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15.07.2011

08:31 Uhr

Schäuble schlägt Alarm

"Griechenland gefährdet den Euro“

Das Gerangel der Euro-Länder in der Schuldenkrise macht nicht nur Märkte und Ratingagenturen nervös. Finanzminister Schäuble zeigt inzwischen auch Nerven und mahnt, das Griechen-Problem rasch zu bewältigen.

Wolfgang Schäuble. Quelle: dpa

Wolfgang Schäuble.

BerlinDie Schuldenkrise in Griechenland bedroht nach den Worten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mittlerweile die gesamte Euro-Zone. „Wir müssen sicherstellen, dass Griechenland seine Schulden tragen und finanzieren kann“, sagte Schäuble in einem Interview der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Die Märkte hegten allerdings Zweifel daran, dass der Regierung in Athen dies noch gelingen werde. „Diese von Griechenland ausgelöste Vertrauenskrise gefährdet inzwischen den Euro als Ganzes. Deshalb müssen wir dieses Problem überzeugend angehen.“

Auf die Frage, ob er unter dem Druck der Krise nun doch eine teilweise Annullierung der griechischen Schulden befürworte, antwortete Schäuble ausweichend. Darüber wolle er jetzt nicht spekulieren. Die Eurogruppe habe vereinbart, zügig Lösungen zu erörtern. „Und dann sehen wir, welche Optionen sich anbieten.“

Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro kritisierte das Taktieren der Politiker. „Die Regierungen haben die Dimension des Problems immer noch nicht richtig erkannt“, sagte sie dem Handelsblatt. Eine umfassende Lösung sei überfällig, um Menschen und Märkten wieder Sicherheit zu geben, betonte das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

So wie Commerzbank-Chef Martin Blessing hält Weder di Mauro eine Kappung der griechischen Staatsschulden für unvermeidbar. „Wir müssen das Problem Griechenland mit einer Umschuldung lösen“, sagte sie.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sieht die mit dem Euro-Rettungsschirmen erkaufte Ruhe nur als „Vorstufe für einen noch größeren Sturm, der in der Zukunft kommt“. Deutschland müsse jetzt die von den Banken aufgebaute „Erpressungssituation“ durchbrechen und Ruhe bewahren. „Wir müssen auch an unsere eigene Haut denken“, sagte der Ökonom im ZDF. Nötig sei ein „Rettungssystem mit Augenmaß“, das Staaten nach zwei Jahren vergeblicher Hilfe automatisch in eine Umschuldung und notfalls zur Insolvenz führe. „Sonst werden wir hemmungslos ausgenutzt durch dieses europäische System“, sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts. Wenn die Schulden der Euro-Staaten weiter vergemeinschaftet und die Zinssätze vereinheitlicht würden, gebe es keinerlei Anreiz mehr für eine solide Haushaltsführung.

Kommentare (107)

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VomGlaubenabgefallen

15.07.2011, 08:14 Uhr

Ja wie jetzt, dass hat er jetzt auch schon mitbekommen?!?! Das is ja mal ein helles Kerlchen unser Herr Schäuble...

TukTuk

15.07.2011, 08:20 Uhr

Man sollte sich nicht von den Maerkten (Spekulanten) treiben lassen, das gefaehrdet das Ganze. Gestern war Italien noch Pfui, Rechnung ging nicht auf, nun ist es hui. Der geistige Muell der Weisen fuellt auch schon Tonnen. Was hier angebracht ist, ist Besonnenheit!

gdopamin

15.07.2011, 08:24 Uhr

Man kann das Kind doch nennen wie man will. Eurobond, Aufkauf von Anleihen über den ESM, Transferunion.

Alles unterschiedliche Begriffe für den gleichen Sachverhalt.

DE und die übrigen Geberländer zahlen.

Leider zahlen Sie in ein Fass ohne Boden. Die strukturellen Defizite der Südländer, die ursächlich für die Überschuldung verantwortlich sind, sind nicht in 1 oder 2 Jahren aufgeholt. So etwas dauert, wenn es denn überhaupt gelingt Jahrzehnte. Siehe Ostdeutschland oder Süditalien! Solange würden diese Länder aber am Tropf hängen.

Die Frage laute also schlicht und ergreifend:

Wollen wir den EURO und eine undemokratische Europaregierung zum Preis einer dauerhaften Transferunion?

Ein ganz klares NEIN.

Selbst wenn man es wollte oder es politisch dem deutschen Volk vermittelbar wäre, würde es DE letztendlich überfordern und auch hier zu Unruhen und Aufständen führen.

Es bleibt also nur die Rückkehr zu nationalen Währungen und zur EWG.

Das Schäuble und Merkel in letzter Zeit so massiv auf der Bremse stehen, zeigt mir, dass sie das scheinbar begriffen haben. Man sucht nur noch einen glaubwürdigen Ausstiegsgrund.


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