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10.03.2006

15:02 Uhr

Schröder Ehrengast bei Jubiläumsparty eines Hedge-Fonds

„Danke, Herr Bundeskanzler“

VonErnst Miachel Brauner und Oliver Stock

In der Wiener Hofburg feierte der Hedge-Fonds-Manager Christian Baha das zehnjährige Bestehen des Superfund. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte keine Hemmungen, als Ehrengast an den Feierlichkeiten einer „Heuschrecke" teilzunehmen.

Superfund-Gründer Christian Baha (li.) und der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Foto: dpa

Superfund-Gründer Christian Baha (li.) und der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Foto: dpa

WIEN. Ob es an den Genossen in Berlin, die an ihren ehemaligen Kanzler und Vorsitzenden Gerhard Schröder dachten, am Mittwochabend wie dem Pferd auf der Wiener Ringstraße erging? Der Gaul, der vor einen Fiaker gespannt war, stieß mit einem Auto zusammen und verabschiedete sich in eine lang anhaltende Ohnmacht. Schröder saß im Stau dahinter und schaffte es gerade noch rechtzeitig zur Vorspeise in die Hofburg, wohin ihn Österreichs populärster Hedge-Fonds-Manager, Christian Baha, eingeladen hatte. Der Sozialdemokrat als Stargast bei einer Feier einer „Heuschrecke“ – den Berliner Genossen wird schon seit Montag schwummerig vor Augen, seit das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ genüsslich auf den Termin hingewiesen hatte.

Wie wird er sich schlagen? Bei Thai-Rindercarpaccio, gebeiztem Lachs mit Pommerysenf und geräucherter Entenbrust auf rotem Linsensalat diskutieren die geladenen Hofräte, Magister und Doktoren vor allem dieses Thema. Ein grauhaariger Herr im Smoking erinnert an den vergangenen April. Ganz genau kann er die Worte des damaligen SPD-Chefs Franz Müntefering über Finanzinvestoren wiedergeben. Er hat sie sich aufgeschrieben: „Die verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“ Wochenlang beschäftigte darauf die „Heuschrecken-Debatte“ die Republik. „Der Schröder“, bemerkt die Tischnachbarin im langen Ballkleid, während sie an ihrem erlesenen Veltliner süffelt, „hat sich dabei aber zurückgehalten.“

Den Österreichern, die die großen Diskussionen im Nachbarland stets zum eigenen Vergnügen nachvollziehen, fiel damals gleich der Baha Christian ein. Das liegt daran, dass kein Landsmann an ihm vorbeikommt. Einen Fußballverein hat sich der smarte 37-Jährige zugelegt. Irgendwie muss er schließlich das Geld investieren, das seine Superfund-Investmentgruppe abwirft. Später bastelte er an einem Restaurantkonzept mit Himalaya-Küche. Sein „Investmentcenter“ in Wien sieht aus wie eine Parfümerie, die Geburtstag feiert. Im Schaufenster blinken Angebote: „25 Prozent Jubiläumsrabatt“, steht auf grünen Geschenkkartons. Den Rabatt gibt es, weil Superfund zehn Jahre alt wird. Schröder ist ja auch deswegen da. Und weil er im Internet mittlerweile auch für Leute wie Baha buchbar ist. Die US-Agentur Harry Walker preist den Altkanzler als einen Mann an, der sich hochgearbeitet hat: „Born into a struggling working class family.“

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