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18.12.2011

10:36 Uhr

Schwere Vorwürfe

Verfassungsschutz finanzierte Terrortrio

Der Neonazi-Terror weitet sich zur Staatsaffäre aus: Offenbar finanzierte der Verfassungsschutz den untergetauchten Tätern falsche Pässe. Eine Ermittlungspanne unterstützte die Terroristen bei ihrem Handeln.

Die dubiosen Aktionen des Thüringer Verfassungsschutzes stehen zunehmend im Zentrum der Ermittlungen. dpa

Die dubiosen Aktionen des Thüringer Verfassungsschutzes stehen zunehmend im Zentrum der Ermittlungen.

Der Thüringer Verfassungsschutz hat einem Pressebericht zufolge erstmals eine Geldzahlung an das Zwickauer Neonazi-Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt eingeräumt. Demnach ließ der Geheimdienst der Terrorzelle, der zehn Morde zur Last gelegt werden, über Mittelsmänner mehr als 2.000 Mark für gefälschte Pässe zukommen. Das habe ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes am 6. Dezember 2011 vor der geheim tagenden Kontrollkommission des Thüringer Landtages berichtet, schreibt die Zeitung „Bild am Sonntag“.

Nach Aussagen des Verfassungsschützers wusste seine Behörde aus abgehörten Telefonaten, dass die Neonazi-Gruppe damals dringend Geld für neue Pässe brauchte. Man habe daraufgesetzt, mithilfe der Geldzahlung Hinweise auf den Aufenthaltsort sowie die Tarnnamen der Rechtsterroristen zu erhalten.

Daher habe der Verfassungsschutz im Jahr 2000 dem NPD-Funktionär Tino Brandt das Geld übergeben, der unter dem Decknamen „Otto“ als V-Mann für die Behörde arbeitete. Brandt sollte das Geld an das seit 1998 gesuchte Neonazi-Trio weiterleiten. Er schaltete dafür einen weiteren Mittelmann ein. Der Plan sei jedoch gescheitert.

Zwar habe sich das Trio tatsächlich neue Pässe beschafft. Weil der Thüringer Verfassungsschutz die Meldeämter in Sachsen nicht eingeweiht hatte, konnte die rechte Terrorgruppe damit jedoch unerkannt untertauchen.

Der Thüringer Verfassungsschutz finanzierte das Neonazi-Trio indirekt auch durch den Ankauf des antisemitischen Brettspiels „Pogromly“ für jeweils 100 Mark, schreibt die Zeitung weiter. Mindestens drei Exemplare des Hetz-Spiels, dessen Verkaufserlös an die Terrorzelle floss, habe NPD-Mann Brandt an Mitarbeiter des Thüringer Verfassungsschutzes verkauft.

 

Von

dapd

Kommentare (15)

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Lust

18.12.2011, 11:02 Uhr

Wenn wir wüssten, wie uns die Geheimdienste reinlegen und ver......., dann würde uns der Hut hoch gehen. Die tun das nur um ihre gut bezahlten Job's zu erhalten.

Oma

18.12.2011, 11:27 Uhr

Das wundert nicht, hat die Politik doch ein Interesse daran, es wird halt ein Feindbild gebraucht. Damit können dann entsprechende Gesetze begründet werden. Das gilt ebenso für den lächerlichen Terrorismus der Sauerland-Gruppe und die Gasflaschen-Attentäter. Dummerweise wird das alles ziemlich dilletantisch gemacht, der wache Bürger kann das durchschauen, wie auch die Geschichten die unser grosser Bruder uns so erzählt. Die totale Überwachung wird so von dem ängstlichen Gutmenschen als notwendig akzeptiert. Orwell wird noch übertroffen.

Ameliegnom

18.12.2011, 11:48 Uhr

Ungeheuerlich! wo bleibt der Aufschrei in unserem Land? Wo bleiben die Aufklärer der Medien?
Was für ein Skandal! Das kann doch nicht wahr sein, wo leben wir denn eigentlich?
Während unser Innenminister Friedrich sich hier mit jeden erdenklichen Mitteln für die Bespitzelung der braven Bürger einsetzt (Vorratsdatenspeicherung) treibt man im Verfassungsschutz munter fröhlich verfassungsfeindliches ungeheuerliches Unwesen, sag mal, geht´s noch?
Wieso nennen die sich eigentlich VERFASSUNGS SCHUTZ? Wenn terroristische Neonazi Mörder aktiv unterstützt werden kann man doch kaum noch von Schützern der Verfassung sprechen, was sagt unsere Politik dazu?
Wo sind hier die Saubermänner -Frauen unserer Politik?
Wegen dämlichen Krediten wird sich das Maul geschwartet aber eine solche ungeheure verfassungsfeindliche Organisation wie der #Verfassungsschutz wird einfach totgeschwiegen. Ich bin zutiefst bestürzt und geschockt!
Geheim! wurde es besprochen! eine Sauerei ist hier am laufen! so ist das!

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