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03.11.2016

16:12 Uhr

„Schlitzaugen“-Äußerung

Oettinger entschuldigt sich

In einer Rede hat Günther Oettinger von „Schlitzohren und Schlitzaugen“ gesprochen. Dafür erntete der EU-Kommissar viel Kritik, die chinesische Regierung reagierte empört. Nun rudert der Politiker zurück.

Über Günther Oettinger ist ein Sturm der Entrüstung hereingebrochen – wieder einmal. Kann jemand, der Begriffe wie „Schlitzaugen“ und „Pflicht-Homoehe“ verwendet, in Brüssel weiter Karriere machen? dpa

Günther Oettinger

Über Günther Oettinger ist ein Sturm der Entrüstung hereingebrochen – wieder einmal. Kann jemand, der Begriffe wie „Schlitzaugen“ und „Pflicht-Homoehe“ verwendet, in Brüssel weiter Karriere machen?

BrüsselEU-Kommissar Günther Oettinger hat offiziell um Entschuldigung für seine vielkritisierte „Schlitzaugen“-Rede gebeten. „Ich hatte Zeit, über meine Rede nachzudenken, und ich kann jetzt sehen, dass die Worte, die ich verwendet habe, negative Gefühle hervorgerufen und sogar Menschen verletzt haben“, ließ der Deutsche am Donnerstag in Brüssel mitteilen. Er bitte deswegen um Verzeihung für alle Äußerungen, die „nicht so respektvoll waren, wie sie es hätten sein sollen“.

Er habe die kritisierte Rede „frei von der Leber“ gehalten und eigentlich nur einen Weckruf an das deutsche Publikum loswerden wollen, ergänzte der CDU-Politiker und frühere baden-württembergische Ministerpräsident.

Oettinger hatte in der Rede unter anderem Chinesen als „Schlitzaugen“ bezeichnet, von einer „Pflicht-Homoehe“ gesprochen und missverständliche Äußerungen zur Frauenquote gemacht. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung los. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums kommentierte, die Bemerkungen des Deutschen verdeutlichten, dass manche westliche Politiker „ein irritierendes Gefühl der Überlegenheit“ hätten. Grünen-Politiker und andere Kritiker richteten sogar Rücktrittsforderungen an den EU-Kommissar.

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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ließ am Donnerstag offen, ob Oettinger trotz der Entschuldigung Konsequenzen drohen könnten. Ein Sprecher kündigte lediglich an, dass der Luxemburger an diesem Freitag erneut mit Oettinger über die Affäre sprechen wolle.

Juncker hatte dem Deutschen kurz vor dem Bekanntwerden der Rede eine Beförderung in Aussicht gestellt. So soll Oettinger künftig eigentlich nicht mehr für das Ressort Digitalwirtschaft, sondern für die Ressorts Haushalt und Personal zuständig sein. In diesem Zusammenhang war auch davon die Rede, dass der 63-Jährige einer der Vizepräsidenten der mächtigen Brüsseler Behörde werden könnte.

Die SPD-Spitze wertete Oettingers Erklärung am Donnerstag als unzureichend und sprach ihm die Qualifikation für einen EU-Spitzenposten ab. „Diese Entschuldigung von Günther Oettinger ist ein schlechter Witz“, sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Der CDU-Politiker verstehe offensichtlich die Aufregung über seine rassistischen und homophoben Äußerungen nicht, meinte sie.

Ein erster Versuch von Oettinger, seine Aussagen herunterzuspielen, war am Wochenende fehlgeschlagen. Seine Worte über „Schlitzaugen“ seien eine „saloppe Äußerung“ gewesen, hatte der 63-Jährige der Zeitung „Die Welt“ gesagt. Er habe nur auf die wachsende Konkurrenz durch Länder wie China oder Südkorea hinweisen wollen.

Zur Homo-Ehe erklärte er, er habe nur darüber gesprochen, weil sie eines der Themen in der öffentlichen Debatte sei. Ähnlich äußerte sich Oettinger auch jetzt wieder - allerdings fügte er nun die bislang ausgebliebene Bitte um Verzeihung hinzu.

Von

dpa

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