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08.08.2011

22:39 Uhr

Schuldenkrise

Wirtschaftsweiser traut Konzepten der Euro-Retter nicht

VonDietmar Neuerer

ExklusivBarroso zweifelt am Euro-Rettungsschirm und muss dafür herbe Kritik einstecken. Ein Top-Ökonom hält die bisherigen EU-Beschlüsse ebenfalls für unzureichend, wenn auch in anderer Hinsicht.

Euro-Münzen. Quelle: dpa

Euro-Münzen.

DüsseldorfDer Freiburger Wirtschaftsweise Lars Feld hat Zweifel, ob die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse zur Schuldenkrise für eine Bewältigung der Probleme ausreichen. Die Lösungen der Staats- und Regierungschefs trügen offenbar „nicht hinreichend zur Beruhigung bei“, sagte das Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung Handelsblatt Online mit Blick auf die Turbulenzen an den internationalen Börsen. Die getroffenen Maßnahmen reichten vermutlich nicht aus, um Griechenland auf Dauer in eine stabile Finanzlage zu versetzen. "Es müsste ein Haicut von 50 Prozent her." In Italien und Spanien seien zudem „weitergehende Reformen notwendig, um die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen zu erreichen“. Eine Aufstockung des EFSF oder die Einführung von Eurobonds seien hingegen nicht hilfreich.
Ungeachtet der ungelösten Probleme sieht Feld die Gefahr einer Weltwirtschaftskrise derzeit aber nicht. „Für Deutschland erwarte ich im weiteren Jahresverlauf eine Normalisierung des Konjunkturverlaufs“, fügte der Ökonom hinzu. Zu den bekannten Risiken für die Konjunktur, die EU-Schuldenkrise und der sich verschlechternde Export, seien weitere Risiken wie die Energiewende und die US-Schuldenkrise  hinzugekommen. „Die höhere Volatilität auf den Finanzmärkten ist in einem gewissen Maße Ausdruck der daraus erwachsenden Unsicherheit“, so Feld.

Das Szenario einer Weltwirtschaftskrise hält auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, für wenig plausibel, da kein schockartiges Event wirkte – wie im Falle der Lehman Insolvenz – und zugleich alle Staaten mehr oder weniger angemessen das Schuldenproblem angehen. Zudem habe sich in den Jahren 2009 und 2010 gezeigt, wie wenig die Industrie in ihrer Finanzierung durch Finanzmärkte und Banken beschränkt wurde, sagte Hüther Handelsblatt Online.

Daneben sei derzeit auch noch nicht zu erkennen, dass die Bankensysteme in gleicher Weise wie vor drei Jahren destabilisiert werden. „Die Risikovorsorge hat sich verbessert, die Robustheit tendenziell ebenfalls“, sagte der IW-Chef. Entscheidend sei letztlich, in welchem Maße sich die Unternehmen in ihrem Investitionsverhalten verunsichern lassen. Dafür gebe es bisher keine Hinweise. „Die Megatrends im globalen Strukturwandel jedenfalls tragen und sprechen für einen stabilen Investitionstrend.“

Kommentare (22)

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Baier

06.08.2011, 09:19 Uhr

lasst Griechenland endlich pleite gehen! Das dient der Beruhigung der Märkte mehr als alles Herumdoktern an den Symptomen. Nicht umsonst gibt es in der Privatindustrie den Tatbestand der Insolvenzverschleppung, der letzlich eine Risikoverringerung verhindert!

Steuergeldverschwendung

06.08.2011, 09:20 Uhr

Willkommen auf dem Weg in die Realität! Die weltweiten Kursrückgänge waren längst überfällig, denn die jetzt vorgebrachten Risiken bestehen schon seit mehreren Monaten. Die Forderungen von Barroso bzw. Rehn sind zwar logisch und konsequent, um die EU weitere Monate am Leben zu erhalten. Jedoch auf nationaler Ebene müsste spätestens jetzt der Druck der Bevölkerung wachsen, um weitere Bürgschaften auf Kosten der Steuerzahler zu verhindern. Alle reden derzeit (nur) von Griechenland, Portugal, Italien, Spanien....und die Haushaltsprobleme der osteuropäischen Mitgliedstaaten sind nicht weniger dramatisch. EU ade.

F.Franz

06.08.2011, 09:21 Uhr

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