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27.11.2014

14:12 Uhr

Schriftsteller schlagen Alarm

„Eklatantes Versagen der Politik“ bei Flüchtlingspolitik

Die „Festung Europa“ versagt, eine neue globale Gefahrenzone braut sich zusammen – so sehen es die Schriftsteller im deutschen PEN. Deshalb wollen sie sich künftig auch stärker einmischen.

Sieht bei den Deutschen mehr Bereitschaft zu helfen: Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass. dpa

Sieht bei den Deutschen mehr Bereitschaft zu helfen: Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass.

HamburgDer deutsche PEN will die „Festung Europa“ knacken. Den Kursschwenk der Autorenvereinigung zu offener politischer Einmischung begründeten die beiden PEN-Ehrenpräsidenten Günter Grass (87) und Christoph Hein (70) sowie der amtierende PEN-Präsident Josef Haslinger (59) am Mittwochabend in Hamburg mit dem „eklatanten Versagen der Politik“ nicht nur bei der Flüchtlings- und Asylpolitik.

In harschen Worten prangerten sie das Versagen des Westens an. Der habe nach der friedlichen Revolution 1989 in Osteuropa samt Mauerfall in der DDR Hoffnungen auf ein Ende des Blockdenkens und eine Überwindung des Nord-Süd-Konflikts, des Gegensatzes von Arm und Reich, enttäuscht.

Der Anlass zum politischen Aufbruch war symbolträchtig: Der PEN feierte am Mittwoch in der Freien Akademie der Künste in Hamburg seinen 90. Geburtstag – nicht inszeniert als Selbstbeweihräucherung, sondern als Benefiz-Gala mit Lesungen beklemmender Texte verfolgter und inhaftierter Autoren, die der PEN mit den Programmen „Writers in Exile“ und „Writers in Prison“ unterstützt.

Wo Flüchtlinge in Deutschland wohnen

Flüchtlingswohnheime

In der Regel werden Asylsuchende in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Vor allem die Zustände in den zentralen Einrichtungen der Länder, in denen die Flüchtlinge nur kurz bleiben sollen, stehen in der Kritik. Oft müssen Männer, Frauen und Kinder auf engem Raum zusammenleben. (Quelle: dpa)

Wohnungen

Verschiedene Kommunen bringen Flüchtlinge in Privatwohnungen unter. Allerdings gibt das der Wohnungsmarkt nicht in allen Städten her - auch weil die Mieten zu hoch sind.

Schulen, Altenheime, Kasernen

In manchen Städten stehen Gebäude leer, die einst für Schüler, Alte oder Soldaten gebaut wurden. Nun leben Flüchtlinge darin - etwa in Heidelberg in einer alten Kaserne.

Container und Zelte

Container und Zelte können recht schnell aufgebaut werden. Das macht sie an vielen Orten im Notfall beliebt. Anwohner stören sich allerdings nicht selten an den Zeltstädten.

Hotels

Aus Touristenziel wird Flüchtlingsunterkunft. In der Not mieten Behörden auch Zimmer in nicht ausgelasteten Hotels an. So wurde in Sachsen ein altes Vier-Sterne-Haus umfunktioniert.

Wohnschiffe

Schwimmende Schlafplätze für Flüchtlinge hat es in der Vergangenheit bereits gegeben - etwa in Hamburg. Die Hansestadt plant nun erneut, Wohnschiffe für Asylsuchende ankern zu lassen.

Mehr als 6000 Euro für „Writers in Prison“ brachte eine von Ex-„Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert launig-humorvoll geleitete Versteigerung von sechs Grafiken, die Grass zur Verfügung gestellt hatte.

Auf den drei Tischen der Diskussionsrunde standen nur Wasserflaschen, später gab es beim Empfang auch Wein und Kleinigkeiten zu essen. „Wir sind doch nicht glaubwürdig, wenn wir die Not in der Welt beklagen und uns hier die Wampe vollhauen“, hatte vorher PEN-Generalsekretärin Regula Venske gesagt.

„Wir sind in eine neue Gefahrenzone geraten“, beschrieb der Österreicher Haslinger die Weltlage. Von einer Mauer, die härter ist als Stein, nämlich „eine Mauer aus Geld“, sprach der Ostdeutsche Hein. „Sie hat schon jetzt mehr Tote gefordert als die (Berliner) Mauer und es werden mehr folgen.“ Arme Kontinente wie Afrika würden auf die Segnungen des Kapitalismus immer noch warten.

Kommentare (8)

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Joerg Heidenreich

27.11.2014, 15:05 Uhr

"Grass hält Zwangseinquartierungen für eine Option!!!???"
... dann knallt es aber auf den deutschen Straßen!

"Er erinnert daran, dass man dies nach dem Ende des zweiten Weltkrieges auch so gemacht hätte." ..... hallo? Das waren Deutsche aus den unmittelbaren deutschen Ostgebieten. Und nicht Syrer, Iraker oder Afrikaner!!!

Herr Bernhard Ramseyer

27.11.2014, 15:09 Uhr

- Grass hält Zwangseinquartierungen für Option -

Wahnvorstellungen eines 87-jährigen?

Herr Ragin Allraun

27.11.2014, 16:02 Uhr

Genau, - es waren Deutsche aus dem deutschen Kulturkreis und damit Gleiche.

Und keine kulturell völlig Fremden in Aussehen, Sprache und Gebahren !

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