben, sagte Hendricks dazu. Der Fonds soll auch dann aufkommen, wenn ein Verbraucher rechtlich keinen Anspruch gegen den Hersteller durchsetzen kann. Hendricks machte deutlich, dass die Industrie für die Kosten aufkommen müsse, und nicht der Staat.

Die Umweltministerkonferenz bekräftigte zudem ihre früheren Beschlüsse - somit sind nach Angaben von Hendricks auch die „blaue Plakette“ für relativ schadstoffarme Autos und Fahrverbote noch nicht völlig vom Tisch, wenn die Industrie nicht einlenkt. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte die Umweltminister zuvor aufgefordert, an der blauen Plakette festzuhalten, weil nur so Bürgermeister die schmutzigsten Diesel aus der Stadt halten könnten.

Im Kampf gegen überhöhte Abgasemissionen an Straßen in rund 80 Städten in Deutschland forderten die Minister zudem vom Bund die Auflage eines Fördertopfes zur Elektrifizierung von Stadtbussen. Dafür sollen kommendes Jahr 50 Millionen Euro und ab 2019 jährlich 100 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Pro Jahr könnten so 500 E-Busse zusätzlich auf die Straße kommen.

Thema der Umweltminister war auch der Umgang mit den Wölfen. Hendricks sagte: „Der Wolf kann nicht zur Jagd freigegeben werden.“ Tierhaltern müsse aber mit Zäunen oder Herdenschutzhunden geholfen werden. Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) gibt es derzeit knapp 50 Wolfsrudel in Deutschland.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Frau Edelgard Kah

05.05.2017, 17:37 Uhr

Am fordern ist noch keiner verreckt. Auch kein Umweltminister. Auch wenn es eine technische Umrüstung für Diesel-Fahrzeuge gar nicht gibt.

Der Ausweg: Die Umweltminister befassen sich wieder mit den Wölfen. Vielleicht kann man die umrüsten?

Herr Lothar Thürmer

08.05.2017, 15:28 Uhr

Zur Nachrüstung des Diesels gibt es derzeit keine vernünftige Alternative. Die Finanzierung sollte aber Aufgabe des Staates sein. Warum? Weil der Verbraucher Opfer und nicht Täter ist. Und weil für die Autoindustrie die politischen Vorgaben offenbar nicht präzise genug waren. Der Diesel ist besser als sein heute ramponierter Ruf. Er wird als Brückentechnologie noch solange benötigt, bis sich Elektroantrieb und Brennstoffzelle flächendeckend durchsetzen können. Die Politik hat dazu beigetragen, den Diesel in Verruf zu bringen. Jetzt sollte sie einen auch finanziellen Beitrag leisten, um den Diesel zu rehabilitieren und den berechtigten Anliegen von Stadtbewohnern, Dieselfahrern und Autoindustrie gleichzeitig gerecht zu werden!

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