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01.03.2011

13:33 Uhr

"Schmerzlicher Schritt"

Guttenberg-Rücktritt erschüttert die CSU

Alle Rückendeckung hat am Ende nichts mehr genutzt. Guttenberg entschied sich für Rücktritt und erwischte damit seine Parteifreunde auf dem falschen Fuß. Parteichef Seehofer reagierte betroffen, die CSU schockiert.

Karl-Theodor zu Guttenberg.

Karl-Theodor zu Guttenberg.

BerlinDie CSU hat bestürzt und betroffen auf den Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg reagiert. CSU-Chef Horst Seehofer verließ am Dienstagvormittag überraschend eine Sitzung des bayerischen Kabinetts und kam mit der Nachricht vom Rücktritt zurück, wie Teilnehmer anschließend berichteten. Er habe betroffen gewirkt, hieß es. Seehofer bezeichnet den Rücktritt anschließend als sehr schmerzlichen Schritt auch für die CSU. Guttenberg sei ein herausragender Politiker und ausgezeichneter Verteidigungsminister, sagte Seehofer am Dienstag in München. Er und die CSU seien sehr betroffen.

Die Rückzugsentscheidung Guttenbergs ereilte die CSU, wie Seehofer sagte, "völlig überraschend". Noch am Montag sei Guttenberg entschlossen gewesen, sein Amt weiter wahrzunehmen. Er habe jedoch Verständnis für die nun getroffene Entscheidung. Seehofer betonte, er werde alles tun, damit Guttenberg der deutschen Politik und der CSU erhalten bleibe. "Er bleibt einer von uns." Am Freitagnachmittag will das CSU-Präsidium zu weiteren Beratungen zusammenkommen. Der bayerische Umweltminister Markus Söder sagte: "Wir haben es im Kabinett erfahren und waren alle geschockt. Ich bedauere das sehr. Er war ein hervorragender Verteidigungsminister."

CSU-Landtagsfraktionsvize Karl Freller sagte, er bedaure Guttenbergs Rücktritt "zutiefst", und zwar auch aus sachlichen Überlegungen. Kein anderer werde die Bundeswehrreform wohl so umsetzen können wie Guttenberg. "Wo man ihn am dringendsten bräuchte, geht er", sagte Freller, der zugleich aber großes Verständnis für Guttenbergs Entscheidung zeigte. "Die Hetzjagd wurde übermächtig."

Mit dem Rücktritt zog Guttenberg die Konsequenz aus den Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Dissertation. Er sagte in Berlin, es gehe aber auch um die Frage, ob er den höchsten Ansprüchen noch genügen könne, die sein Amt erfordere. Guttenberg erklärte, er könne es nicht mehr verantworten, dass die Affäre auf dem Rücken der Bundeswehrsoldaten ausgetragen werde. Er versicherte, selbst zur Aufklärung der Plagiatsvorwürfe beitragen zu wollen. Dies gelte auch für den Fall staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen.
Guttenberg begründete seinen Rücktritt auch mit dem Druck der Medien. Er habe das Ende seiner Kräfte erreicht. Der Verteidigungsminister war in den vergangenen Wochen von Wissenschaftlern, Oppositionspolitikern und auch Vertretern der Koalition kritisiert worden. Ihm wird vorgeworfen, in seiner Doktorarbeit wissentlich abgeschrieben zu haben. Die Universität Bayreuth entzog ihm daraufhin den Doktortitel.

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