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11.05.2012

16:58 Uhr

Schäuble soll eingreifen

Politiker wollen Gehaltsexzess von Commerzbank-Chef kippen

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Commerzbank-Chef steigert sein Gehalt um 160 Prozent und erntet dafür harsche Kritik. SPD und Grüne werten den Vorgang bei der teilverstaatlichten Bank als inakzeptablen Exzess und fordern Konsequenzen.

Commerzbank-Chef Martin Blessing. Reuters

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

BerlinDass der Chef der teilverstaatlichten Commerzbank Martin Blessing 2012 wieder ein Millionengehalt bekommt, stößt auf massive Kritik in der Politik und bei Aktionärsschützern. „Es gibt skandalös niedrige Löhne und skandalös hohe Gehälter. Beides muss geändert werden“, sagte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, Handelsblatt Online. “Vorgänge wie dieses überdimensionierte Banker-Einkommen  fördern die Politik- und Demokratieverdrossenheit“, warnte das SPD-Bundesvorstandsmitglied . Es entstehe der Eindruck, dass Banken gerettet, die Arbeitnehmer zahlen und die Bosse kassieren abkassieren würden. „Das ist der Stoff, der radikalen Parteien Zulauf bringt.“

Auch die Grünen halten das Ende der Gehaltsbegrenzung für Blessing für nicht hinnehmbar. Selbst wenn die Aufhebung des Gehaltsdeckels den Vorgaben des sogenannten Restrukturierungsgesetzes entspreche, sei die Steigerung um 160 Prozent auf 1,3 Millionen Euro „exzessiv“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, Handelsblatt Online. „Sie passt nicht in die Zeit, in der Aktionäre weltweit die Gehälter von Vorständen kritisch hinterfragen.“

Die Gehaltssteigerung sei vor allem auch „unangemessen“, solange die stille Einlage des Bundes nicht verzinst werde, weil im Abschluss laut deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) kein Gewinn ausgewiesen wird. Schick rief daher Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zum Handeln auf. „Solange die gegenwärtige Rechtslage gilt, fordere ich die Bundesregierung auf, für den Bund als größten Anteilseigner im Interesse des Steuerzahlers einzugreifen“, sagte er.

Der Grünen-Politiker machte Schwarz-gelb für das Millionengehalt verantwortlich, da jetzt die Gesetzesänderung greife, die die Koalition 2010 extra mit Blick auf die Commerzbank vorgenommen habe. Damals wurde das Finanzmarktstabilisierungsgesetz so geändert, dass die Gehaltsdeckelung von 500.000 Euro bei geretteten Banken entfällt, wenn das gestützte Unternehmen mindestens die Hälfte der Rekapitalisierung zurückgezahlt hat. Das ist bei der Commerzbank mit der Rückzahlung von stillen Einlagen im Jahr 2011 der Fall gewesen. „Die Verantwortung für die Gehaltssteigerung von Herrn Blessing trägt also die schwarz-gelbe Koalition“, sagte Schick. „Sie darf jetzt die Verantwortung nicht an den Aufsichtsrat abschieben.“ Die Gesetzesänderung zugunsten des Commerzbank-Vorstands sei auch heute falsch. „Wir fordern die Koalition auf, diese Gesetzesänderung zurückzunehmen.“

Kommentare (48)

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Account gelöscht!

11.05.2012, 14:15 Uhr

Unsere Politiker lernen halt nichts dazu. Dazu sind sie zu sehr verbandelt mit der Wirtschft.
Und unsre Manager machen so lange, bis es in diesem Land eine 2. RAF gibt und die ersten Banken brennen
Eine solche Gier, ein so unanständiges Verhalten ist mit mormalem Menschenverstand nicht mehr zu begreifen
Elite? Nein, solche Leute sind keine Elite, sie sind allerunterstes primitiver Pöbel. So ein Verhalten hat man öfter bei Emporkömmlingen

erst_nachdenken

11.05.2012, 14:21 Uhr

Ein Jahresgehalt von 500.000 EUR für den Vorstandsvorsitzenden eines Dax-Unternehmens war von Anfang an lächerlich.

Es war symbolische Kraftmeierei von Peer Steinbrück um die linke Volksseele zu besänftigen.

Und es zeugt von Blessings Charakter, dass er das sich das hat bieten lassen und seinen Job erledigt hat.

Und dass sich Politiker am liebsten dadurch profilieren, dass sie sich in Dinge einmiashen, die sie (fast) nichts angehen, ist auch eine altbekannte Tatsache.

Account gelöscht!

11.05.2012, 14:23 Uhr

Na da schaue sich aber mal einer die Gehälter der Bundesliga an. Die trehten schlecht an einen Ball und erhalten ein vielfaches von Blessing...

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