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06.01.2015

08:32 Uhr

Schmidt, Schröder, Grillo, Heino

Promi-Protest gegen Pegida

Die Liste reicht von den SPD-Altkanzlern über Minister, Musiker, Schauspieler und Unternehmer: Zahlreiche Prominente sagen in einem Appell „Nein zu Pegida“. Ihr Anliegen: Flagge zeigen für ein weltoffenes Deutschland.

Deutschlandweite Proteste

Pegida-Bewegung erreicht Rekord-Teilnahme

Deutschlandweite Proteste: Pegida-Bewegung erreicht Rekord-Teilnahme

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Berlin50 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, darunter die Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und Gerhard Schröder (SPD), haben sich in einem Appell gegen Pegida, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz ausgesprochen. Der „Bild“ sagte der 96-jährige Schmidt: „Die Pegida-Proteste appellieren an dumpfe Vorurteile, an Fremdenhass und Intoleranz. Doch das ist nicht Deutschland.“ Deutschland müsse weltoffen und tolerant bleiben.

Gerhard Schröder bekräftigte seine Forderung nach einer Neuauflage des einst von ihm selbst initiierten „Aufstands der Anständigen“: „Den brauchen wir auch heute“, sagte er der Zeitung. Schröder betonte, es sei gut, „dass die demokratischen Parteien und die Kirchen eine klare Position gegen Pegida gefunden haben“.

Pegida steht für die Bewegung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Sie hat vor allem in Dresden Zehntausende Menschen zu Demonstrationen auf die Straße gebracht – am Montag waren es mit 18.000 so viele wie noch nie. 4000 Bürger stellten sich ihnen entgegen.

Auch in zahlreichen anderen Städten gingen Tausende für ein weltoffenes Deutschland auf die Straße. Rund 10.000 Münsteraner setzten ein Zeichen für Toleranz. In Köln verzichteten die Pegida-Anhänger angesichts der großen Menge an Gegendemonstranten auf ihren Marsch. Aus Protest gegen die Kundgebung wurde in der Stadt am Rhein unter anderem die Beleuchtung des weltberühmten Doms ausgeschaltet.

Das Phänomen „Pegida“ und was dahinter steckt

„Pegida“

Als Ende Oktober die ersten paar Hundert Leute demonstrierten, stießen auf wenig Beachtung. „Pegida“-Anhänger protestieren gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands und angeblichen Asylmissbrauch. Das neue Ausmaß der Demos schreckt Politiker und Experten auf, auch im Bund. Sie warnen vor „Hetze“ und „Pogromstimmung“. (Quelle: dpa)

Was wollen die „Pegida“-Leute?

Die Anhänger der Bewegung fordern eine strengere Asylpolitik und sind gegen die Aufnahme von „Wirtschaftsflüchtlingen“ – also Asylbewerbern, die ihrer Ansicht nach keinen Anspruch auf Schutz haben und angeblich nur auf Sozialleistungen aus sind. Sie wettern gegen muslimische Extremisten und vermeintliche Glaubenskriege auf deutschem Boden.

Wer steht hinter „Pegida“?

Der Initiator ist Lutz Bachmann. Der gelernte Koch ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Drogendelikten. An seiner Seite demonstrieren viele Bürger, die sich ausdrücklich nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt sehen wollen. Auch Bachmann betont immer wieder, er lehne jede Art von Radikalismus ab. Es haben sich aber längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestler gemischt. Auch zahlreiche Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) sind dabei.

Ist das Phänomen auf Dresden beschränkt?

Nein. Inzwischen gibt es auch in anderen Regionen Ableger von „Pegida“ – etwa in Düsseldorf („Dügida“), Kassel („Kagida“), Bayern („Bagida“) oder Ostfriesland („Ogida“), aber auch in einigen anderen Städten. Die Bewegung wächst schnell – nicht zuletzt durch das Internet. Die Macher sind sehr aktiv bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken und mobilisieren so stetig neue Anhänger.

Warum halten Politiker und Experten die Bewegung für gefährlich?

„Pegida“ verallgemeinere extrem und vermische wild Themen, meinen Fachleute. Die Gruppe werfe „Kampfvokabeln“ in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments auf, sagt der Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. Das sei klassischer Rechtspopulismus. Funke sieht bereits Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung. Sicherheitskreise befürchten, dass Rechtsextreme die Bewegung systematisch unterwandern könnten. Auch viele Politiker sprechen von besorgniserregender ausländerfeindlicher Stimmungsmache. Die AfD zeigt dagegen Verständnis für die Proteste.

