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03.05.2013

14:41 Uhr

Schiefergas-Förderung

Schleswig-Holstein will Fracking verbieten lassen

Schleswig-Holstein sperrt sich gegen ein schnelles Gesetz zur Schiefergas-Förderung will das das umstrittene Fracking verbieten lassen. Das Einleiten von giftigen Chemikalien in den Boden müsse untersagt werden.

Schleswig-Holstein stemmt sich gegen das Fracking-Gesetz. dapd

Schleswig-Holstein stemmt sich gegen das Fracking-Gesetz.

BerlinDas rot-grün regierte Schleswig-Holstein will die umstrittene Schiefergas-Förderung verbieten lassen. Es müsse untersagt werden, giftige Chemikalien zur Lösung von Gasen in den Boden einzuleiten, erklärte der Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne) am Freitag im Bundesrat.

Angesichts der Gefahren durch das sogenannte Fracking habe das Argument, damit könnten preiswert heimische Gasvorkommen erschlossen werden, kein Gewicht. Im Bergrecht müsse ein klares Fracking-Verbot festgeschrieben werden. Der Antrag Schleswig-Holsteins wurde zur Beratung in die Bundesratsausschüsse überwiesen.

Strenge Auflagen für Schiefergas-Bohrungen

In den USA bereits voll im Einsatz

In Ländern wie den USA boomt die Ausbeutung schwer zugänglicher Gas- und Ölvorkommen bereits seit längerem - in Deutschland will die Bundesregierung bis zum Sommer Rahmenbedingungen festlegen. Mithilfe der heftig umstrittenen „Fracking“-Technologie können fossile Energieträger aus Gesteinsschichten wie etwa Schiefer herausgelöst werden. Der Begriff steht kurz für „hydraulic fracturing“ - zu deutsch so viel wie hydraulisches Aufbrechen von Gestein.

Fracking-Technologie

Kern der Technik ist es, Wasser, Sand und Chemikalien in Gestein zu pressen und dadurch Druck zu erzeugen. Dadurch sollen Gas oder Öl freigesetzt werden. Von großer Bedeutung sind heute horizontale Bohrungen, mithilfe derer seitwärts innerhalb einzelner Gesteinsschichten gebohrt werden kann. Dadurch können dieses in der Breite erschlossen und schwer erreichbare Rohstoffvorkommen zugänglich gemacht werden.

Kritik

Kritiker bemängeln beim Fracking unter anderem den Einsatz von Chemikalien. Die Substanzen könnten durch undichte Stellen ins Erdreich eindringen. Daneben stellen Bohranlagen für Kritiker einen Eingriff in die Natur dar.

Fracking in Deutschland

Fracking zur Erschließung von schwer zugänglichen Gas- oder Ölvorkommen in Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesumweltministeriums bislang nicht. Im Kohlebergbau wird die Technologie jedoch eingesetzt und teils auch bei Erdwärmebohrungen. Regeln für das Fracking gibt es laut Ministerium bislang nicht, nun sollen diese geschaffen werden. Bislang ließen Bundesländer Fracking schon eingeschränkt zu.

Pläne der Bundesregierung

Die Bundesregierung fängt die Kritik in der geplanten Verordnung auf, indem sie Fracking in Trinkwasserschutzgebieten verbietet und Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) für Bohrvorhaben für verbindlich erklärt. Die UVP ist Teil des erforderlichen Planfeststellungsverfahrens für Bohrvorhaben, womit auch die Öffentlichkeit eingebunden wird. Beim Einsatz des Fracking im Bergbau werden Umweltverträglichkeitsprüfungen damit nicht verpflichtend.

Schiefergasvorkommen in Deutschland

Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) lagern unter der Oberfläche der Bundesrepublik bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas aus Schiefergestein. Damit könnte Deutschland theoretisch über ein Jahrzehnt ohne Gaslieferungen aus dem Ausland auskommen. Durch das Verbot von Fracking in Wasserschutzgebieten dürfte sich das Potenzial deutlich verringern.

Wirtschaftlichkeit

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim kam kürzlich in einer Studie zu dem Schluss, dass sich Fracking in Deutschland und der EU bei den aktuellen Gaspreisen bislang "überhaupt nicht lohnen" würde. Das ZEW befragte Energiemarktexperten, auf welches Niveau der Preis je Megawattstunde Gas dafür steigen müsste. Derzeit kostet Erdgas an Großhandelsbörsen laut ZEW rund 27 Euro. 30 Prozent der Experten halten einen Preis von 40 bis 50 Euro nötig, 34 Prozent der Gaspreise von 50 bis 60 Euro oder darüber mehr.

Fracking in anderen Ländern

Die USA decken einen erheblichen Teil des heimischen Bedarfs mit Schiefergas und Schieferöl. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten die Vereinigten Staaten 2030 vollkommen unabhängig von Energieträgern aus dem Ausland sein. Schon 2017 könnten die USA demnach Saudi-Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen. Nach Einschätzung des Ölkonzerns Shell haben die USA durch Fracking einen Erdgasvorrat von 100 Jahren - die Staaten der Welt insgesamt für 250 Jahre. In Europa treibt unter anderem Polen die Schiefergas-Förderung voran.

