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24.06.2011

01:38 Uhr

Schulpolitik

Lehrerverband schießt gegen die CDU

ExklusivDer CDU-Vorstand strebt über eine Abstimmung am Montag an, das Schulsystem zu ändern. Die Hauptschule soll gehen. Der Deutsche Lehrerverband ist gar nicht einverstanden.

Hauptschule ade. Quelle: dpa

Hauptschule ade.

DüsseldorfAls einen „Irrweg“ hat der Deutsche Lehrerverband (DL) den Vorstoß der CDU zur Abschaffung der Hauptschule kritisiert. Mit einer Zweigliedrigkeit des Schulwesens werde nicht nur „das Profil einer der erfolgreichsten und beliebtesten Schulformen, nämlich der Realschule, verwässert“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus Handelsblatt Online. Die stattdessen für Realschule und Hauptschule geplante Oberschule werde auch keineswegs den Belangen und den Förderbedürfnissen der bisherigen Hauptschüler gerecht.


Der Verbandschef reagierte damit auf das neue bildungspolitische Konzept, das der CDU-Vorstand an diesem Montag in Berlin verabschieden soll. Die CDU bricht darin mit dem dreigliedrigen Schulsystem und der Hauptschule. Angestrebt werden künftig nur noch zwei Schulformen - das Gymnasium und eine Oberschule. Diese soll Hauptschule und Realschule vereinen.


Kraus sieht die Bildungspolitik der CDU vor diesem Hintergrund sowohl programmatisch als auch personell „immer mehr auf dem Weg in die Profillosigkeit“. Seltsam mute an der neuen CDU-Programmatik zudem an, dass zukünftig offenbar alle Schulformen zu einer Studierberechtigung führen sollen.

„Mit dieser Zielsetzung diskreditiert die CDU alle älteren und jüngeren Menschen, die ihren Weg in Beruf und Gesellschaft über eine solide berufliche Bildung machen“, sagte der Lehrerverbandschef. Dies werde auch dazu führen, dass sich Studierberechtigung und Studierbefähigung immer noch mehr voneinander entfernen.

Kraus stellte in diesem Zusammenhang generell die schulpolitische Kompetenz der CDU infrage. „Es fehlt ihr doch ganz offenbar der konkrete bildungspolitische Gestaltungswille“, sagte er. „Eine CDU, die plakativ den Föderalismus hochhält und in sieben der deutschen Länder den Regierungschef stellt, die aber nur in zwei dieser Länder das Amt des Schulministers besetzt, hat sich nämlich bereits vor Jahren aus der Schulpolitik verabschiedet.“ Damit herrsche bei ihr wie in manch anderen Politikbereichen „die blanke Beliebigkeit“.

Von

Dietmar Neuerer

Kommentare (9)

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RalphFischer

24.06.2011, 07:16 Uhr

Interressante Argumentation gegen diese Oberschule. Vor allem vor dem Hintergrund, das es schon seit Jahren die Gesamtschule gibt, in der sogar alle 3 Schulabschlüsse (Haupt und Realschule, sowie Gymnasium) vereint werden.

Wenn man dem Artikel folgen will wäre die also noch viel lächerlicher.

Koboldo

24.06.2011, 08:19 Uhr

Der Bildungsstand- und Zustand in der Bundesrepublik ist insgesamt in einem lamentablen Zustand. Die Lehrstoffe werden nur unzureichend an die Erfordernisse der späteren beruflichen Notwendigkeiten angepasst und jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen. Mathematik und Rechtschreibung, die Grundpfeiler für das ganze spätere Leben, werden eher vernachlässigt, dafür sind Nebenfächer zum Teil unnötig mit Lerninhalten überfrachtet und man fordert von Kindern, dass sie in der Woche manchmal mehr als 60 Stunden hart arbeiten sollen. Auch in der Hauptschule werden Projekte durchgeführt, die außerordentlich zeitaufwändig sind und mit dem beruflichen Werdegang dieser Schüler in keinerlei Bezug stehen. Das sind unnötige Belastungen, die von schwerpunktmäßigen Lerninhalten ablenken und deshalb dort Defizite verursachen. Wer nun aber glaubt, dass die Abschaffung des 3-gliedrigen Schulsystems diese Misere verhindert, irrt! Weder die Gesamtschule noch eine Schule mit dem Etikettenschwindel namens "Oberschule" kann den Umstand verwischen, dass wir Kinder mit unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten auf das Leben vorzubereiten haben. Dazu bedarf es von politischer Seite nicht unbedingt mehr Geld, sondern klarer zielorientierter Vorgaben. Dadurch würde eine verlässliche Stütze für Alle, Lehrer und Schüler, geschaffen mit dem Nebeneffekt, dass wir in dieser Republik auch ein einheitliches Bildungsniveau in der jeweiligen Stufe erreichen.

Chuck

27.06.2011, 03:09 Uhr

Herr Kraus hat mit seiner Kritik am Vorschlag der CDU-Spitze absolut recht. Die Verbesserung des deutschen Schulsystems - im Übrigen eines der ganz wenigen Schulsysteme weltweit, dass das Bezahlen teurer Privatschulen überflüssig macht* - kann nicht über die Reduzierung der Dreigliederung des Schulsystems auf zwei Schulformen (oder sogar eine Einheitsschule, wie das u.a. die SPD Sachsen, die Grünen und die Linke (ist eine Partei, die Websiten eines Landesverbandes mit einem Hakenkreuz "schmückt" wirklich links?!?)) erfolgen.
Der richtige Weg wäre das Niveau an allen Schulen wieder zu heben. Betriebe akzeptieren nur noch vereinzelt Hauptschüler als Azubis, da diese mittlerweile nicht mehr einfachste Grundkenntnisse (Schreiben, Lesen, Grundrechenarten) vorweisen können. Wäre die Hauptschul-Lehre besser, würde auch die Akzeptanz von Hauptschulen/-schülern steigen.

*Abgesehen von Schülern mit Drogenproblemen oder anderen Suchterscheinungen sowie manchen Lern-/Konzentrationsschwächen, bei denen Privatschulen meiner Ansicht nach mehr als die staatlichen Schulen bieten können.

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