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13.07.2011

14:06 Uhr

Schuldenkrise

Bundesbank stellt sich gegen Kritik an Moody's & Co

Der Unmut über das Verhalten der Ratingagenturen in der Schuldenkrise wird immer größer. Für neuen Zündstoff sorgt das harte Moody's-Urteil über Irland. Doch die Bundesbank warnt davor, die Bonitätswächter zu verteufeln.

Moody's stuft auch Irland auf „Ramsch” herab

Video: Moody's stuft auch Irland auf „Ramsch” herab

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FrankfurtBundesbankpräsident Jens Weidmann hat davor gewarnt, den Ratingagenturen die Schuld an der Eskalation der Krise zu geben. Zwar sei die Kritik in Teilen berechtigt, jedoch lenke sie von den eigentlichen Problemen ab, sagte Weidmann der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Die kritisierten Bonitätsnoten sind ja nicht willkürlich, sie spiegeln reale Probleme in den betroffenen Ländern wider. Diese Probleme und ihre oft zu zögerliche Bewältigung machen mir viel mehr Sorgen als die Urteile der Agenturen“, sagte er.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hält es für falsch, den Agenturen die Schuld für die Euro-Misere anzulasten. Das eigentliche Problem liege woanders, teilte das IW am Mittwoch mit. So habe sich der Finanzmarkt noch immer nicht vom letzten Schock erholt. Den Finanzinstituten fehle das nötige Eigenkapital, um Wertberichtigungen leichter zu verkraften.

Als wenig hilfreich erweise sich auch das Festhalten an gesetzlichen Automatismen wie etwa der Regel, dass nach einer Herabstufung mehr Eigenkapital eingebracht werden muss, hieß es.

Gestern Abend hatte die Rating-Agentur Moody's Irland auf Ramschstatus herabgestuft. Dies wurde mit der hohen Wahrscheinlichkeit eines zweiten Rettungspaktes für das Land begründet.

Das von den Folgen einer schweren Bankenkrise erschütterte Irland hängt - wie Griechenland und Portugal - am Finanztropf der Euro-Partner und des IWF. Es bekam im vergangenen Jahr ein Hilfsprogramm von 85 Milliarden Euro.

Die EU-Kommission kritisierte den Moody’s-Schritt. Die schlechtere Bewertung sei unverständlich und der Zeitpunkt dafür fragwürdig, erklärte die Sprecherin von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Mittwoch in Brüssel. Irland mache Fortschritt bei der Umsetzung seines Reformprogramms und sei jetzt auf dem richtigen Weg. Derzeit sei gerade die Delegation der EU-Kommission vor Ort in Dublin, um dies zu überprüfen. Die Experten würden dazu am Donnerstag Bericht erstatten.

Auch Deutschland stärkte der irischen Regierung nach der erneuten Bonitätsherabstufung den Rücken. In der Bundesregierung und in der EU gebe es großes Vertrauen zum Reformprogramm des Euro-Staates, sagte eine Sprecherin von Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in Berlin. Zuletzt sei dies auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der EU im Juni zum Ausdruck gebracht worden.

Maßnahmen gegen die Schuldenkrise

Schäuble Vorschlag

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beharrt auf seinem Vorschlag, alle griechischen Anleihen zu einem bestimmten Zeitpunkt - also während der Laufzeit - gegen neu Papiere mit längerer Laufzeit zu tauschen. Im Gespräch ist eine Verlängerung der Laufzeit der  Staatsanleihen privater Gläubiger um sieben Jahre. Dabei sollen die Gläubiger die vereinbarten Zinssätze erhalten.  

Damit die Rating-Agenturen dies nicht als Zahlungsausfall Griechenlands werten, sollen sich die privaten Gläubiger auf freiwilliger Basis beteiligen. Unklar ist jedoch, wie Schäuble genug Gläubiger dazu bewegen will, sich an einer solchen freiwilligen Lösung zu beteiligen.