Trotz des Widerstandes auf dem Norden wollen Union und FDP noch vor der Bundestagswahl den Gesetzentwurf für die Gasförderungen einbringen. Der Termin ist allerdings noch unklar. Eine Kabinettsbefassung zum Thema Fracking am 8. Mai sei nicht möglich, weil es weiteren Klärungsbedarf gebe, hieß es am Freitag aus Koalitions- und Regierungskreisen.

Seit Wochen verzögert sich eine Einbringung wegen diverser Einwände. Während Teile der FDP und das Wirtschaftsministerium die Chancen der Technologie betonen, gab es von rund 80 Unions-Abgeordneten mit Wahlkreisen in möglichen Frackinggebieten Bedenken. Möglich ist, dass das Kabinett nur Formulierungshilfen beschließt und das Gesetz über die Fraktionen eingebracht wird, damit der Bundesrat noch vor der Bundestagswahl über das Vorhaben am 5. Juli entscheiden könnte.

KfW-Studie: Fracking bietet USA langfristig keinen Vorteil

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Die Kfw hat im Rahmen einer Studie untersucht, ob die USA durch die Fördermethode Wettbewerbsvorteile gewinnen würde. Das Ergebnis: Langfristig könnten den USA sogar Nachteile drohen, stellten die Experten fest.

Ein verschärfter Entwurf des Bundesumweltministeriums sieht vor, dass Wasserschutzgebiete und Heilquellengebiete tabu sein sollen, ebenso Bohrungen von außerhalb unter Wasserschutzgebiete. Kritiker fürchten, dass eingesetzte Chemikalien das Grundwasser verunreinigen. Bisher wird die neue Fördertechnik mit horizontalen Bohrungen de facto in Deutschland nicht angewandt - es fehlt aber bisher eine grundlegende rechtliche Klarstellung zu der neuen Fördertechnik.

Geplant ist, dass alle Entscheidungen über Bohrungen nur im Einvernehmen mit den örtlichen Wasserbehörden getroffen werden dürfen - und auch ein Verpressen der eingesetzten Bohrflüssigkeit in Wasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten soll verboten werden. Bei der neuen Fördertechnik wird mit hohem Druck unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein aufgebrochen, damit das Gas durch feine Risse großflächig entweichen kann.

Kommentare (5)

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vandale

03.05.2013, 13:24 Uhr

Am liebsten würden die Oekologen auch alle Fortbewegungsmittel verbieten die schneller sind als ein Eselmobil.

Heikel dürfte sein, dass man in Deutschland wie auch anderswo Fracking Techniken seit Jahrzehnten nutzt. Der Fortschritt besteht darin, dass man heute Fracking mit dem Horizontalbohren kombiniert. Ein Verbot kann auch die Ausbeutung bestehender Oel- und Gasfelder behindern.

Das Fracking findet in Tiefen statt die aufgrund hoher Salzgehalte nicht für die Grundwasserversorgung genutzt werden können. Die Lagerstätten sind gegen die Biosphäre abgeschirmt, andernfalls wäre das Gas längst entwichen. Die Frackingflüssigkeiten bestehen zu 99% aus Wasser und Sand. Insofern ist die Umweltargumentation weitestgehend Propaganda.

Nach den Massstäben müsste man auch die umweltschädlichen Windmühlen verbieten.

Vandale

Vicario

03.05.2013, 13:28 Uhr

Zitat : Schleswig-Holstein will Fracking verbieten lassen

Fracking soll und muss europaweit VERBOTEN werden !

Unsere Landschaften in verseuchte Industrieflächen zu verwandeln ist ein Verbrechen zu Lasten unserer Nachkommen !

Durch die ROT/GRÜNE Chaostruppe und mittlerweile auch SCHWARZ/GELBE Dilettanten ist schon genug mir Windrädern, Solarzellen und Biomist verschandelt worden !

blaufisch

03.05.2013, 14:36 Uhr

Schleswig-Holstein steht mit Pisa nicht auf gutem Fuße.
Die ergrünten Experten in diesem Immernehmerland sollten uns einmal erklären, was denn "Boden" ist.
Geht der vlt. bis zum Mittelpunkt der Erde? Ob das dann nicht kollidiert mit der Grünmeinung - bzw. dem Grünglauben nach "Atomkraftfreiheit für die Erde"?
Gehört der Boden, ja wem gehört er denn? Dem Volke vielleicht - aber jedenfalls nicht den armseligen Politikern.
Es braucht ganz dringend einen Wechsel, hin zu Ehrlichkeit und gesundem Menschenverstand.
Wir brauche als AfD keine Ideologie und setzen an deren Stelle Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Vertragstreue.
Einfach armselige Grüne! Und verlogen hinzu!

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