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15.01.2012

10:45 Uhr

Schäuble-Berater

„Deutsches AAA-Rating in Gefahr“

Clemens Fuest wertet die Abwertung der Bonität Frankreichs als Warnsignal. Der Schäuble-Berater glaubt,  dass nun die Retter selbst an ihre Grenzen stoßen. Warum, erläutert der Finanzwissenschaftler im Interview.

Prof. Dr. Clemens Fuest schließt eine Herabstufung der Bonität Deutschlands nicht mehr aus. Pressefoto

Prof. Dr. Clemens Fuest schließt eine Herabstufung der Bonität Deutschlands nicht mehr aus.

Oxford/BerlinNach Ansicht des Regierungsberaters Clemens Fuest zeigt die Abwertung der Kreditwürdigkeit Frankreichs, dass nun die Retter selbst an ihre Grenzen stoßen. „Dieser Prozess wird weitergehen, wir stehen vor einem wirtschaftlich wahrscheinlich nicht so tollen Jahr und das wird auch Deutschland und Frankreich nicht unberührt lassen“, sagte der an der Universität Oxford lehrende Wirtschaftsprofessor der Nachrichtenagentur dpa. Der Berater von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezifferte die Chance, dass daher auch Deutschland seine Topbonität verlieren könnte, auf 50:50.

Herr Fuest, muss Deutschland nach der Abwertung für Frankreich damit rechnen, mehr Geld für den Euro-Rettungsschirm EFSF bereit stellen zu müssen?

Clemens Fuest: „Man muss sehen, dass sich nun das ganze Umfeld verändert, viele AAA-Staaten gibt es ja nicht mehr. Österreich ist wegen seiner Ausdehnung nach Osteuropa unter Druck geraten, in Frankreich ist die Verpflichtung auf einen Sparkurs bisher nicht so stark wie in anderen Ländern. Die Folgen für den EFSF sehe ich aber nicht so dramatisch. Was da passieren kann, sind etwas höhere Refinanzierungskosten, die treffen dann im Prinzip auch Deutschland. Ob das tatsächlich so kommt, ist aber noch unklar, weil ja die Regeln eigentlich besagen, dass die Finanzierungskosten von den Kreditnehmern, also Ländern wie Irland oder Portugal, getragen werden. Es könnte daher sein, dass die Finanzierungskosten für die Kreditnehmer etwas ansteigen. Da sie aber selber teilweise sehr, sehr hohe Refinanzierungskosten am normalen Kapitalmarkt hätten, sind die so immer noch besser bedient.“

Also alles kein Problem?

Fuest: „Das Hauptproblem ist, dass die Länder, die mit immer neuen Krediten retten wollen, nun selbst an ihre Grenzen stoßen. Dieser Prozess wird weitergehen, wir stehen vor einem wirtschaftlich wahrscheinlich nicht so tollen Jahr und das wird auch Deutschland und Frankreich nicht unberührt lassen.“

Das neue Europa

Karte vom „neuen“ Europa.

Dann muss also auch Deutschland weiter mit einem Verlust seiner Topbonität rechnen?

Fuest: „Die Chancen stehen 50 zu 50. Wenn sich die anderen Länder rasch erholen, gibt es eine Chance, dass Deutschland noch einmal drum herum kommt. Man muss aber auch sehen, so ein fürchterliches Drama wäre das auch nicht. Die USA sind ja auch herabgestuft worden. Deutschland würde dann etwas weniger als der ganz sichere Hafen angesehen werden. Und der Außenwert des Euro könnte stärker unter Druck kommen. Bei einem Szenario, wo selbst Deutschland nicht mehr seine Schulden zurückzahlen könnte, würde jedermann erwarten, dass die Europäische Zentralbank auf den Plan tritt und von der geldpolitischen Seite Entlastung geben wird, so wie in den USA oder in Großbritannien. Es wird sicher nicht zum Staatsbankrott kommen.“

So bewertet S&P die Euro-Länder

Belgien

Aktuelles Rating: AA

Ausblick: negativ

Deutschland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: stabil

Estland

Aktuelles Rating: AA-

Ausblick: negativ

Finnland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Frankreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Irland

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Italien

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Luxemburg

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Malta

Aktuelles Rating: A-

Ausblick: negativ

Niederlande

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Österreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Portugal

Aktuelles Rating: BB

Ausblick: negativ

Slowakei

Aktuelles Rating: A

Ausblick: stabil

Slowenien

Aktuelles Rating: A+

Ausblick: negativ

Spanien

Aktuelles Rating: A

Ausblick: negativ

Zypern

Aktuelles Rating: BB+

Ausblick: negativ

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

15.01.2012, 11:09 Uhr

Aber das macht doch Herrn Schäuble nichts. Der Euro wird "gerettet", "koste es, was es wolle."
Die wenigsten begreifen bislang, was es mit den Kosten auf sich hat. Es ist der deutsche Staatsbankrott! Das kapieren die EUrotiker nicht. Die sind so ideologisch verblendet, dass ihnen nicht zu helfen ist.
Soll nur später niemand sagen, er hätte es nicht gewußt. Leute werden ganz schwere Verantwortung tragen müssen und selbstverständlich dafür zur Verantwortung gezogen werden!

Ups-Ploetzlich

15.01.2012, 11:20 Uhr

Na, das wir aber seinen Chef, Herrn Schäuble gar nicht passen.
Hat Schäuble nicht immer getönt, dass kein Cent nach Griechenland fliessen wird, dass Alles zurückbezahlt wird, usw. usw.
Nun kommt aber Füst und befürchtet, dass durch die Kredite, vor allem aber Ausfälle, was er aber nicht expliziert sagt, auch die Bonität von Deutschland sinkt, das AAA-Rating stark gefährdet ist, d.h. also dass auch der Deutsche Karren so tief im Dreck steckt, dass ihn auch keine neuen 5-Star-Bundesanleihen retten können.

Ameliegnom

15.01.2012, 11:22 Uhr

was mich doch sehr erstaunt ist: wissen alle diese klugen Berater eigentlich in wessen Besitz diese Ratingagenturen sind? Überwiegend sind die Ratingagenturen im Besitz von Hedge Fonds. Wieso fragt eigentlich niemand nach, warum England nicht AAA verliert? Soll ich es ihnen sagen? Weil die Banken in England hemmungslos Hedgefonds handeln, darum verliert England nicht AAA und weil England nicht die Banken-Transaktionssteuer einführt, darum auch!
Was soll diese Show hier mit den Ratinagenturen? Wir werden verarscht und unsere Politiker spielen das Spiel mit. Immer schön Angst dem Volk einjagen, dann mucken sie auch nicht auf wenn man den Euro rettet.

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