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26.12.2015

15:04 Uhr

Schwäbisch Gmünd

Brandanschlag auf Asylunterkunft an Weihnachten

Ein Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft beunruhigt Politik und Bevölkerung in Schwäbisch Gmünd. Die Stadt will ein Signal gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Hinweise auf die Täter gibt es bislang nicht.

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Feuer gelegt wurde, wie Polizei und Stadtverwaltung mitteilten. Das Gebäude sollte im Frühjahr fertiggestellt werden und bis zu 120 Flüchtlinge beherbergen. dpa

Brand in geplanter Flüchtlingsunterkunft

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Feuer gelegt wurde, wie Polizei und Stadtverwaltung mitteilten. Das Gebäude sollte im Frühjahr fertiggestellt werden und bis zu 120 Flüchtlinge beherbergen.

Schwäbisch GmündBrandstifter haben an Weihnachten in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Schwäbisch Gmünd Feuer gelegt. Die Politik reagierte entsetzt, Forderungen nach verstärkten Sicherheitsmaßnahmen wurden laut. Die Stadt will über Parteigrenzen hinweg vor allem ein Signal gegen Fremdenfeindlichkeit setzen, Bürger demonstrierten vor dem beschädigten Gebäude. Die Polizei suchte nach Spuren von Brandbeschleunigern, Hinweise auf die Täter gab es bislang nicht.

Bei dem Brand am frühen Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags wurde niemand verletzt. Die Schäden an dem noch nicht fertigen Gebäude hielten sich in Grenzen, weil die Flammen schnell entdeckt wurden. „Wir können da relativ flott weiterbauen“, sagte ein Sprecher der Stadt Schwäbisch Gmünd. Die Unterkunft soll vom Frühjahr an bis zu 120 Flüchtlingen eine Bleibe bieten.

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland

Hintergrund

Zwischen dem 1. Januar und dem 30. November 2015 wurden in Deutschland 222 fremdenfeindliche Angriffe registriert, bei denen Menschen zu Schaden kamen oder zu Schaden hätten kommen können. Nur in zwölf Fällen kam es zur Anklage einer oder mehrerer Täter – also in bloß fünf Prozent der Fälle.

(Quelle: „Zeit Online“; Stand 3. Dezember 2015)

Art der Anschläge

Bei den Angriffen handelte es sich in 93 Fällen um einen Brandanschlag, in ebenfalls 93 Fällen um Sachbeschädigungen und in acht Fällen um Wasserschäden. Hinzu kamen 28 tätliche Angriffe.

Betroffene Regionen

Angriffe auf Unterkünfte gibt es im gesamten Bundesgebiet. Auch gelingt die Aufklärung im Westen nicht häufiger als im Osten. Dennoch: In manchen Regionen kommen die Attacken gehäuft vor. Im Folgenden die Bundesländer mit den meisten Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte.

Sachsen

Das Bundesland Sachsen ist trauriger Spitzenreiter des Negativ-Rankings: In den ersten elf Monaten des Jahres wurden hier 64 Angriffe begangen, darunter 18 Brandanschläge.

Nordrhein-Westfalen

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden im gleichen Zeitraum 21 Fälle registriert. 14 davon waren Brandstiftungen.

Berlin

Auch die Hauptstadt findet sich unter den fünf Bundesländern. Hier wurden von Januar bis Ende November insgesamt 20 Anschläge begangen, darunter 4 Brandanschläge.

Baden-Württemberg

Aufgeklärt wurde hier bisher noch kein Angriff auf eine Unterkunft, begangen dafür mehrere: Seit Januar kam es in Baden-Württemberg zu 17 Angriffen auf Asylbewerberheime. Sieben davon waren Brandanschläge.

Mecklenburg-Vorpommern

An der Ostsee wurden in den vergangenen elf Monaten fünf Brandanschläge begangen. Insgesamt kommt Mecklenburg-Vorpommern damit auf 16 Angriffe.

Sachsen-Anhalt

Ebenfalls in der traurigen „Top Ten“-Liste landet Sachsen-Anhalt. Hier wurden 15 Anschläge begangen, sieben davon waren Brandstiftungen.

Bayern und Brandenburg

Hier wurden in den ersten elf Monaten von 2015 jeweils sieben Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte begangen.

Im Sommer hatte es vermehrt in Unterkünften für Asylbewerber im Südwesten gebrannt, meist bevor diese bezogen wurden. In einigen Fällen handelte es sich um gezielte Anschläge. Die Ermittler sind nahezu sicher, dass sich auch der Brand in Schwäbisch Gmünd nicht selbst entzündet hat. Ob es sich um eine politisch motivierte Tat handelt, sei noch unklar, hieß es bei der Polizei.

Der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold (CDU), sprach von einer „ganz feigen Tat“. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte: „Ein Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim ist immer auch ein Angriff auf unsere Gesellschaft“

Von

dpa

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