Wie konnte „Pegida“ entstehen?

Auslöser der Proteste ist die Asylpolitik. Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit langem. Experten meinen, Bund und Länder hätten viel zu spät darauf reagiert. Das Ergebnis: Viele Kommunen sind mit der Lage überfordert, müssen Flüchtlinge in Wohncontainern oder Zelten unterbringen. Mancher Bürger hat daher das Gefühl, Deutschland könne damit kaum fertig werden – auch wenn das für die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sicher nicht zutrifft. Funke klagt, die politischen Verantwortlichen hätten es versäumt, auf solche Ängste in der Bevölkerung einzugehen. Die Linke wirft den Innenministern der Union vor, sie hätten für all das überhaupt erst den Boden bereitet – durch ihre Warnungen vor „Armutszuwanderung“ oder „Asylmissbrauch“.

Wie geht es weiter?

Bisher wurden die Dresdner Demos jede Woche größer. Inzwischen formiert sich aber einiger Widerstand gegen die neue Bewegung. Die Gegendemonstration in Dresden war am Montag fast so groß wie der „Pegida“-Aufmarsch. Experten mahnen, wichtig sei nicht nur breite Gegenwehr dieser Art. Entscheidend sei, vernünftig mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen umzugehen und so den Ängsten in der Bevölkerung zu begegnen. Das Thema „Pegida“ kommt Ende der Woche auch bei der Innenministerkonferenz in Köln auf den Tisch.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte in seinem Statement für die „Bild“: „Parolen ersetzen keine Fakten: Deutschland braucht Zuwanderer. Und wir müssen ein Herz haben für Flüchtlinge in Not.“ Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte: „Pegida schadet nicht nur unserem Land, es wirft auch ein schlechtes Bild auf Deutschland im Ausland.“

Ähnlich äußerten sich auch andere Politiker, Wirtschaftsvertreter und Künstler. Heino lehnt Pegida schon „aus Anstand“ ab. Der Manager der Fußball-Nationalelf, Oliver Bierhoff, erklärte: „Wir sind Weltmeister geworden mit vielen Spielern, die einen Migrations-Hintergrund haben. So selbstverständlich wie wir in der Nationalelf Integration leben, so sollte es auch in der Gesellschaft funktionieren.“

Auch der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, sprach sich ebenfalls deutlich für Zuwanderung aus. „Deutschland tut qualifizierte Einwanderung richtig gut.“ Gegen jede Fremdenfeindlichkeit müsse vorgegangen werden. Airbus-Group-Chef Tom Enders betonte die „multinationale Vielfalt“ als große Stärke, Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte: „Es ist unsere moralische Verantwortung, in Not geratenen Flüchtlingen zu helfen“.

Kommentare (45)

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Frau Frauke Müller

06.01.2015, 08:48 Uhr

Gestern in Köln: Auf dem Platz vor dem Deutzer Bahnhof standen rund 500 Pegida-Anhänger. Im wesentlichen ältere Herren. Praktisch keine Glatzen und keine Hools. Vor denen braucht niemand Angst zu haben.

Viel schlimmer aber war der "Aufstands der Anständigen"! Eine extrem aggressive Masse von Antifaschisten mit roten Fahnen und teilweise vermummt. Jeder der zur Pegida wollte wurde aggressiv von diesen Tugendwächtern angegangen und musste von der Polizei geschützt werden.

Mein Fazit als neutrale Beobachterin:
Der Antifaschismus ist der neue Faschismus!

Herr Rene Benedikt

06.01.2015, 08:55 Uhr

Die Gutmenschen machen wieder alle kaputt. Hier ist es schade um die Zeit, Pegita sollte sich auflösen. Hoffe nun das alle Gegendemostranten auch bereit sind Menschen aufzunehmen und damit aucht Taten folgen zu lassen.

Deutschland geht es noch zu gut, daher, noch mehr Ausländer rein, jetzt erst recht....

Pegita stand nicht nur für Anti-islam sondern wurde zum Symbol für Meinungsfreiheit.

-Gescheitert-



Herr Edmund Stoiber

06.01.2015, 09:02 Uhr

Solange die Lügenpresse ihre Hetzpropaganda gegen PEGIDA verbreitet, ist dieser Gegenwind nachvollziehbar.

Sobald der erste deutsche IS-Kämpfer sein "politisches Zeichen" gesetzt hat (wir kennen diese), wird die Stimmung schlagartig kippen.

Die Probleme in Deutschland kommen erst noch!

PEGIDA - Wir bewegen Massen!

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