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22.05.2014

11:45 Uhr

Schäuble-Plan

„Grauer Kapitalmarkt“ soll an die Leine kommen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble plant zusammen mit Justizminister Heiko Maas strengere Regeln für den „Grauen Kapitalmarkt“. So sollen vor allem Kleinanleger vor hochriskanten Finanzprodukten geschützt werden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): Risiken von Finanzproduktenmüssen künftig offengelegt werden. dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): Risiken von Finanzproduktenmüssen künftig offengelegt werden.

BerlinKleinanleger sollen künftig besser vor hochriskanten und unseriösen Finanzprodukten geschützt werden. Dazu planen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) schärfere Regeln auf dem bisher weitgehend unregulierten „Grauen Kapitalmarkt“.

Ihr am Donnerstag in Berlin vorgestellter Aktionsplan für mehr Verbraucherschutz sieht mehr Transparenz für Anleger sowie Vertriebsbeschränkungen vor. Zudem soll die oberste Finanzaufsicht Bafin mehr Befugnisse erhalten. Mit dem Maßnahmenpaket sollen „Regelungslücken und Umgehungsmöglichkeiten“ beseitigt werden.

So müssen künftig Risiken von Finanzprodukten offengelegt werden. Anleger sollen ferner einen besseren Zugang zu Informationen bekommen. Bei erheblichen Bedenken für den Anlegerschutz kann die Finanzaufsicht Bafin für Produkte oder Produktgruppen Vertriebsverbote und Vertriebsbeschränkungen verhängen.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

„Dadurch soll es Privatanlegern einerseits ermöglicht werden, die Erfolgsaussichten einer Anlage besser einzuschätzen zu können“, heißt es in dem Maßnahmenpaket. „Andererseits soll ein ausgewogenes Verhältnis zwischen staatlicher Regulierung und Eigenverantwortung des Anlegers gewahrt werden.“

Auslöser für die strengeren Vorgaben war auch die Insolvenz des Windparkfinanzierers Prokon. Dort hatten rund 75 000 Anleger etwa 1,4 Milliarden Euro in hoch riskante Genussrechte investiert.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.05.2014, 14:26 Uhr

Wann wird man endlich dazu übergehen den Inhalt und die Vertragsgestaltung einer Anlage wichtig zu nehmen? Nicht nur bürokratische Auflagen zu erhöhen, das macht der Kapitalgesellschaft keinen Spaß und hilft auch nicht den Anlegern.
Wir sind selber professionelle Anlageberater und haben in jetzt 25 Jahren keinen einzigen Fall von Ausfall eines Anbieters zu beklagen. Dabei legen wir nicht in Sparbüchern an, sondern auch heute noch in Festzinsanlagen mit einer Rendite von 6-9 % jährlich fest.

Es geht, wenn man weiß was man tut und sich die Menschen und Unternehmen genau anschaut. Im übrigen gewinnt man nicht, weil man von allem ein wenig macht, sondern nur die wenigen, die funktionieren. Von 100 Kapitalanlagen schmeißen wir auch 98 in den Papierkorb. Aber die die übrig bleiben, die machen richtig Spaß

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