Kauf von Anleihen durch den Euro-Rettungsfonds

Der Euro-Rettungsfonds (EFSF) könnte künftig auch Staatsanleihen von Privatgläubigern zum aktuellen Marktwert kaufen oder Schuldenländern den Rückkaufeigener Anleihen ermöglichen. Derzeit sind die Marktpreise für die Staatsanleihen der Schuldenländer deutlich unter den Ausgabekursen. Deshalb könnte auf diese Weise der Privatsektor indirekt an den Rettungskosten beteiligt werden.

Diskutiert werden zwei Varianten: Entweder der EFSF kauft die Schulden selbst auf oder er gibt Kredite an Griechenland, dessen Regierung dann den Rückkauf betreibt. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wäre der EFSF rechtlich dazu in der Lage. Für Griechenland würde sich die Finanzlage stark verbessern. Doch die Geberländer müssten viel Geld in die Hand nehmen. Und: Die Ratingagenturen würden dies vermutlich als Kreditausfall werten.

Im vergangenen Jahr hat bereits die Europäische Zentralbank (EZB) massiv Anleihen gekauft. Sie will jedoch keine weiteren Risiken eingehen. Außerdem stellt sich die EZB gegen Vorschläge zur Beteiligung des Privatsektors an der Griechenland-Rettung, weil sie ansonsten auf ihre eigenen Anleihen Abschreibungen bilden müsste.

Der Ackermann-Plan

Der Plan des von Josef Ackermann geführten internationalen Bankenverbandes IIF sieht ein freiwilliges, von Griechenland selbst organisiertes Rückkaufangebot für Staatsanleihen vor.

Ein solcher Schritt würde lediglich solche Banken treffen, die die Papiere zu Einstiegspreisen im Bankbuch halten. Sie müssten bei einem Rückkauf Abschreibungen in Kauf nehmen. Nicht betroffen wären hingegen Institute, die ihre Griechenland-Anleihen zum derzeitigen Wert im Handelsbuch bilanziert haben.

Der Schuldenrückkauf  würde nach Überzeugung des IIF keinen begrenzten Zahlungsausfall auslösen. Offen ist wer Griechenland den Schuldenrückkauf finanzieren soll.  Hier käme neben der EZB nur der europäische Rettungsschirm EFSF in Frage.

Bankenabgabe

Die Gläubiger kaufen freiwillig neue Griechenlandanleihen. Das zweite Hilfspaket für Griechenland wird aus einer Bankenabgabe oder aus einer Finanzmarktsteuer finanziert. Vorteil: Der EFSF bekäme zusätzlich Geld, ohne dass die Haushalte der Euro-Länder dadurch belastet werden. Nachteil: Bankenabgabe und die Finanzmarktsteuer sind in der EU stark umstritten. Und die griechische Schuldentragfähigkeit würde kaum verbessert. Die Ratingagenturen sehen dies wohl nicht als Zahlungsausfall.

Französisches Modell

Die französischen Banken haben ein Modell in die Diskussion gebracht, bei dem Griechenland seine auslaufenden Anleihen vollständig tilgt. 30 Prozent der Tilgungssumme sollen die Investoren direkt ausgezahlt bekommen. Die restlichen 70 Prozent des zurückgezahlten Geldes müssen sie in neue Griechen-Bonds mit 30-jähriger Laufzeit anlegen.

Die Banken haben verschiedene Varianten des Modells ins Spiel gebracht. Sie unterscheiden sich darin, inwieweit die anderen Euro-Staaten das Ausfallrisiko der verbliebenen Anleihen übernehmen.  Außerdem geht es um die Frage, wie die verbliebenen Papiere verzinst werden sollen. Im Gespräch ist ein Zinsbonus, der sich nach dem griechischen Wirtschaftswachstum richtet.

Entscheidend dafür, welches Modell sich am Ende durchsetzt, ist vor allem das Urteil der Rating-Agenturen. Für das französische Modell hat die Rating-Agentur Standard & Poors bereits signalisiert, dass sie dies als teilweisen Zahlungsausfall werten könnte. Eine Bewertung als Zahlungsausfall wollen die Euro-Länder unbedingt verhindern. In diesem Fall müssten Banken und Versicherungen Abschreibungen bilden und die Kreditausfallversicherungen (CDS) würden fällig – mit unkalkulierbaren Risiken für das Finanzsystem.

