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13.08.2013

01:42 Uhr

"Schmieriger Verrat"

Grass greift Lafontaine heftig an

Nobelpreisträger Grass rechnet mit Lafontaine ab: In der Geschichte der SPD habe es „keinen schmierigeren Verrat" gegeben, sagte er über den Rücktritt des früheren Vorsitzenden. Lafontaine hält scharf dagegen.

Günter Grass greift den Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine scharf an: "schmieriger Verrat". ap

Günter Grass greift den Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine scharf an: "schmieriger Verrat".

MünchenDer Literatur-Nobelpreisträger und langjährige SPD-Unterstützer Günter Grass hat die Sozialdemokraten zur Aufgeschlossenheit gegenüber der Linkspartei aufgerufen – und gleichzeitig den Linken-Politiker Oskar Lafontaine angegriffen.

„Es gab in der Geschichte der sozialdemokratischen Partei keinen schmierigeren Verrat, wie den von Oskar Lafontaine an seinen Genossen“, sagte der 85-Jährige in einer für die Süddeutsche Zeitung autorisierten Kurzfassung eines Gesprächs, das in diesen Tagen in Buchform erscheint. Lafontaine sprach Grass wiederum das Recht ab, sich in Charakterfragen zu äußern.
Eigentlich müsse es im Interesse beider Parteien liegen, sich anzunähern, erklärte Grass. Ein „Hemmnis auf dem Weg dahin“ sei eine Person: Oskar Lafontaine.

Die SPD in Zahlen

Mitglieder

Ende November waren es 474.820 Mitglieder (März: 474.481). Der Höchststand wurde in der Weimarer Republik erreicht: Mit 1,261 Millionen im Jahr 1923. Das Durchschnittsalter liegt heute bei 59 Jahren – das älteste Mitglied ist 107. Die längste Mitgliedschaft betrug 88 Jahre.

Ortsvereine

Derzeit gibt es rund 9000 Ortsvereine. Nach der Wiedervereinigung waren es in den 90er Jahren bis zu 10.000.

Finanzen

2011 betrugen die Einnahmen 155 Millionen, die Ausgaben 141 Millionen – allein der Bundestagswahlkampf in diesem Jahr hat mehr als 20 Millionen Euro gekostet. Solche Jahre werden in der Regel mit einem Minus abgeschlossen.

Spenden und Beiträge

2011 erhielt die Partei zwölf Millionen Euro an Spenden, die Mitglieder zahlten zudem 70 Millionen an Beiträgen, 2010 waren es 68 Millionen. Die Spenden steigen im Wahljahr meist an. 2009 lagen sie zum Beispiel bei 18,7 Millionen Euro.

„Gleichzeitig alle Ämter niederzulegen, eine Wende um 180 Grad zu inszenieren, die eigene Partei in der Bild-Zeitung anzugreifen, dazu gehört eine Charakterlosigkeit ohnegleichen“, sagte er in dem Gespräch für das Buch „Was würde Bebel dazu sagen?“, das von dem Publizisten Manfred Bissinger und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) herausgegeben wird.
Lafontaine war am 11. März 1999 als Finanzminister und SPD-Chef zurückgetreten und hatte dies mit dem „schlechten Mannschaftsspiel“ in der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder begründet. Vor der Bundestagswahl 2005 schmiedete er ein Bündnis der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) und der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS), die aus der DDR-Staatspartei SED hervorgegangen war. Daraus entstand die Partei Die Linke, deren Vorsitzender Lafontaine bis 2010 geblieben ist. „Es ist im Grunde ein Pyrrhussieg für die Linke, ihn gewonnen zu haben. Mit seiner Verweigerungsstrategie hält er die Partei davon ab, Verantwortung zu übernehmen“, sagte Grass.

Kommentare (11)

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Treudoof

13.08.2013, 06:23 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Tabu

13.08.2013, 06:59 Uhr

Würde die Linke aus Lafontaine,Wagenknecht und Gysi
bestehen,wäre sie wählbar.
Drei ebenso kluge Köpfe wie sie in der AfD zu finden sind.
Sollte die Linke ihrem festhalten am Euro abschwören,
wäre sie auch eine Option für die Lucke-Partei.
Vielleicht sogar eine überzeugende,um den
Beigeschmack des radikal neoliberalen Verdachts,
der AfD,auszuräumen.
Diese Verbindung,wäre für mich wählbar.
Von der SPD,sollten sich aber beide fernhalten.

nunja

13.08.2013, 07:13 Uhr

Was erwartet Herr Grass?
Dass alle SPD Mitglieder bei einem derartigen Richtungswechsel der SPD, wie er sich in 1999 bereits abzeichnete, hätten Hurra rufen sollen?
Lafontaine hatte bereits damals skizziert worauf der Richtungswechsel der SPD in Konsequenz hinauslaufen könnte. Bis auf einige Abweichungen ist das so ja auch im großen und ganzen eingetreten.
Was indes auffällt: dass Herr Grass hier eine Art Dolchstoßlegende von links gegen links zu insinuieren scheint.
Und was Bebel dazu sagen würde?
Und was wohl Bismarck dazu sagen würde.

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