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28.01.2008

10:20 Uhr

Schnelle Rüffel aus Berlin

Urteil über Koch ist bereits gesprochen

VonAndreas Rinke

Es war nur ein kleiner Seitenhieb. Aber im Grunde hatte Ronald Pofalla bereits um 18.30 Uhr im Konrad-Adenauer-Haus das Urteil der CDU-Spitze über Hessens Ministerpräsidenten gesprochen. Merkels hochgehandelter Vize Koch ist auf politisches Normalmaß zusammengeschrumpft.

Die Zukunft des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch ist nach dem Wahldebakel ungewiss. Foto: dpa dpa

Die Zukunft des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch ist nach dem Wahldebakel ungewiss. Foto: dpa

BERLIN. Sichtlich mitgenommen ringt Pofalla zunächst um Worte, um die Wiederwahl des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff zu feiern. Aber als er dann auf die Hängepartie in Hessen und das Thema innere Sicherheit angesprochen wird, wird er ganz knapp. Das Thema Kriminalitätsbekämpfung bleibe sicher eine Kernkompetenz der Union und werde weiter verfolgt. "Aber in Hessen ist vielleicht der Fehler gemacht worden, dass es zu sehr wie ein Wahlkampfthema wirkte."

Wumm. Die mit CDU-Chefin Angela Merkel abgestimmte Kritik am falschen Wahlkampfstil Kochs sitzt. Später wiederholt Pofalla sie gleich noch einmal. Und wenige Minuten später weist auch Niedersachsens Wahlsiegers Wulff in Hannover selbstbewusst darauf hin, er habe bewiesen, wie man mit einem "sachlich-argumentativen Wahlkampf" in Deutschland eine bürgerliche Mehrheit sichern könne.

Deutlicher kann man sich nicht von dem polarisierenden Hessen-Wahlkampf abgrenzen, ohne die Parteisolidarität unter Ministerpräsidenten zu verletzen. Deutlicher kann man nicht sagen, wer in der Union die Sieger und die Verlierer des Wahlabends sind. Wulff gilt nun als unumstrittene Nummer zwei in der Partei, wird im Adenauer-Haus allgemein eingeräumt. Merkels hochgehandelter Vize Koch dagegen ist auf politisches Normalmaß zusammengeschrumpft.

Innerhalb weniger Minuten haben sowohl CDU-Chefin Angela Merkel als auch Parteivize Wulff am Sonntagabend aber auch eine Abwehrfront gegen mögliche Vorwürfe aus Hessen aufgebaut. Dort war schon in den Tagen vor der Wahl orakelt worden, man werde nach dem Sonntag die desaströse Mindestlohndebatte der Großen Koalition thematisieren.

Das will Merkel verhindern. Sie ist schließlich nicht nur CDU-Chefin, sondern auch Bundeskanzlerin. Als sie am Abend im Kanzleramt im Kreise weniger Vertrauter die Hochrechnungen der beiden Landtagswahlen verfolgt, weiß sie, wie schwer es nach dem Hessen-Ergebnis wird, die Große Koalition in Berlin ohne neue Friktionen zusammenzuhalten. Da nutzt es wenig, dass die Generalsekretäre Pofalla und Hubertus Heil im einzigen einigen Moment des Abends später öffentlich beteuern, die Koalition werde auf jeden Fall bis 2009 halten.

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