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04.12.2014

00:31 Uhr

Schifffahrtsunternehmen

Schäuble verspricht Reedern Lösung bei Erlöspools

Die Branche befürchtet jährliche Belastungen im dreistelligen Millionenbereich, sollte die Versicherungssteuer auf Deutsche Reeder angewendet werden. Finanzminister Schäuble verspricht eine „pragmatische Lösung“.

Deutsche Reeder können auf eine Lösung bei der Versicherungssteuer für Erlöspools hoffen. dpa

Deutsche Reeder können auf eine Lösung bei der Versicherungssteuer für Erlöspools hoffen.

HamburgDie deutschen Reeder sollen auch künftig von der Versicherungssteuer auf Erlöspools befreit werden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble stellte der Branche am Mittwoch diesbezüglich eine „pragmatische Lösung“ in Aussicht.

Er werde dafür sorgen, dass das, was die Bundeskanzlerin zugesagt habe, auch umgesetzt werde. „Darauf können Sie sich wirklich verlassen.“ Man müsse allerdings darauf achten, dass dies keinen Widerstand in Brüssel auslöse, schränkte Schäuble ein.

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hatte zuvor auf eine solche Zusage Schäubles gedrängt. Sollte nicht bald eine dauerhafte Lösung gefunden werden, müssten Schifffahrtsunternehmen im kommenden Jahr damit beginnen, Poolvereinbarungen zu kündigen und Aktivitäten ins Ausland zu verlagern.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Die seit sechs Jahren in der Krise steckende Branche befürchtet zusätzliche Belastungen von mehr als 200 Millionen Euro jährlich, sollte die Versicherungssteuer auf sie angewendet werden. Es geht dabei um Charterreedereien, die ihre Frachter an Linienreedereien vermieten. Sie arbeiten in Erlöspools zusammen, um Schwankungen bei den Einnahmen abzufedern. Die Charterraten sinken wegen der Überkapazitäten seit Jahren und reichen oft nicht aus, um die Betriebskosten zu decken. Deswegen sind schon zahlreiche kleinere Reedereien in die Pleite gefahren.

Bis Ende 2015 gilt ein Moratorium. Bislang fehlt nach Darstellung des Reederverbandes jedoch eine gesetzliche Klarstellung, dass Schiffserlöspools von der 19-prozentigen Versicherungssteuer befreit sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Reedern bei der Maritimen Konferenz im vergangenen Jahr eine Lösung in Aussicht gestellt. Darauf berief sich der scheidende Verbandschef Michael Behrendt nun. Er argumentierte damit, Experten unterstützten den VDR in der Ansicht, dass Erlöspools keine Versicherung seien.

Von

rtr

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