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29.04.2013

14:24 Uhr

Schröders Familienpolitik im Fokus

Ifo-Experten warnen vor höherem Kindergeld

VonDietmar Neuerer

Eine Studie wirft kein gutes Licht auf die deutsche Familienpolitik: Sie setzt mit ihren Maßnahmen falsche Akzente und benachteiligt Mütter. Pikant dabei: Die Regierung hat die Untersuchung selbst in Auftrag gegeben.

Mütter: Die Leidtragenden von höherem Kindergeld und vom Betreuungsgeld. dpa

Mütter: Die Leidtragenden von höherem Kindergeld und vom Betreuungsgeld.

BerlinWas bringen die vielen familienpolitischen Leistungen? Eine Studie des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag der Bundesregierung liefert überraschende Ergebnisse und dürfte damit in gewisser Weise auch wie ein Bumerang auf die Politik von Familienminister Kristina Schröder (CDU) wirken. Denn de facto wenden sich die Experten auch gegen die Einführung des Betreuungsgelds – auch wenn diese Leistung nicht zentral behandelt wurde. Das liegt aber daran, dass im Rahmen der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) in Auftrag gegebenen Gesamtevaluation insbesondere die Auswirkungen von Kindergeld und der öffentliche Förderung der Kinderbetreuung auf Familien in Augenschein genommen wurde.

Das Ergebnis: Im Gegensatz zur öffentlich geförderten Kinderbetreuung, die die  Arbeitsmarktbeteiligung von Müttern erhöht und sich größtenteils selbst finanziert, können monetäre Leistungen wie das Kindergeld zu negativen Beschäftigungseffekten bei Müttern führen. Die tatsächlichen Kosten einer Kindergelderhöhung liegen dabei demnach deutlich über den nominalen Kosten.

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

Der Schluss, den die Experten ziehen, legt nicht nur die Annahme nahe, dass auch das am 1. August startende Betreuungsgeld negative Auswirkungen mit sich bringen würde, da es sich auch hier um eine monetäre Leistung handelt. Die Experten weisen darauf in ihren Schlussbemerkungen sogar darauf hin: "Die neue familienpolitische Maßnahme des Betreuungsgeldes lässt dabei vergleichbare Effekte erwarten", heißt es. Der Grund dafür ist noch offensichtlicher als beim Kindergeld. Denn das Betreuungsgeld zielt ja explizit darauf ab, dass Eltern ihre Kinder zu Hause betreuen. Mindestens ein Elternteil steht damit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.

Wo Frauen ähnlich wie Männer verdienen und wo nicht

Insgesamt

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Je nach Branche unterscheiden sich die Diskrepanzen aber enorm. Während in manchen Berufssparten die Gehaltsspanne 30 Prozent beträgt, sind es in einer Branche nur noch vier Prozent unterschied. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Techniker und nichttechnische Berufe

Die größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen immer noch bei Techniker-Berufen und gleichrangigen Jobs. Wer hier als Frau seine Berufung gefunden hat, muss mit einem 30 Prozent geringeren Einkommen rechnen als der männliche Kollege mit der gleichen Ausbildung.

Führungskräfte

Genauso benachteiligt sind Frauen in Führungspositionen. Auch hier liegt die Gehaltsdiskrepanz bei 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt.

Akademische Berufe

Wer als Frau einen akademischen Beruf ergreift, steht etwas besser da - aber nicht viel. Akademikerinnen müssen aktuell noch damit leben, dass der männliche Kollege am benachbarten Schreibtisch 28 Prozent mehr verdient.

Handwerks- und verwandte Berufe

Bei Schreiner, Bäcker, Friseur und Co. sieht es etwas besser aus, auch wenn die Gehaltsspanne ebenfalls noch groß ist: Frauen in Handwerksberufen bekommen durchschnittlich 25 Prozent weniger als der Kollege - immer noch ein stärkerer Gehaltsunterschied als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe

Knapp unter dem Durchschnitt liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, die etwa Maschinen bedienen oder als Monteure arbeiten: 19 Prozent verdient ein männlicher Mitarbeiter hier mehr als ein Weiblicher.

Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei

Einen Sprung nach unten gibt es bei der Gehaltsspanne in der Land- und Forstwirtschaft. Wer sich in diesem Bereich ausbilden lässt oder wen es aufs Meer zieht, der verdient als Frau verhältnismäßig besser - bzw. ähnlich viel wie der männliche Kollege: Der Unterschied liegt hier bei 13 Prozent - zwar deutlich weniger als etwa bei den Akademikern, aber immer noch deutlich.

Hilfsarbeitskräfte

Gleiches gilt für Arbeitskräfte ohne branchenspezifische Berufsausbildung: Auch hier haben Frauen durchschnittlich 13 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer.

