Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2013

13:23 Uhr

Schwaben gegen Thierse

Wiaso hond Sia sich ausg'rechnet uns rausg'suacht, hä?

Für seine Lästerei über Berliner-Schwaben erntet Bundestagsvize Thierse viel Häme. Die Schwäbische Zeitung hat ihm nun einen offenen Brief geschrieben - auf schwäbisch. Schützenhilfe bekommt Thierse von den Bäckern.

Wolfgang Thierse (SPD) hat mit seinen Äußerungen die Schwaben provoziert. dapd

Wolfgang Thierse (SPD) hat mit seinen Äußerungen die Schwaben provoziert.

DüsseldorfDie Schwäbische Zeitung hat sich in einem offenen Brief auf schwäbisch bei Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) über dessen Schwaben-Lästereien beschwert. Die Zeitung empfiehlt Thierse, sich ein wenig mit der schwäbischen Sprache zu beschäftigen. Außerdem legt sie ihm den Gang zum Beichtvater nahe, da seine Äußerungen gegen den katholischen Geist verstießen.

Von einem Unternehmer aus dem oberschwäbischen Laupheim bekam Thierse ein Abonnement der „Schwäbischen Zeitung“ geschenkt. „Herr Thierse soll ab sofort täglich etwas über die Schwaben erfahren und sehen, dass wir da unten auch Kultur haben“, sagte der Kunstsammler und Pharma-Unternehmer Friedrich Rentschler dem Blatt.

Thierse (SPD) hatte sich über das Auftreten der Schwaben in Berlin mokiert und damit den Unmut der Menschen aus dem Südwesten provoziert. Es ärgere ihn, wenn im Viertel Prenzlauer Berg Brötchen nach schwäbischer Art als "Wecken" und nicht als Berliner "Schrippen" verkauft würden, hatte Thierse an Neujahr im Deutschlandfunk gesagt. Er verteidigte seine Bemerkungen gegen die geäußerte Kritik.

"Wenn man beim Bäcker ist und plötzlich steht da nicht mehr 'Schrippen soundsoviel', sondern da steht 'Wecken', da denke ich, das können die doch woanders sagen, in Berlin sagt man 'Schrippen'", sagte Thierse. Ähnlich sei es, wenn statt "Pflaumenkuchen" neuerdings "Pflaumendatschi" gesagt werde.

Fachlich bekommt Thierse Rückendeckung von der Bäckerinnung. „Die Schrippe ist eine Berliner Eigenheit, bei der die Brötchen mit der Hand eingeschlagen werden“, erklärt der Stuttgarter Bäckerinnungsmeister Gerhard Sailer. Dadurch entsteht der Schlitz in Längsrichtung auf der Oberseite, der für viel knusprige Kruste sorge. Die Weckle werden dagegen mit dem Messer eingeschnitten.
So weit die Theorie. In der Realität haben sich Schrippen und Weckle längst angenähert. „Wirklich handgefertigte Schrippen gibt es kaum noch“, sagt Sailer. „Die meisten Brötchen werden heute maschinell gefertigt - und da wird eben geschnitten.“

Kommentare (45)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gaishirtle

04.01.2013, 13:35 Uhr

Liebe HB-Redakteure,
Bitte das "w" in der roten Über-Überschrift ergänzen.

redaktion handelsblatt

04.01.2013, 13:48 Uhr

Lieber Gaishirtle,
vielen Dank für Ihren Hinweis, haben wir direkt korrigiert.

Beckmann

04.01.2013, 13:49 Uhr

Als Bäcker, der vor Jahren viel nach Berlin kam, kann ich sagen, in Berlin kann man sich die Vielfalt von Backwaren gar nicht denken, die es in Schwaben beim einfachen kleinen Bäcker noch gibt.
Vom Geschmack ganz zu schweigen.
Beim übrigen Essen, das dort angeboten wird, kam mir immer wieder der Gedanke,
"Sie haben einfach keine Esskultur hier in Berlin".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×