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15.01.2013

16:56 Uhr

Schäuble legt sich mit Amazon & Co an

Steuertricksern das Handwerk legen

VonDietmar Neuerer, Martin Dowideit

Internationale Konzerne nutzen Steuerschlupflöcher. Sie verlagern ihre Gewinne in Steueroasen, wodurch dem deutschen Fiskus Geld verloren geht. Die Bundesregierung ist alarmiert – und sucht nun nach starken Verbündeten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Berlin/DüsseldorfEin erfolgreiches Weihnachtsgeschäft liest sich beim Online-Händler Amazon so: Am 18. Dezember 2011 gingen beim deutschen Ableger des US-Konzern Bestellungen über 2,8 Millionen Artikel ein – 32 Produkte pro Sekunde. Am nächsten Tag verließen mehr als 660 Lastwagen die Logistik-Zentren des Unternehmens im ganzen Land. Für das jüngste Jahr sparte sich Amazon die Bekanntgabe solcher Details für den hiesigen Markt – es dürfte deutlich mehr gewesen sein angesichts des Onlinehandel-Booms.

Doch wer denkt, dass damit der Umsatz von Amazon Deutschland sprudelt, liegt falsch. Denn „die Amazon EU S.à.r.l. tritt im Online-Markt sowohl als Einkäufer von Waren als auch als Verkäufer gegenüber Endkunden auf“ – eine Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg. Umsatz in Deutschland weisen allein einige Service-Gesellschaften des US-Konzerns im Bundesregister aus.

Die Amazon.de GmbH etwa erbringt Steuer- und Personaldienstleistungen für den Versender und setzte 2011 fast 57 Millionen Euro um, das Logistikzentrum Hersfeld 149 Millionen Euro, die allesamt der luxemburgischen Gesellschaft in Rechnung gestellt wurden.

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Mit raffinierten Konstruktionen versuchen sich ausländische Firmen vor Steuerzahlungen in Deutschland zu drücken. Steueranwalt Burkhard Binnewies erklärt, was erlaubt ist und warum gesetzliche Regelungen fehlen.

Der Grund für dieses Konstrukt dürften Steuerersparnisse sein. Amazon ist deswegen bereits in Großbritannien ins Visier der Politik geraten. So setzte Amazon dort im Jahr 2011 etwa 3,3 Milliarden Pfund (vier Milliarden Euro) um und zahlte  keinerlei Unternehmenssteuer. Detaillierte Stellungnahmen lehnt das Unternehmen zu seinen deutschen Steuerzahlungen ab. „Amazon zahlt alle anwendbaren Steuern in jedem der Länder, in denen das Unternehmen tätig ist“, teilt eine Sprecherin lediglich mit.

Das Steuergebaren ausländischer Großkonzerne schreckt jetzt auch die deutsche Politik auf. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will global tätigen Unternehmen, die in aggressiver Weise Steuerschlupflöcher nutzen, das Wasser abgraben. „Aufgrund der Globalisierung entwickeln sich zunehmend hoch mobile Geschäftsaktivitäten, die Herausforderungen enthalten, denen wir uns energisch stellen“, sagte eine Sprecherin des Ministers Handelsblatt Online.

Das sei allerdings nur auf internationaler Ebene möglich, fügte sie hinzu. Übergeordnetes Ziel sei, Steueransprüche besser zu realisieren statt Steuererhöhungen zu betreiben. „Steuerhinterziehung und aggressiver Steuergestaltung sollen Einhalt geboten werden.“

Die Lebensgeschichte von Amazon-Gründer Jeff Bezos

Die Biografie

Jeff Bezos ist eine der spektakulärsten Manager-Persönlichkeiten der Welt. Die Lebensgeschichte des Amazon-Gründers bietet eine unglaubliche Vielfalt und zahlreiche interessante Erzählungen. Der Top-Journalist und Bestsellerautor Richard L. Brand hat die Biografie in seinem Buch „Mr. Amazon“ (Ambition Verlag) aufgeschrieben. Darin finden sich auch bemerkenswerte Geschichten über die Person Jeff Bezos.

Die Rinderfarm

Ironischerweise ist eine der wichtigsten Internet-Ikonen auf einem Bauernhof aufgewachsen – um genau zu sein auf einer Rinderfarm in Cotulla, Texas. Dort half der kleine Jeff schon als Vierjähriger tatkräftig mit, auch beim Ställe ausmisten.

Die perfekte Kindheit

Jahre später urteilte Jeff Bezos, dass seine Erfahrungen auf der Ranch zu seiner erfolgreichen Unternehmerkarriere maßgeblich beigetragen hätten. Das Reparieren von Traktoren und das Kastrieren von Rindern entsprach seiner Vorstellung von einer „idyllischen Kindheit“. Seine Mutter stand ihm stets bei. Jeff habe dort gelernt, dass es keine Probleme ohne Lösungen gebe.

Dem leiblichen Vater nie begegnet

Bezos hat seinen Vater nie kennengelernt. Der Teenager verließ die junge Mutter, als Jeff anderthalb war. Er existierte im Leben des Jungen gar nicht.

Der „richtige“ Vater

Der Nachname Bezos stammt laut Jeffs eigener Aussage vom „richtigem“ Vater. Und den hätte es ohne Fidel Castro wohl nie gegeben. Denn als er 1959 an die Macht kam, schickten viele kubanische Eltern ihre Kinder in die Staaten. So auch Miguel Bezos (vom spanischen besos: „Küsse“). Miguel setzte sich mit großer Ausdauer durch, machte einen Uni-Abschluss und wurde Erdölingenieur.