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

Eurobonds

Dahinter steht die Idee, dass alle Euro-Länder gemeinsame Anleihen ausgeben - für die sie gemeinsam garantieren. Durch das geringere Ausfallrisiko würde die Zinslast für die Schuldenländer sinken. Unklar ist jedoch, was dies für die Euro-Länder mit hoher Kreditwürdigkeit bedeuten würde, wie zum Beispiel Deutschland. Unter Umständen müssten sie für ihre Anleihen dann höhere Zinsen zahlen. Befürworter argumentieren jedoch, dass durch die höhere Liquidität der Anleihe der durchschnittliche Zinssatz für alle beteiligten Länder sinken würde.  

Das Modell wird in verschiedenen Varianten diskutiert. Neben der vollständigen Umstellung auf Eurobonds gibt es auch den Vorschlag, nur solche Schulden in Eurobonds umzuwandeln,  die im Rahmen der Maastrichter-Kriterien liegen.

Brady-Bonds

Der US-Finanzminister Nicholas Brady entschärfte die Lateinamerika-Krise 1989 dadurch, dass ausstehende Anleihen südamerikanischer Länder in solche mit sehr langen Laufzeiten und niedrigen Zinsen umgetauscht wurden. Als Sicherheiten dienten US-Staatsanleihen.

Blessing-Vorschlag

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, hat sich für einen Forderungsverzicht der Banken von 30 Prozent ausgesprochen. Die übrigen 70 Prozent sollen die Institute in Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit tauschen, die von EU-Institutionen garantiert würden. Der Zins soll für diese Bonds nur 3,5 Prozent betragen. Der Vorschlag folgt der Logik der Brady-Bonds.

Kommentare (9)

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leser

13.07.2011, 14:20 Uhr

Man hatte ja ursprünglich mal aus der Weltwirtschaftskrise 1923 gelernt, so zB. dass man zu viel Öffentlichkeit und Transparenz vermeiden muß, um die Märkte nicht zu beunruhigen. Daher hat man zB Regelungen geschaffen, wie Banken ohne dies offenlegen zu müssen, Reserven still bilden und Verluste still kompensieren zu können (§340fHGB-Reserven), damit man am Markt keinen Schaden nimmmt. Und auch Politiker und Bundesbanker agierten still aber effektiv im Hintergrund um nicht wie derzeit mit einer öffentlichen Kakophonie der Inkompetenz ständig wieder die Märkte zu beunruhigen. Aber offensichtlich muss man alle 80-90 Jahre das Rad neu erfinden. Viel Spass weiterhin Herrn Weidmann und der Bundesbank beim Projekt Jugend forscht. So wird das nichts.

Account gelöscht!

13.07.2011, 14:50 Uhr

Bundesbankpräsident Jens Weidmann

Gucken wir uns mal deine Qualifikation an:
1987 machte er sein Abitur am Gymnasium in der Taus in Backnang, Baden-Württemberg. Danach studierte er Volkswirtschaftslehre in Aix-en-Provence, Paris und Bonn. Praktika absolvierte er bei der Banque de France und der Zentralbank von Ruanda.


(* 20. April 1968 in Solingen) ist ein deutscher Volkswirt. Er ist seit dem 1. Mai 2011 Präsident der Deutschen Bundesbank und war zuvor ab 2006 Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Finanzpolitik im Bundeskanzleramt.

JA SUPER HERR WEIDMANN!

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Weidmann

Charbonnier

13.07.2011, 15:22 Uhr

Sie wollten damit sicher ausdrücken, dass dieser Mann nie richtig gearbeitet hat und im Grunde ein reiner Theoretiker ist? Ja so scheint es. Aber davon haben wir wirklich genug in der Politik. Jung, pseudodynamisch und erfolglos.

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