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26.01.2005

22:05 Uhr

Schröder bietetet kritische Zusammenarbeit an

BDI-Chef fordert mehr Eigenverantwortung

Jürgen Thumann, der neue Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), hat an alle gesellschaftlichen Kräfte appelliert, sich verstärkt für mehr Eigenverantwortung in Deutschland zu engagieren. Dies setze nicht nur Leistungsbereitschaft voraus.

HB BERLIN. Das Leitmotiv der Eigenverantwortung bedeute auch Solidarität und bürgerschaftliches Engagement, sagte Thumann am Mittwochabend beim Neujahrsempfang des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) vor rund 1000 Ehrengästen, darunter auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und CDU-Chefin Angela Merkel.

Thumann erklärte, nur mit mehr Eigenverantwortung ließen sich die Schwächen in Deutschland beseitigen. Es gehe darum, die Staatsschulden zu verringern, das Wachstum zu stärken und die Arbeitslosenzahlen zu senken. Dafür müsse aber das Anspruchsdenken beendet werden.

Bundeskanzler Schröder würdigte die faire Zusammenarbeit mit dem BDI und dessen scheidenden Präsidenten Michael Rogowski, auch wenn er mit diesem nicht immer übereingestimmt habe. Rogowski forderte die Bundesregierung auf, den Reformkurs fortzusetzen. Dabei sei die Ökonomie das Fundament. Je besser dieses Feld bestellt werde, desto mehr sei in den Bereichen Ökologie und Soziales leistbar. Als Antrittsgeschenk erhielt der passionierte Reiter Thumann einen eineinhalbjährigen Araber-Hengst, der auf die Bühne im Konzerthaus am Gendarmenmarkt geführt wurde.

Schröder hat dem neuen BDI-Präsidenten eine konstruktive und wenn nötig auch sachlich-kontroverse Zusammenarbeit angeboten. Schröder sagte: „Ich wünsche mir viel Gemeinsamkeit und wo nötig auch ernsthaftes Streiten“.

Thumann, der zu Beginn des Jahres sein neues Amt angetreten hatte, hob hervor, als Vertreter der deutschen Industrie suche er nicht um jeden Preis den Konflikt. „Ich bin nicht auf der Suche nach dem, was uns unterscheidet, sondern nach dem, was uns verbindet“, sagte er. Sein Leitmotiv sei Eigenverantwortung. Das bedeute Verantwortung für sich selbst, aber auch für die Gemeinschaft. Nur so könne Deutschland seine Schwächen überwinden. Zudem gelte es, das Anspruchsdenken zurückzudrängen. An die Adresse der Wirtschaft machte er klar: „Wir tragen auch Verantwortung für die Gesellschaft“. Und er fügte hinzu: „Wenn es gilt, den Gürtel enger zu schnallen, auch den eigenen Gürtel im Griff zu haben, das schafft Glaubwürdigkeit“.

Der nach vier Jahren BDI-Präsidentschaft zu Jahresbeginn ausgeschiedene Michael Rogowski forderte Schröder auf: „Hoch geschätzter Bundeskanzler, setzen sie bitte ihren Reformkurs fort.“ Es dürfte nicht nur um ein Abarbeiten gehen, sondern müsse auch darum gehen, Neues zu beginnen. Der Kanzler müsse klare Prioritäten setzen. „Das Fundament ist nicht das Soziale, das Fundament ist auch nicht das Ökologische. Das Fundament ist das Ökonomische“, formulierte Rogowksi. Die Opposition forderte er auf, alternative und weiterführende Konzepte zu entwickeln. „Schluss mit dem Zank in den eigenen Reihen“, lautete eine weitere Forderung an die Union. Und Rogowski ergänzte im Beisein der CDU-Chefin Angela Merkel: „Eine Kanzlerkandidatin könnte ich mir sehr gut vorstellen.“

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