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08.09.2011

16:40 Uhr

Schuldenkrise

Deutschland macht Front gegen Pleite-Griechen

Athen muss um neue Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm zittern. Der Bundestag machte unmissverständlich deutlich, dass die Hellenen erst Reformen forcieren müssten. „Die Lage ist ernst in Griechenland“, sagt Schäuble.

Finanzminister Wolfgang Schäuble: „Griechenland kann nur Hilfe erhalten, wenn es seine Zusagen einhält“ Reuters

Finanzminister Wolfgang Schäuble: „Griechenland kann nur Hilfe erhalten, wenn es seine Zusagen einhält“

BerlinBegleitet von neuen Sorgen um Griechenland hat die SPD Kanzlerin Angela Merkel für die Euro-Krise mitverantwortlich gemacht. Trotz seiner scharfen Kritik an der Euro-Politik der Regierung sicherte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Donnerstag im Bundestag aber das Ja seiner Fraktion zum erweiterten Euro-Rettungsschirm EFSF Ende September zu. Schwarz-Gelb setzt jedoch auf eine eigene Mehrheit, nachdem das Bundesverfassungsgericht die ersten Rettungspakete für Griechenland und den Euro billigte sowie die Bundestagsbeteiligung stärkte. Die Lage in Athen bezeichnete Finanzminister Wolfgang Schäuble als ernst. 

Der CDU-Politiker warb in dieser ersten Parlamentsberatung über den Gesetzentwurf, den EFSF als Bollwerk zur Verteidigung der Währung anzuwenden. Mit mehr Kompetenzen für den Rettungsschirm sollten Ansteckungsgefahren wie jetzt von Griechenland auf die gesamte Euro-Zone eingedämmt werden. Das Bundesverfassungsgericht habe erneut bestätigt, dass die Maßnahmen zur Euro-Stabilisierung in vollem Umfang dem Grundgesetz entsprächen. Sorgen über mögliche Verfassungsverstöße seien unbegründet. 

Griechenland-Optionen: Wenn Athen nicht liefert, dann…

Griechenland-Optionen

Wenn Athen nicht liefert, dann…

In Bundesregierung, EU-Kommission und EZB wachsen die Zweifel, dass Griechenland seinen versprochenen Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen leisten wird. Doch was passiert, wenn sich Athen nicht bewegt?

In der Koalition von Union und FDP gibt es erhebliche Kritik an der EFSF-Reform. Der CDU-Haushaltsexperte Klaus-Peter Willsch will weiterhin mit Nein stimmen. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) befürchtet, dass in den kommenden Monaten immer neue Hilfsanforderungen gestellt würden. Zu Wochenbeginn hatten 25 Abgeordnete Merkel die Gefolgschaft verweigert. Für die Kanzlermehrheit kann sie sich aber nur 19 Abweichler erlauben. Die Unionsspitze geht davon aus, dass noch genügend Kritiker umschwenken. 

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Gabriel warf Merkel und Schäuble „kurzsichtige und dumme Parolen“ vor. Sie hätten sich gegen Kredite für Griechenland, gegen den Rettungsschirm und gegen eine europäsche Wirtschaftsregierung gestellt. „Warum haben Sie zugelassen, dass die gesamte europäische und internationale Politik und die Finanzmärkte über die deutsche Haltung irritiert und verunsichert worden ist?“ 

Kommentare (56)

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Pendler

08.09.2011, 11:12 Uhr

Nun macht es doch nicht so kompliziert

Die überhelblichen Griechen nehmen eh keinen Rat an.

## wir befürworten die sorfortige Entfernung der Griechen aus dem € ###

petr

08.09.2011, 11:41 Uhr

@ Adolf,
tzz tzz, allein schon Ihr Benutzername hier ruft bei mir schon merkwürdige Assoziationen auf.
Und denn noch granteln ...!

whisky

08.09.2011, 11:42 Uhr

Das wichtigste für den Finanzminister: „Die Märkte erwarten, dass wir eine Struktur für Europa schaffen, in dem wir die gemeinsame Währung mit besseren institutionellen Vorkehrungen schaffen“, betonte der Finanzminister.
"die Märkte". Wer ist das? Die Hedgefonds, die gegen europäische Banken spekulieren? Oder der größte Zuckerhändler der Welt, die Deutsche Bank?
Für "die Märkte" wird halt alles getan. Und wenn die Demokratie dafür vor die Hunde geht.

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