Dienstleistungsberufe und Verkäufer

Kaum geringer ist der Unterschied bei Servicekräften, Verkäufern und Co.: Frauen müssen sich mit einem durchschnittlich 12 Prozent geringeren Einkommen begnügen.

Bürokräfte und verwandte Berufe

Das beste Gehaltsniveau für Frauen findet sich bei den Bürojobs und ähnlichen Berufen. Hier beträgt der Gehaltsunterschied zu den männlichen Kollegen nur noch 4 Prozent - 18 Prozent unter der durchschnittlichen Diskrepanz.

Das Betreuungsgeld war jedoch nicht Gegenstand der Untersuchung. Der Familienökonom Helmut Rainer, Leiter des Ifo-Forschungsbereichs Sozialpolitik und Arbeitsmärkte, und seine Mitarbeiter nahmen sich die Wirkung des Kindergelds vor. Sie analysierten die Effekte von Kindergeld und Kinderfreibeträgen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die wirtschaftliche Stabilität und die soziale Teilhabe von Familien sowie auf die Geburtenrate bzw. die Erfüllung von Kinderwünschen.

Um die Auswirkungen der Geldleistungen methodisch sauber identifizieren zu können, konzentrierten sich die Forscher auf die Erhöhung des Kindergeldes im Jahr 1996. Das Kindergeld stieg damals von umgerechnet mindestens 36 auf 102 Euro, der Kinderfreibetrag erhöhte sich um mehr als die Hälfte auf 3.200 Euro. Auch wenn die Ergebnisse dadurch nicht eins zu eins auf heute übertragbar sind, lassen sich doch klare Tendenzen darüber aufzeigen, wie sich Kindergeldzahlungen auf die Situation von Familien auswirken.

Kommentare (37)

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xbamx

29.04.2013, 14:47 Uhr

Schlechter Artikel, mit sehr einseitiger Betrachtungsweise! -> Wen wundert´s im Handelsblatt.
Dass es neben der rein ökonomischen auch m.E. schwergewichtigere soziale und erziehungstechnische Aspekte einer Kinderbetreuung zu Hause gibt, wird völlig außer Acht gelassen. Am Besten wir schieben unsere Kinder gleich kurz nach der Geburt in die KiTa ab, damit sie uns nicht "zur Last" werden. Dort ist ja alles Sonnenschein. Und nicht wundern, wenn´s dann zur völligen Entfremdung von Eltern und der Gesellschaft kommt!

Account gelöscht!

29.04.2013, 15:01 Uhr

Eine völlig unsinnige Studie an der Wirklichkeit vorbei
Ich kenne in meinem großen Umfeld nicht ein einziges junges Paar, was seine Kinder gleich in die Fremdbetreuung abschieben möchte, sondern, wie immer schon üblich, mit 3 Jahren in den normalen Kindergarten geben möchte.
Irgendwie möchte man sein Kind ja auch selbst genießen und sich nicht vom Staat zu Gebährmaschinen machen lassen
Aber unser Staat und hier vor allem die ganzen linken Vögel, möchten ja am liebsten die Kinder gleich von der Entbindungsstation holen und in die staatliche Verwahrung stecken.
Und als nächstes kommt dann die Arbeitspflicht für Frauen, oder wie darf ich dieses ganze Gerede verstehen?
Einfach nur noch ekelhaft was inzwischen in unserem Land abläuft. Das sind DDR-Verhältnisse

vandale

29.04.2013, 15:04 Uhr

Der Artikel ist aus der Sicht einer politisch korrekten radikalfeministischen Gesellschaftsordnung geschrieben.

Gem. dieser Ideologie ist es die Hauptaufgabe der Frau eine Karriere anzustreben. Kinder werden, wenn diese eben kommen, in eine staatliche Verwahrung gegeben. Männer kommen in dieser Ideologie als Hilfshausmänner, Hilfskindererzieher, Hilfserwerbstätige vor. Innerhalb dieser Ideologie ist die Verfügbarkeit staatlicher Kinderverwahranstalten massgeblich.

Da die meisten Frauen von der Erwerbstätigkeit und Hausarbeit sehr gefordert sind, die Männer nur begrenztes Interesse an diesen Hilfsfunktionen haben, haben die politisch korrekten Karrierefrauen nicht allzu viele Kinder. Die meisten Kinder werden nach wie vor in arbeitsteiligen Familien geboren.

Die arbeitsteilige Familie wird vom Staat nicht gerade verwöhnt und muss den grössten Teil des Erwerbsertrags an den Staat abgeben. Als Vater von 4 Kindern meine ich, dass das Kindergeld sehr wohl eine wichtige Rolle bei den politisch inkorrekten arbeitsteiligen Familien spielt.

Vandale

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