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29.01.2014

11:33 Uhr

Schröder zur Rente

Der Altkanzler schießt quer

SPD-Arbeitsministerin Nahles hat die Rentenpläne der Koalition vorgestellt – und pünktlich dazu meldet sich Altkanzler Schröder zu Wort. Er fragt, wer die neue Rente bezahlt – und warum Frauen nicht dagegen aufbegehren.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD): „Die Entscheidungen kosten nicht nur einmal Milliarden, die Ausgaben kommen jedes Jahr wieder.“ dpa

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD): „Die Entscheidungen kosten nicht nur einmal Milliarden, die Ausgaben kommen jedes Jahr wieder.“

BerlinAltbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat einem Zeitungsbericht zufolge die Rentenpläne der großen Koalition scharf kritisiert. Die geplante Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren sei „ein absolut falsches Signal, gerade mit Blick auf unsere europäischen Partner, von denen wir ja zu Recht Strukturreformen einfordern“, zitiert die „Bild“-Zeitung aus einem neuen Buch Schröders mit dem Titel „Klare Worte“.

Schröder äußert dem Bericht zufolge in seinem Buch Verständnis dafür, „welchen gesellschaftlichen Gruppen man mit den Koalitionsbeschlüssen helfen will, das ändert aber nichts am zentralen Problem: Wie soll das finanziert werden?“. Ihn wundere, „dass sich die Frauen nicht zu Wort gemeldet haben, denn das Ergebnis ist eindeutig: Der männliche Facharbeiter, relativ gut verdienend, wird das nutzen können, Frauen eher weniger, weil die meistens gar nicht auf die 45 Beitragsjahre kommen“, zitiert die „Bild“-Zeitung weiter.

Die Pläne zur abschlagfreien Rente mit 63

45 Jahre eingezahlt

Wer 45 Jahre lang Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hat, kann mit 63 Jahren ohne Abschläge in den Ruhestand gehen. Für jeden Monat, den die Rente vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter beginnt (2014: 65 Jahre und drei Monate), wird das Altersgeld eigentlich um 0,3 Prozent gekürzt. Dieser lebenslange Abschlag entfällt bei der Rente mit 63.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Aus der Rente mit 63 wird bis 2029 die Rente mit 65: Die Schwelle soll schrittweise steigen. Die neue „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ gilt ab 63 Jahren nur für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind und deren Rente nach dem 1. Juli 2014 beginnt. Für ab 1953 Geborene steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Für ab 1964 Geborene liegt sie somit bei 65 Jahren.

Anspruchsvoraussetzungen sinken

Bisher gab es nur eine „Rente für besonders langjährig Versicherte“ ab 65 Jahren. Die neue Rente mit 63 weitet diese Regel aus und senkt zudem die Anspruchsvoraussetzungen. Zeiten der Arbeitslosigkeit werden als Beitragsjahre mitgezählt, wenn Anspruch auf das reguläre Arbeitslosengeld I bestand. Hartz-IV-Empfänger bleiben außen vor.

Was das kostet

Die Kosten wachsen langsam von 900 Millionen Euro 2014 auf 1,9 Milliarden Euro 2015 bis auf 3,1 Milliarden jährlich im Jahr 2030.

Schröder verweist demnach zudem auf ein „noch schwerwiegenderes“ Problem: „Die Entscheidungen kosten nicht nur einmal Milliarden, die Ausgaben kommen jedes Jahr wieder. Das führt in einigen Jahren unweigerlich zu der Frage: Müssen wir deswegen die Rentenbeiträge erhöhen?“, wird aus dem Buch des Altkanzlers zitiert.

Kommentare (48)

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Zeitzeuge

29.01.2014, 09:01 Uhr

Zitat : Schröder äußert dem Bericht zufolge in seinem Buch Verständnis dafür

- dass die Rentenreform ein Beschiss sind, ist jedermann klar. Deswegen muss man nicht gleich ein Buch schreiben.

Hat Gas-Gerd beim Putin zuwenig verdient ?

Ich_kritisch

29.01.2014, 09:13 Uhr

Herr Schröder, sie haben ja so Recht!
Es ist wirklich schrecklich - da werden also einfache Arbeiter bevorzugt - pfui Teufel! Und die Frauen machen nichts dagegen - schrecklich.
Tja, es wird wohl so sein, dass häufig Frauen mitdenken und mitleiden können. Vielleicht können sich viele Frauen einfach vorstellen, dass man mit 67 nicht mehr auf Dächern herum klettert oder auf nassen Böden Fliesen legt, oder oder oder.
Und warum sollten Frauen diese 45 Jahre nicht erreichen? Ich bin eine Frau - mit 16 in die Lehre 4 Jahre ausgesetzt zum Kinder aufziehen - mit 65 in Rente - selbst wenn die Kindererziehungszeit nicht anerkannt wird.

Verlängern wir doch einfach die Mindest-Beitragszeit - von 5 auf 15 Jahre - dann hat die Rentenversicherung ganz schnell genug Geld.

Account gelöscht!

29.01.2014, 09:13 Uhr

Bei unserm Gerd fallen mir als klare Worte nur ein:

"Putin ist ein lupenreiner Demokrat".

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