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14.02.2014

15:56 Uhr

Schröder stellt Buch vor

„Basta“ kann er immer noch

VonMarc Etzold

Großer Auftritt für den Altkanzler: In Berlin stellte Gerhard Schröder sein neues Buch vor. Vor allem war es eine Show des Lobes und des Selbstlobes – inklusive einer schmeichelnden Rede des Co-Chefs der Deutschen Bank.

Altkanzler Schröder mit Deutsche-Bank-Chef Jain: „Das Buch ist ein Geburtstagsgeschenk an mich selbst“ Reuters

Altkanzler Schröder mit Deutsche-Bank-Chef Jain: „Das Buch ist ein Geburtstagsgeschenk an mich selbst“

BerlinHerr Bundeskanzler – rein protokollarisch ist diese Anrede für Gerhard Schröder korrekt. Wer aus dem Amt ausgeschieden ist, darf den Titel „Bundeskanzler a.D.“ führen. Und so begrüßen Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, sowie Manuel Herder, Geschäftsführer des Herder-Verlages, Gerhard Schröder am Freitagmittag in Berlin als „Herr Bundeskanzler“.

Schröder ist für die Präsentation seines Buches „Klare Worte“ in die Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Bank gekommen. Auch der Publizist Michael Naumann, unter Schröder Kulturstaatsminister im Kanzleramt, setzt zu der förmlichen Begrüßung an, unterbricht sich aber umgehend selbst: „Herr Bundeskanzler darf man nicht sagen. Das mag er gar nicht“, erklärt Naumann, der die Veranstaltung moderiert, süffisant. Schröder nickt. Diese Buchpräsentation dreht sich um ihn – ergo sollen alle auch nach seinen Regeln spielen.

Doch Nauman will nicht so recht mitspielen und versucht Schröder schon mit seiner ersten Frage aufs Glatteis zu führen. Ob Oskar Lafontaine im Nachhinein nicht als Prophet bezeichnet werden müsste? Immerhin habe der sich gegen die Deregulierung der Finanzmärkte gewehrt als er noch Finanzminister unter Schröder war.

Gerhard Schröder

Die Person

Gerhard Fritz Kurt Schröder wurde am 7. April 1944 in Mossenberg als zweites Kind von Erika und Fritz Schröder geboren.

Politische Ämter

Er war von 1990 bis 1998 Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und von Oktober 1998 bis November 2005 der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Von 1999 bis 2004 war er Vorsitzender der SPD.

Nach der Politik

Seit dem Ende seiner politischen Karriere ist er als Rechtsanwalt sowie in verschiedenen Positionen in der Wirtschaft tätig.

Kritik am Kanzler a.D.

Harsche Kritik erntete Schröder, weil er kurz nach der Wahl einen Posten bei der Nord Stream AG annahm, an der der russische Konzern Gazprom einen Mehrheitsanteil von 51 Prozent hält.

Berater und Redner

Schröder ist unter anderem noch als Berater für den Schweizer Ringier-Verlag und dessen Verwaltungsratspräsidenten Michael Ringier tätig, als Redner der Agentur „Harry Walker“ in New York und der der Rothschild Bank sowie des chinesischen Außenministeriums. Außerdem ist er Mitglied des dreiköpfigen Direktoriums des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP. Agenturen vermitteln Schröder als Redner, zu Preisen zwischen 50.000 und 75.000 Euro.

Seine „klaren Worte“

Georg Meck, stellv. Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

Gerhard Schröder
„Klare Worte“
Im Gespräch mit Georg Meck über Mut, Macht und unsere Zukunft
Gebunden mit Schutzumschlag, 238 Seiten
19,99 Euro
ISBN 978-3-451-30760-7 Herder 2014

Wieder in der Öffentlichkeit

Seit dem Frühjahr 2012 tritt Schröder öffentlich wieder mehr in Erscheinung. Er äußerte sich zum Beispiel in Gastbeiträgen und Interviews in deutschen Zeitungen zu Europa. Ein politisches Comeback schloss er im Juli 2012 aus

Der Altkanzler ist sichtlich begeistert. Bei der Präsentation seines eigenen Buches soll er über seinen früheren Intimfeind sprechen. „Wir sollten hieraus jetzt keine Diskussion über das Wirken von Oskar Lafontaine machen“, lautet Schröders kühle Antwort. Lafontaine sei zwar einer der begabtesten Politiker, die er kenne. Aber leider wolle er immer geliebt werden. Rums. Thema beendet. Basta kann Schröder immer noch – auch als Bundeskanzler a.D.

Naumann versucht es mit einem anderen Thema: Staatsschulden. Seiner Meinung nach seien Staaten stabiler, wenn sie Schulden machten und nicht zu sehr sparen würden, führt Naumann aus. „Das ist ein geschichtlicher Fakt.“ Dann wendet er sich zu Schröder: „Ich weiß, dass Du Karl Marx nicht gelesen hast, aber …“. Schröder lässt die Frage nicht zu und antwortet sofort: „Marx habe ich in Exzerpten gelesen.“ Der Saal lacht. Schröder, der sich aus ärmlichen Verhältnissen ganz nach oben geboxt hat, lässt sich nicht vorführen – schon gar nicht, wenn es um sein Lebenswerk gehen soll. Das hat nun jeder begriffen.

Kommentare (4)

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Sniper

14.02.2014, 16:21 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Schlesier

14.02.2014, 16:34 Uhr

Schröder war der einzigste Politiker der ein bischen pro russische Politik gemacht hat und den Amerikanern nicht in den Allerwertesten gekrochen ist.

siegfried

14.02.2014, 16:45 Uhr

Der Schröder, hätte längst im knast sitzen müssen wegen der Steuerschenkung an den russen.

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