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14.02.2014

04:22 Uhr

Schröders Buch „Klare Worte“

Altkanzler steht zum „lupenreinen Demokraten“ Putin

Beschwichtigende Worte zu Putin, Kritik an Merkel: Im neuen Buch „Klare Worte“ hält Altkanzler Schröder seine Meinung nicht zurück. Der Kanzlerin wirft er miserables Management vor. Empfehlungen hat er auch auf Lager.

„Klare Worte“: Altkanzler Schröder stellt am Freitag ein neues Buch mit Interviews vor. dpa

„Klare Worte“: Altkanzler Schröder stellt am Freitag ein neues Buch mit Interviews vor.

BerlinAltkanzler Gerhard Schröder (SPD) kritisiert in einem neuen Buch „Klare Worte“, das er am Freitag in Berlin vorstellt, eine oft zu einseitige Sichtweise auf Russland und Wladimir Putin. Mit Blick auf die umstrittene Charakterisierung Putins als „lupenreinem Demokraten“ betont Schröder: „Ich relativiere meine Haltung zu Putin nicht.“ Allerdings halte er das Gesetz, das positive Äußerungen über Homosexualität in Gegenwart von Kindern unter Strafe stellt, für falsch. „Der Westen traut Putin nicht, und Putin traut dem Westen nicht“, bemängelt Schröder in dem Interview-Band „Klare Worte“.

Mit Blick auf Putin sagt Schröder im Gespräch mit dem Journalisten Georg Meck: „Ich nehme ihm ab, dass eine funktionierende Demokratie und ein stabiles Staatswesen seine Ziele sind - auf dem mühsamen Weg des russischen Staates und der russischen Gesellschaft, die Folgen einer jahrzehntelangen totalitären Herrschaft zu überwinden.“ Das sei seine Überzeugung aus vielen Gesprächen. Schröder war nach seiner Kanzlerschaft Aufsichtsratschef des Ostseepipelineprojekts NordStream geworden, der russische Staatskonzern Gazprom ist Mehrheitseigner.

Angesichts ständiger Wahlkämpfe, die das Regieren einschränken, empfiehlt der Altkanzler eine radikale Bündelung der Wahltermine in Deutschland. „Vielleicht kann man sich irgendwann auf zwei, drei Termine einigen, an denen Landtags- und Kommunalwahlen zusammengelegt werden“, sagt Schröder. „Sonst haben Sie ein hohes Maß an Wahlkampfarbeit zu absolvieren, das ziemlich anstrengend ist.“

Zudem rechnet er fest damit, dass das letzte Atomkraftwerk in Deutschland nicht wie geplant Ende 2022 vom Netz gehen kann. „Bis dahin sind es ja weniger als zehn Jahre“, sagt er in dem Buch. „Nach meinem Eindruck wird die völlige Umstellung so schnell nicht gelingen; Verbraucher wie Industrie werden revoltieren und die Politik unter Druck setzen, den Termin schon aus Kostengründen nach hinten zu schieben.“

Seiner Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) wirft er ein katastrophales Management vor: Die Energiewende sei bisher „erbärmlich umgesetzt“ worden. „Ich habe immer die Auffassung vertreten, dass die ursprünglichen Zeiträume, für die wir im Jahr 2000 den Atomausstieg verhandelt hatten, also 32 Jahre, sinnvoll sind.“ Dann habe seine Nachfolgerin zunächst den von ihm ausgehandelten Atomausstieg rückgängig gemacht und die Laufzeiten um bis zu 14 Jahre verlängert.

„Das Argument, nach Fukushima müsse in Deutschland alles neu gedacht werden, kann ja auch nicht stimmen: Entweder ist die Gefahr durch deutsche Atomkraftwerke so dramatisch, dann müssen sie alle sofort vom Netz. Oder man kann sich die Zeit nehmen, die man braucht, um Atomenergie zu ersetzen“, betonte Schröder, der nach seiner Kanzlerschaft eine umstrittene Aufsichtsratstätigkeit bei dem Ostseepipeline-Projekt NordStream angenommen hatte, dessen Mehrheitseigner der russische Staatskonzern Gazprom ist.

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„Die Berichterstattung, speziell bei uns, ist reichlich unfair“, findet Altkanzler Schröder und wünscht sich mehr Wohlwollen für die Olympischen Spiele in Sotschi. Er gilt als guter Freund von Wladimir Putin.

„Ich habe Frau Merkels Aktionismus nicht verstanden. Warum hatte sie nicht die Größe, nach Fukushima zu sagen: Wir gehen zum unter Rot-Grün ausgehandelten Energiekonsens zurück. Kein Energieversorger hätte klagen können. Sie haben ja alle unterschrieben“, so Schröder.

Das Buch, in dem Schröder vom Journalisten Georg Meck interviewt wird, erscheint im Herder-Verlag und wird Freitag in Berlin vorgestellt. Präsentiert wird es von Schröder und dem Präsidenten des Europaparlaments, Martin Schulz.

Von

dpa

Kommentare (5)

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14.02.2014, 07:55 Uhr

Wer hat noch Interesse an den Worten von einem Herrn Schröder?

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14.02.2014, 08:07 Uhr

Nachdem seit der Merkel Regierung ein Abbau der Demokratie und des Rechtsstaates stattfindet, die Eurokraten überhaupt kein demokratisches gespür haben, sollte der Westen tatsächlich Putin nicht kritisieren. Er ist noch ein letztes Bollwerk gegen die USA und genau deswegen wird immer negativ über ihn berichtet.

Account gelöscht!

14.02.2014, 08:09 Uhr

Nur durch den Schuldenerlass Schröders in Höhe von 7,1 Mrd Euro, bekam er 2005 den Job bei Gazprom.Das sollte niemand vergessen.Die 7,1 Mrd exclusive Zinsen fehlen aber Deutschland.Ja aber Deutschland regt sich lieber das kostenlose über Bobby-Car von Wulff auf.

http://www.welt.de/print-welt/article383598/Schroeder-erlaesst-Putin-7-1-Milliarden-Euro-Schulden.html

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