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11.03.2011

18:55 Uhr

Schließung bei Schieflage

Ruf nach deutlich schärferer Bankenregulierung

VonDietmar Neuerer

ExklusivDas Welt-Finanzsystem ist noch immer kaum gegen neue Krisen gewappnet. Diese Einschätzung des IWF wird von Ökonomen geteilt. Sie fordern schärfere Regeln - genauso wie die Politik.

Banken in Frankfurt. Quelle: dpa

Banken in Frankfurt.

DüsseldorfDer Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, plädiert für ein hartes Vorgehen gegen Banken, die durch Missmanagement zu einem Risiko für die Finanzmärkte werden. "Die sinnvollste Regulierung ist der Marktaustritt bei Insolvenz", sagte Schäffler Handelsblatt Online. "Dies muss gemeinsam mit einer marktwirtschaftlichen Geldordnung die Antwort auf die Krise sein."

Kritisch äußerte sich Schäffler in diesem Zusammenhang zu einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF), in der ein Neustart bei der Bankenregulierung, insbesondere eine Größenbeschränkung für Kreditinstitute, vorgeschlagen wird. "Der IWF verwechselt Ursache und Wirkung der Überschuldungskrise von Staaten und Banken", sagte Schäffler.

Die Ursache liege vielmehr im derzeitigen Geldsystem, das Banken erlaube, mit Hilfe der Notenbanken, Kredite und damit Geld aus dem Nichts zu schaffen. "Die Notenbanken sind durch ihre Politik des billigen Geldes die Verursacher für die Vermögensblasen, die jetzt den Banken Probleme bereiten", sagte der FDP-Politiker und fügte hinzu: "Derzeit werfen sie mit billigen Zinsen immer neue Brandbeschleuniger ins Feuer."

Auch deutsche Ökonomen fordern eine deutlich schärfere Bankenregulierung, um das Welt-Finanzsystem gegen neue Finanzkrisen zu wappnen. Eine absolute Größenbeschränkung von Kreditinstituten, wie das der IWF am Donnerstag in einer Studie vorgeschlagen hatte, reiche nicht aus. Vielmehr müsse das Geschäftsgebaren der Banken "erheblich strikter" reguliert werden, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. "Spürbar höhere Eigenkapitalunterlegung, Beschränkung des Leveraging (Verschuldung der Banken; d. Red.) und massive Beschränkungen auf den Derivatemärkten müssen die Geschäfte von Banken sicherer machen", verlangte er.

Horn hält es für wahrscheinlich, dass vor diesem Hintergrund damit auch eine Schrumpfung des Bankensektors insgesamt wie auch einzelner Banken, die sich besonders stark in riskanten Geschäften engagiert haben, einhergeht. "Auch die Schattenbanken müssen stärker reguliert werden, beispielsweise durch die Beschränkung von Leveraging und auch von Leerverkäufen", fügte der IMK-Chef hinzu: "Aber sie können durchaus höhere Risiken eingehen als Banken, werden dafür aber im Notfall nicht vom Staat gerettet."

Der renommierte Krisenökonom Max Otte pflichtete dem IWF bei. "Weder bei der Eigenkapitalausstattung, noch bei den Größenbeschränkungen oder den Schattenbanken sind Lösungen entwickelt worden, die über oberflächliche Kosmetik hinausgehen", sagte der Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Worms Handelsblatt Online. Regulierungsseitig laufe das System prinzipiell genauso weiter wie vor 2008, nur seien die Akteure selber kurzfristig aufgrund des Schocks der Finanzkrise etwas vorsichtiger geworden.

Kommentare (5)

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Patty

12.03.2011, 09:19 Uhr

Bankenregulierungen sind zur Ablenkung gedacht und bringen GARNICHTS !!!!!
Die Politiker sind Vasallen der korrupten Finanzmafia.
Nur eine Änderung des gesamten Finanzsystems mit Rückkehr zum wertgedeckten Geld hätte eine Chance.
Das Geld müsste Edelmetallgedeckt sein - und schon stecken wir im nächsten Gefängniss.
Die privaten Finanzeliten haben sich vollgestopft mit dem Gold des Volkes.
Fort Knox ist voll mit Wolframbarren, das deutsche Gold ist auch weg.......
Null Chance für ein Change !!!!!!!!!!!!

goldi53

12.03.2011, 10:07 Uhr

Der Ansatz von IWF und den zitierten Ökonomen zeigt exakt die auch heute noch großen "Baustellen" innerhalb des weltweiten Finanzsystems auf. Solange diese nicht von der Politik, ohne jegliche Rücksicht auf die betroffeneren Marktteilnehmer, umsetzt wird es nur ein herumdoktern an Symptomen sein ohne an die Wurzel des Übels zu gehen. Dazu bedarf es aber einer weltweiten, ohne jegliche Ausnahmeregelungen, abgestimmten Vorgehensweise.

Einanderer

12.03.2011, 10:14 Uhr

Was ist denn da los? Haben die Lobbyisten der Finanzbranche etwa die Meinungsführerschaft verloren?

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