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18.02.2013

17:46 Uhr

Schirrmacher-Buch

Provokation für liberale Denker

VonThorsten Giersch

Frank Schirrmacher hat ein Buch geschrieben, das die lange um sich selbst kreisende Kapitalismusdebatte neu beleben kann. Denn ausgerechnet der Herausgeber der FAZ greift liberales Gedankengut an.  

Frank Schirrmacher ist Bestseller-Autor und Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. dpa

Frank Schirrmacher ist Bestseller-Autor und Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

DüsseldorfDer Mensch ist egoistisch. Ist es so einfach? Nein sagt Frank Schirrmacher in seinem Buch „Ego. Das Spiel des Lebens“. Seine Ideen gehen weit über die Unterm-Strich-Zähl-Ich-Argumentationen hinaus. Der Mensch ist programmiert worden, egoistisch zu sein – eine seit Jahrzehnten entwickelte Marionette des Kapitalismus. Schirrmacher trennt, was Konservative und Neoliberale bisher verbunden hat. Das Buch ist beachtenswert, gerade weil es in seiner Konsequenz so verstörend ist.

Frank Schirrmacher konnte man jahrelang auf der liberal-konservativen Seite verorten – wie es sich für einen Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gehört. Konservativ ist er immer noch, aber gegenüber dem neoliberalen Denken sind seine jüngsten Thesen ein Affront sondergleichen. Schirrmacher hatte sich im Feuilleton der FAZ seit der Finanzkrise immer kapitalismuskritisch geäußert. Aber die wuchtige Systemkritik dieses Buches erstaunt dann doch.

Der Autor erklärt in „Ego“, wie der Mensch seit Jahrzehnten programmiert wird in Richtung Marktkonformität – wir folgen dem Prinzip des Eigennutzes immer stärker. Die Programmierer waren die, die nach dem Ende des Kalten Krieges Gefahr liefen, arbeitslos zu werden. Die Genies, die in mathematische Formeln gepresst haben, wie man das Spiel USA gegen Sowjetunion als Sieger beenden kann.

Diese Heroen der Spieletheorie zogen weiter zur Wall Street, um das nächste Spiel zu programmieren. Jetzt ging es nicht mehr ums Überleben, sondern ums große Geld. Sie brachten die Menschen unter anderem dazu, Häuser zu kaufen, die sie nicht bezahlen konnten. Und Banken, das zu finanzieren. All das mündete in der Finanzkrise. 

Kommentare (17)

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Heinz101

18.02.2013, 18:14 Uhr

belanglose Schreiberei, eine "intellektuelle" Eintagsfliege

R.O.L.F.

18.02.2013, 18:25 Uhr

Gerade heute morgen noch hab ich gedacht, dass das, was liberale Denker den diversen Sozialutopisten voraus haben, die Erkenntnis sei, dass es immer Menschen geben wird, die sich nicht nach den von selbsternannten Menschenfreunden und Weltverstehen als wünschenswert protegierten Moralvorstellungen handeln werden. Und dass dies am häufigsten die Letztgenannten selbst sein werden. Und nun? Nun ist doch alles ganz anders. Herr Schirrmacher hat es aufgedeckt. Ich werde sein Buch kaufen und es gleich neben die Bibel stellen.

Account gelöscht!

18.02.2013, 18:42 Uhr

Der Kapitalismus ist 2008 zerbrochen.
Jetzt leben wir im Zeitalter des weltweiten Bilanzbetruges, des permanenten Bailouts insolventer Banken.
Neuestes Beispiel Zypern. Wenn Asmussen behauptet Zypern ist systemrelevant, dann lügt er. Kapitalismus beinhaltet die Möglichkeit und die Notwendigkeit des Scheiterns. Wird dieses Prinzip ausgehebelt, wird die Realwirtschaft, die Ersparnisse und die Zukunft der Menschen zerstört.

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