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16.09.2011

10:32 Uhr

Schuldenkrise

Was kostet uns der Euro?

Für die Euro-Rettung werden immer höhere Summen bereitgestellt. Bislang ist aber kein Cent aus Deutschland abgeflossen - Steuerzahler und Wirtschaft verdienen sogar an der Unsicherheit. Das kann sich aber schnell ändern.

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. dapd

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung.

DüsseldorfIfo-Präsident Hans-Werner Sinn hat recht behalten: Deutschland ist bisher der Gewinner der Euro-Krise. „Wir bekommen spiegelbildlich den Boom, den die Länder der europäischen Peripherie während der letzten eineinhalb Jahrzehnte hatten“, skizzierte er schon im Mai 2010 in einem Gespräch mit dem Handelsblatt die möglichen Folgen der Krise. Kapital werde in großem Umfang aus dem Ausland nach Deutschland fließen und einen Bau- und Investitionsboom bewirken.

Aber der Ökonom warnte zugleich vor Euphorie: Voraussetzung dafür sei, dass die Euro-Rettungspolitik die Zinsen innerhalb der Euro-Zone nicht egalisiere. Dann werde wieder Kapital aus Deutschland abfließen.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

IWF

Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

ESM (Bareinzahlung)

Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

ESM (Bürgschaften)

Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

IWF-Rettungsplan für Griechenland

Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

Gesamt

Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

Der erste Teil von Sinns Szenario ist eingetreten. Europas größte Volkswirtschaft profitiert derzeit wie kein anderes Land von der Krise der Euro-Zone. Das liegt vor allem an den sehr niedrigen Kapitalmarktzinsen, die die Wirtschaft antreiben und dem Staat willkommene Einsparungen bringen. Doch der zweite Teil des Szenarios könnte bald folgen: Denn wenn Euro-Bonds eingeführt werden, würde das die Zinsunterschiede nivellieren.

Noch dazu kommen die enormen Haftungsrisiken, die Deutschland bisher im Rahmen der Euro-Rettung eingegangen ist. Sinns Ifo-Institut hat ermittelt, dass sie sich unter Einbeziehung aller Risiken auf 379 Milliarden Euro belaufen. Davon ist zwar noch nichts aus deutschen Staatskassen abgeflossen, aber das kann sich schnell ändern.

Einstweilen erfreuen sich aber Staat und Unternehmen in Deutschland gleichermaßen an den Niedrigzinsen. Nur noch 1,8 Prozent Rendite bringt heute eine zehnjährige Bundesanleihe – das ist weniger als die Inflationsrate von zuletzt 2,4 Prozent. Das bedeutet: Die internationalen Anleger nehmen sogar Negativrenditen in Kauf, nur damit ihr Geld in Sicherheit ist.

Das hilft vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Am Mittwoch verkaufte der Bund bei lebhafter Nachfrage Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit und nahm so fünf Milliarden Euro auf. Dafür musste er gerade mal 0,51 Prozent Zinsen bieten – so wenig waren es zuletzt im Juni 2010.

10-jährige Staatsanleihen Rendite in %

Kommentare (17)

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Vernunft_breitet_sich_aus

16.09.2011, 10:53 Uhr

HB-Titel: „Wie Deutschland von der Euro-Krise profitiert“

Richtigerweise müßte der Titel vom HB lauten:
„Deutschlands Arbeitnehmerschaft subventiniert seit Jahren den Teuro“

Das sind doch die Fakten.
Oben wird von wenigen abkassiert und vom Teuro profitiert, unten zahlt dann die große Masse vermögensloser durch Steuerabgaben, Zinsen, Lohnverzichte, Leiharbeit, Sozialabbau die Zeche.
Sozusagen eine politisch per Gesetzgebung organisierte Umverteilung von unten nach oben.
Die unten und in der Mitte der Gesellschaft sind mittlerweile aber bereits so verarmt oder arbeitslos, dass es dort nichts mehr zu holen gibt.
Das begreifen so langsam auch die wenigen ganz oben, die öffentlich immer über die Zahlung ihres Spitzensteuersatzes klagen.
Und das sie sich ja alles alleine aufgebaut und erarbeitet haben - so ein Schmarrn und dummes Geschwätz.
Bricht unten das Fundament der Demokratie weg, dann werden diesesmal auch die Vermögenden mit in den Abgrund geriessen werden.
Ich frage mich - wann breitet sich endlich die Vernunft aus über die Bundesrepublik Deutschland?

Nichts_als_die_Wahrheit

16.09.2011, 11:09 Uhr

Lächerlicher Artikel zu dieser Überschrift!

Der durch den Euro verursachte WohlstandsVERLUST für Deutschland beläuft sich mindestens auf 2,5 BILLIONEN Euro!
Nachzulesen hier:

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/tid-22479/debatte-der-verheimlichte-super-gau_aid_625051.html

Was wir in den letzten 2-3 Jahren erleben ist nur eine Annäherung an das jahrelang außer Kraft gesetzte Marktgleichgewicht!

Account gelöscht!

16.09.2011, 11:09 Uhr

Ja die Deutschen profitieren tatsächlich in einem ungeahnten Ausmaß von den etrem niedrigen Zinsen, die wir der instabilen Lage derzeit zu verdanken haben. Allein jeder Häuslebauer oder Wohnungsbesitzer spart Jahr für Jahr 1000ende von EURO, wenn er in letzter Zeit finanziert hat oder eine Anschlußfinanzierung benötigt. Dieses niedrige Zinsniveau ist einfach unglaublich. Hinzu kommenden fallende Preise bei den börsennotierten Unternehmen, dass bedeutet ja nichts anderes, dass man mehr Anteile für sein Geld bekommt.

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