Die Sturheit

Jeff Bezos war ein unglaublich stures Kind. Mit drei Jahren quängelte er so lange herum, bis er das Gitterbett endlich verlassen durfte - ungeachtet der Sicherheitsbedenken seiner Mutter. Trotz seiner außergewöhnlichen Konzentrationsfähigkeit wurde Jeff so auch zum Schrecken seiner Lehrer. Sie mussten ihm mal mitsamt Stuhl und Tisch im Klassenraum umsetzen.

Frühes Interesse an Technik

Seine Mutter und vor allem der Großvater erweckten und förderten Jeffs großes Interesse an Technik und Basteln. Sie schenkten ihm entsprechendes Spielzeug und Baukästen. Dennoch war sein erster Karrierewunsch (mit sechs Jahren), Archäologe zu werden.

Hochbegabt

Als die Familie nach Houston umzog, war Jeff im späten Kindergartenalter. Die Eltern schrieben ihn für Fördermaßnahmen für hochbegabte Kinder ein. Dafür musste er zwar 20 Meilen hin und zurück fahren, aber es lohnte sich.

Der Bücherwurm

Dass Amazon mit dem Verkauf von Büchern groß wurde, ist weit mehr als ein Zufall. Jeff Bezos ist seit der Kindheit ein Büchernarr. Er nahm mit Feuereifer an Literatur-Schülerwettbewerben teil und las mit seinen ebenfalls lesebegeisterten Mitschülern um die Wette.

Einsamer Nerd

Bezos war wie viele Nerds des 20. Jahrhunderts eher ein Einzelgänger, der viel las und viel Zeit vor dem Computer verbrachte. Seine Lehrer notierten damals, dass er „nicht besonders führungsbegabt“ sei. Auch rein körperlich wirkte er wie ein Nerd: Jeff brachte nicht einmal das Mindestgewicht für die Football-Mannschaft auf die Waage.

Erster Job bei McDonalds

Als seine Eltern erneut umzogen – diesmal nach Florida – war Jeff 13 Jahre alt. Hier übernahm er seinen ersten Sommerjob. Und das ausgerechnet bei McDonalds. Doch der Teenager gab sich mit dem Burgerwenden nicht zufrieden und entwickelte Verbesserungsvorschläge, mit denen die Abläufe in dem Laden tatsächlich verbessert wurden.

Uschi - die erste Freundin

In seinem ersten Jahr auf der Junior-Highschool lernte Jeff seine langjährige Freundin Ursula „Uschi“ Werner kennen. Sie träumten von einer gemeinsamen Firma und schufen diese tatsächlich auch in frühen Teenagerjahren. Werbeflyer begeisterten junge Schüler für einen sehr besonderen Nachhilfeunterricht. Die Beziehung endete wie so viele andere Highschool-Liebschaften in der Collegezeit.

Der Weltraum als Lebenstraum

Auf dem College setzte Bezos nebenbei seinen Kindheitstraum – übrigens inspiriert vom Großvater – in die Tat um. Seinen Abschluss machte er in Elektrotechnik und Informatik und auch die ersten Berufsschritte unternahm Bezos in anderen Bereichen – allen voran bei IBM. Aber seinen Traum, der heute in Blue Origin mündet, den hatte er, seitdem er fünf Jahre alt war.

Die Unionsfraktion im Bundestag beschäftigt sich nach Angaben ihres finanzpolitischen Sprechers Klaus-Peter Flosbach derzeit „sehr eingehend“ mit den Steuervermeidungsstrategien der großen internationalen Konzerne. „Die steuerlichen Gestaltungen sind legal, nutzen aber Schlupflöcher im internationalen Steuerrecht aus“, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online. Da dies zu Lasten des deutschen „Steuersubstrats“ gehe, sei es daher geboten, intensiv mit den anderen Ländern an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten, um diesen Trend zu stoppen. Flosbach begrüßte, dass Schäuble die Diskussion auf internationaler Bühne „maßgeblich“ vorantreibe.

Kommentare (32)

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15.01.2013, 17:31 Uhr

Es gibt keine Steuertricks. Nur gute Kenntnis der Gesetze.

Wenn die Unternehmen alle Gesetze einhalten und wenn sie ihre steuerlichen Angelegenheiten so organisieren, dass sie wenig Steuern zahlen, dann ist alles legal.

Es ist einzig und allein Sache des Gesetzgebers, die Gesetze so zu machen, dass eben Steuern fließen. Und wenn er das nicht tut, dann kommt es eben so.

Wissen die Politiker aber sicher.

REALIST

15.01.2013, 17:34 Uhr

Gute Ergänzung zum Artikel des HB "die Verbände zerreissen absurde Pläne von Steinbrück & Co ": welch ein Beweis gegen die Argumente dieser Verbände (oder besser gesagt, dieser Verbrecherbanden )

Wulfcastle

15.01.2013, 17:40 Uhr

Wenn ein deustcher Konzern in Brasilien eine Firma grüdet um an brasilianische Firmen oder Privatleute - sagen wir - Autos zu verkaufen - ist es dann legitim daß der Lizenzbegebr und Kredithai aus Deustchalnd an der Wertschöpfung der armen Brasilianischen Arbeiter (mit)verdient, ja oder nein? Alos die brasilianischen VW-Arbeiter bezahlen mit ihren Hungerlöhnen der deustchen Pensionswitwenrentnerin eines deustchen VW-Arbeiters ihre Luxus-Kreuzfahrt weil die Pensionskasse von VW in ein Werk in Mexico gesteckt wurde.

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