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08.05.2015

14:55 Uhr

Schufa & Co.

Grüne wollen Auskunfteien regulieren

Auskunfteien speichern Daten zur „Kredithistorie“. Oft ist das umstritten, weil nicht alle Daten Rückschlüsse auf die Bonität zulassen. Die Grünen kritisieren die Gesetzeslage – und fordern Transparenz und Kontrolle.

Die Schufa stellt kreditrelevante Informationen zusammen und versorgt Vertragspartner mit Informationen zur Bonität. dpa

Schufa Bonitätsauskunft

Die Schufa stellt kreditrelevante Informationen zusammen und versorgt Vertragspartner mit Informationen zur Bonität.

BerlinAuskunfteien wie die Schufa sollen nach dem Willen der Grünen künftig stärker reguliert werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll nächste Woche in den Bundestag gebracht werden, wie die Grüne Bundestagsfraktion am Freitag in Berlin mitteilte. Der Entwurf soll vor allem das sogenannte Scoring neu regeln. „Verbraucher brauchen Transparenz, wer welche sensiblen Daten über sie sammelt“, erklärte Renate Künast (Grüne), die Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz.

Auskunfteien speichern Daten zur „Kredithistorie“ mit Anzahl der Konten, Krediten, Handy- und Leasingverträgen, unbezahlten Rechnungen oder Insolvenzen. Daraus berechnen sie einen sogenannten Score. Einige Auskunfteien nutzen auch umstrittene Daten, die nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Bonität eines Verbrauchers haben, zum Beispiel den Wohnort. So kann es sein, dass sich die Kreditwürdigkeit eines Bürgers verschlechtert, nur weil andere Anwohner im Viertel eine geringere Bonität haben. Durch im Internet verfügbare Informationen haben Auskunfteien wie die Schufa zudem heute ganz andere Möglichkeiten der Datenbeschaffung und Datenauswertung als noch vor einigen Jahren.

Laut der Grünen schützt die derzeitige Gesetzeslage Verbraucher nicht ausreichend. Auskunfteien würden weder in ausreichender Weise durch Aufsichtsbehörden geprüft, noch erlaubten sie Bürgern genügend Einsicht in deren Scoringwerte. Künftig sollen nach dem Willen der Partei Daten, die „nicht bonitätsrelevant“ oder „diskriminierungsgeeignet“ sind, zur Überprüfung der Kreditwürdigkeit verboten werden. Dazu zählen sie neben der Anschrift auch Informationen aus sozialen Netzwerken und Internetforen oder Angaben zu Geschlecht und Behinderungen.

Diese Daten verwendet die Schufa in ihrem Score

Das Verfahren

Um die Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mit der ein Kredit ausfällt, erstellt die Schufa einen Prozentwert, den so genannten „Schufa-Score“. Hat jemand zum Beispiel einen Wert von 85 Prozent, so beträgt dessen Kreditausfallwahrscheinlichkeit 15 Prozent. Für ihr Scoring verwendet die Wirtschaftsauskunftei eine Vielzahl von Daten. Generell gilt: Nicht jede Information fließt auch in die Berechnung ein. Und: Auch, wenn bestimmte Daten über eine Person nicht vorliegen, können sie deren Score beeinflussen. Ein Überblick.
Quelle: Anhang einer Schufa-Verbraucherauskunft

Allgemeine Daten

Zu den allgemeinen Daten, die in den Schufa-Score einfließen, zählen zum Beispiel das Geburtsdatum und das Geschlecht. Zudem erfasst die Auskunftei die Anzahl der Adressen, welche die Person in ihrem Geschäftsverkehr mindestens einmal verwendet hat.

Kreditaktivität des letzten Jahres

Hierbei ermittelt Schufa ob und wie viele Kreditgeschäfte innerhalb der letzten 12 Monate eine Person angefragt und abgeschlossen hat.

Zahlungsstörungen

Zu den Zahlungsstörungen, die in den Schufa-Score einfließen, zählen nicht nur geplatzte Kredite. Auch, wer seine Handyrechnungen und die Bestellungen bei Einzelhändlern nicht pünktlich zahlt, riskiert einen schlechteren Schufa-Score. Neben der Art der unerfüllten Kredite achtet die Auskunftei auch auf deren Anzahl: Je mehr unbezahlte Rechnungen sich stapeln, umso schlechter die Bonität.

Häufigkeit der Kreditnutzung

Wie oft und welche Art von Krediten eine Person in Anspruch nimmt, erfasst die Schufa ebenfalls. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Informationen beim Scoring berücksichtigt werden, steigt, je mehr Unternehmen dem Schuldner Kredit gewähren.

Die Länge der Kreditnutzung

Hierbei untersucht die Auskunftei die Laufzeit der Kredite, die eine Person bedient. Dabei deute eine lange Laufzeit auf viel Erfahrung im Umgang mit finanziellen Verpflichtungen, so die Auskunftei.

Anschriftendaten

In der Regel verwendet die Schufa bei ihrem Scoring keine Bewertung der Anschrift des Kreditnehmers. Wenn jedoch nur wenige Informationen zur Person vorliegen, verwendet die Auskunftei Informationen aus der direkten Umgebung der Anschrift. Text: Julia Rotenberger.

Die Grünen fordern, dass Schufa & Co. Betroffenen in Zukunft nicht nur mitteilen, welche persönlichen Daten über sie erhoben wurden, sondern auch, wie diese gewichtet wurden, welchen Vergleichsgruppen sie zugeordnet wurden und wie lange die Daten gespeichert werden. Bei erledigten Sachverhalten sollen Daten künftig nur noch sieben Jahre gespeichert werden dürfen.

Außerdem sollen die Auskunfteien stärker kontrolliert werden: Zum einen durch die Aufsichtsbehörde, bevor sie ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen, zum anderen während ihrer Geschäftstätigkeit in regelmäßigen Abständen. Einmal im Jahr sollen sie Verbraucher unaufgefordert über die gespeicherten Daten informieren.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Franz Paul

08.05.2015, 15:41 Uhr

Und ich möchte gern die GrünInnen (weg) regulieren.

Herr mathias müller

08.05.2015, 16:59 Uhr

Frau Künast,
Eine gute Idee wird von Ihnen durch mangelnden Sachverstand - vernichtet.

- Grundsätzlich berechnet die SCHUFA den sogenannten Score-Wert NICHT aus Daten, sondern
SCHUFA gibt nur seine MEINUNG weiter - ob der Betroffene die Rechnung bezahlen oder nichtbezahlen kann.

An den Artikelschreiber!
Lesen Sie bitte dazu meine Kommentare auch bei WIWO und die dazugehörigen Urteile..
MfG

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