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14.01.2010

17:45 Uhr

Schavan

Fehler in Asse eingeräumt

Bundesforschungsministerin Anette Schavan hat vor dem Asse-Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtages Fehler im Umgang mit dem Atommülllager eingeräumt. Dennoch sei die Flutung möglich und die Stillegung nicht gefährdet.

Bergmann in Asse: Flutung möglich. ap

Bergmann in Asse: Flutung möglich.

HB HANNOVER. „Nach heutigem Stand von Wissenschaft und Technik ist klar, dass man ein ausgedientes Bergwerk nicht zur Einlagerung von Atommüll nutzen kann“, sagte die CDU-Politikerin Schavan am Donnerstag in Hannover. In der Asse sei 30 Jahre lang geforscht worden. Danach habe sich aber gezeigt, dass „ein Forschungsinstitut nicht die Kernkompetenz für die Stilllegung einer Atomanlage hat“, fügte sie mit Blick auf den früheren Betreiber Helmholtz-Zentrum hinzu.

Spätestens mit dem Ende der Endlagerforschungen in der Asse im Jahr 1995 „hätte die Verantwortung in die Hände von Experten für den Rückbau gelegt werden müssen“, sagte Schavan rückblickend. Zudem lasse sich allein durch Endlagerforschung die Einlagerung von insgesamt 126 000 Atommüllfässern in der Asse in den Jahren 1967 bis 1978 nicht erklären. „Die Forschung wäre mit weniger ausgekommen“, betonte sie. In den damaligen Genehmigungen habe es keine Obergrenze gegeben, und man habe die Möglichkeiten zur Einlagerung extensiv genutzt.

Konsequenzen aus den Problemen habe man bereits gezogen. „Für mich ist die zentrale Lehre aus der Asse gewesen, mit dem Rückbau eine Institution zu beauftragen, die da ihre Kernkompetenz hat“, sagte Schavan. So habe sie den Auftrag für den Rückbau von atomaren Forschungseinrichtungen in Karlsruhe an die Energiewerke Nord (ENW) vergeben. Für die Asse sei seit Anfang 2009 nicht mehr das ihrem Haus unterstehende Helmholtz-Zentrum, sondern das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zuständig. „Wenn ich das für eine unerträgliche Lösung gehalten hatte, hätte ich mich darauf nicht mit Bundesumweltminister Gabriel verständigt“, betonte die Ministerin mit Blick auf das Bundesamt.

Angesicht der Probleme mit der Standsicherheit des Salzbergwerkes und der Laugenzuflüsse dränge bei der Stilllegung der Asse die Zeit, hob Schavan hervor. Das Bundesforschungsministerium werde weiter alles tun, um eine sichere Stilllegung des Atommülllagers zu unterstützen. Das Konzept einer Stilllegung durch Flutung, das noch in ihrer Verantwortung für die Asse entwickelt worden sei, habe den Zeitproblemen Rechnung getragen.

Weiter erklärte Schavan, das ihrem Haus unterstehende Helmholtz-Zentrum habe für die Asse kein übliches Flutungskonzept entwickelt, sondern ein Konzept zur Verfüllung von Resthohlräumen mit einem Fluid. „Eine der drei Optionen, die das Bundesamt für Strahlenschutz jetzt verfolgt, entspricht dem Flutungskonzept in weiten Teilen“, sagte sie.

BfS-Präsident König will am Freitag in Hannover erste Ergebnisse eines Vergleichs von drei Optionen zur Stilllegung der Asse vorstellen. Das Bundesamt prüft derzeit eine Vollverfüllung, eine Umlagerung des Atommülls oder dessen Rückholung an die Erdoberfläche als Möglichkeiten zur Schließung des Lagers. Bei der sogenannten Vollverfüllung ist eine Flutung des unteren Teils der Grube vorgesehen.

Kommentare (1)

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MS

15.01.2010, 00:57 Uhr

Die interessanteste Frage dürfte schlussendlich sein wer die Kosten des Debakels trägt!

Die Atomstromindustrie oder der Steuerzahler?

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