Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.02.2011

09:36 Uhr

Schummel-Affäre

„So etwas könnte Guttenberg das Amt kosten“

VonDietmar Neuerer

ExklusivFür Verteidigungsminister zu Guttenberg wird es eng: Sollten sich die Plagiatsvorwürfe gegen ihn erhärten, wäre er als Minister nicht mehr zu halten. Warum, erläutert Parteienforscher Gerd Langguth im Interview.

Gerd Langguth. Quelle: picture-alliance/ dpa

Gerd Langguth.

Herr Langguth, wie schwer wiegen die Vorwürfe gegen den Minister?

Gerd Langguth: Auch beim diesem schweren Plagiatsvorwurf gilt zunächst die Unschuldsvermutung. Mit dem Thema wird sich letztendlich ein Untersuchungsausschuss der Universität Bayreuth befassen müssen. In dessen Händen liegt jetzt die eigentliche Entscheidung, ob Herr zu Guttenberg weiterhin den juristischen Doktortitel führen kann. Ich habe bisher selten erlebt, dass die Arbeit einer solchen Kommission tatsächlich die Aberkennung eines Doktortitels mit sich brachte, weil ja auch zu interpretieren war, ob lediglich abgeschrieben, plagiiert wurde, oder ob ein "Paraphrasieren" von anderer Seite bereits veröffentlichter Thesen vorliegt.

Könnte die "Schummel"-Affäre Guttenberg das Amt kosten?

Sollte eine Schummelei wirklich vorliegen und durch den entsprechenden Ausschuss der Universität bestätigt werden, könnte zu Guttenberg so etwas eher das Amt kosten als eine so politisch schwerwiegende Frage wie Kundus. Denn wenn wirklich persönliches Fahlverhalten nachgewiesen werden kann, kratzt das an der eigenen Ehre und wiegt schwerer als Entscheidungen Dritter im Rahmen  der Arbeit der Bundeswehr.

Was bedeuten die Vorgänge für den Ruf Guttenbergs - ist der Minister jetzt entzaubert?

Ja, es ist so etwas wie ein Entzauberungsprozess im Gange, dieser findet aber nicht jetzt erst statt.

Unter Druck: Karl-Theodor zu Guttenberg. Quelle: dpa

Unter Druck: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Könnte die Affäre sich auch zu einer Belastung für die Koalition entwickeln?

Jede Affäre eines Regierungsmitglieds ist eine Belastung der Koalition. Aber wenn jemand so etwas übersteht, ist es am ehesten der Freiherr zu Guttenberg, zumal er der CSU angehört und sich die Frage stellt, wie sich dann der unberechenbare Ministerpräsident Seehofer entscheidet. Hält er an zu Guttenberg fest, wird der Minister kaum wackeln.

Gerd Langguth unterrichtet Politische Wissenschaft an der Universität Bonn (Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie) und ist Publizist.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Systemling

17.02.2011, 14:53 Uhr

Die Berlusconi-Verteidigung - alles sei eine Schmutzkampagne - vorgetragen von ihm und seinen billigen Partei-Lakeien wird nicht ausreichen seine intelektuelle Unfähigkeit weiter zu verschleiern.

Wie hat IM Erika eigentlich im Widerstand, in der Opposition im Unrechts-Regime der DDR ihren Doktor damals bekommen?

Account gelöscht!

17.02.2011, 15:02 Uhr

Aha,
das sind also eure bildungsnahen Schichten.
Wie interpretierte Sarazzin noch einmal bildungsferne Schichten ?

Account gelöscht!

17.02.2011, 17:22 Uhr

Hier entsteht der Eindruck, als wäre die Prüfungskommission, von der die Dissertation angenommen, bewertet und für sehr gut befunden wurde, unfähig.
Das kann ich nicht glauben. Ferner sollte jeder, der hier sich äußert wissen, dass zum Promotionsverfahren auch noch ein Rigorosum gehört, d.h. dort hat der Kandidat vor einer Kommission, von in diesem Fachgebiet speziell kompetenten Wissenschaftlern, Fragen zu seiner Dissertation zu beantworten, die eingehend prüfen, ob er überhaupt im Thema beschlagen ist.
Nun sollen alle diese Wissenschaftler von Herrn zu Guttenberg getäuscht worden sein?
York Füssel begin_of_the_skype_highlighting     end_of_the_skype_highlighting

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×