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08.10.2015

14:57 Uhr

Schulen und Einwanderung

Drei Milliarden Euro für Flüchtlingskinder

VonFrank Specht

Ohne zehntausende neue Lehrer und Erzieher wird sich der Flüchtlingsansturm in Schulen und Kitas nicht bewältigen lassen. Pensionierte Pädagogen fürchten um ihren Ruhestand – und die CSU um ihre Milliarde Betreuungsgeld.

Eine „Willkommensklasse“ in Berlin. Schulen und Kitas brauchen mehr Geld um Zuwandererkinder aus aller Welt vernünftig betreuen zu können. dpa

Flüchtlingskrise und Bildungssystem

Eine „Willkommensklasse“ in Berlin. Schulen und Kitas brauchen mehr Geld um Zuwandererkinder aus aller Welt vernünftig betreuen zu können.

BerlinBerlin empfängt Flüchtlingskinder in „Willkommensklassen“. In kleinen Gruppen von zwölf bis 15 Schülern lernen sie zusammen mit Zuwandererkindern aus aller Welt. Im Saarland und in vielen anderen Bundesländern werden sie dagegen mit ein paar Stunden zusätzlichem Deutschunterricht einfach in eine Regelklasse gesetzt. Die Idee dahinter: Wer möglichst früh mit deutschen Mitschülern zu tun hat, lernt die Sprache leichter und integriert sich besser.

Welches Modell das bessere ist, darauf will sich Marlis Tepe nicht festlegen. Aber eines sei ganz klar, sagt die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): Wenn frühzeitige Integration nicht nur Gegenstand von Sonntagsreden sein soll, brauche das Bildungssystem dringend mehr Geld und zusätzliche Lehrkräfte. Auf drei Milliarden Euro veranschlagt die Gewerkschaft den zusätzlichen Finanzbedarf.

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

In ihren Berechnungen geht sie von einer Million Asylantragstellern in diesem Jahr aus. Bei allem, was man über die Altersstruktur der Flüchtlinge wisse, müssten allein die Kitas bis zu 100.000 Kinder zusätzlich aufnehmen, sagte Tepe. Das Programm „Sprach-Kitas“, für das der Bund von 2016 bis 2019 jährlich bis zu 100 Millionen Euro bereitstellt, sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Mit dem Geld wird in 4.000 Kitas jeweils eine halbe Erzieherinnenstelle finanziert, um Kinder bei der sprachlichen Bildung zu unterstützen. Angesichts der Flüchtlingszahlen müsse das Programm aber deutlich ausgeweitet werden, forderte Tepe. 14.000 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich dürften es schon sein.

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