Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2007

14:36 Uhr

Scientology eröffnet Berliner Haus

„Gehirnwäsche. Nein Danke.“

Begleitet von kleineren Protesten und politischen Debatten ist in Berlin die neue Hauptstadtrepräsentanz von Scientology eröffnet worden. Politiker aus Bund und Ländern hatten im Vorfeld eine stärkere Überwachung der umstrittenen Organisation gefordert.

Die Berliner Repräsentanz der umstrittenen Scientologen. Foto: dpa dpa

Die Berliner Repräsentanz der umstrittenen Scientologen. Foto: dpa

HB BERLIN. Nach Polizeiangaben reisten rund 1500 Scientology-Unterstützer aus Deutschland und Europa an. Einige Anwohner protestierten mit Schildern wie „Gehirnwäsche. Nein Danke.“. Befürchtete Zwischenfälle gab es zunächst nicht. Die umstrittene Organisation wird von Kritikern als Sekte und skrupelloses Wirtschaftsunternehmen bezeichnet. Scientology selbst bezeichnet sich als Religionsgemeinschaft. Experten rätseln, ob das Haus in Berlin-Charlottenburg die neue Deutschland-Zentrale der Organisation wird.

Währendessen fordern Politiker aus Bund und Ländern eine stärkere Überwachung der Organisation durch den Verfassungsschutz. Nach Ansicht von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linkspartei) handelt es sich hier nicht um eine Religionsgemeinschaft.

Die Eröffnung des Zentrums in der Bundeshauptstadt hätte nach Ansicht der CDU-Sektenexpertin Antje Blumenthal verhindert werden können. In jenen Bundesländern, wo die Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet werde, könne sie sich nicht so ausbreiten, sagte sie im Deutschlandradio Kultur. In Berlin war die Überwachung durch den Landesverfassungsschutzes 2003 beendet worden.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein hat eine bundesweite Überwachung der Organisation gefordert. „Es ist unabdingbar nötig, dass Scientology in allen Bundesländern sorgfältig beobachtet wird“, sagte der CSU-Politiker der „Berliner Zeitung“. Nur dann habe Scientology keine Schlupflöcher. „Es reicht nicht, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz Scientology beobachtet“, sagte Beckstein. Scientology sei keine religiöse Bewegung. „Sie ist vielmehr ein Unternehmen, dem es um wirtschaftliche und politische Macht geht.“

Beckstein kritisierte Berlins Innensenator Körting (SPD), der nach Gerichtsurteilen die Beobachtung durch den Landesverfassungsschutz eingestellt hatte. „Durch die fehlende Beobachtung konnte Scientology die Vorbereitungen zu einer Berliner Zentrale treffen, ohne dass es rechtzeitig bemerkt wurde“, unterstrich der bayerische Innenminister. Beckstein kündigte eine Initiative auf europäischer Ebene gegen Scientology an. „Es ist notwendig, die Bekämpfung von Scientologyauch auf europäischer Ebene voranzubringen“.

Pau betonte im Deutschlandfunk, Scientology sei keine Religionsgemeinschaft, wie sie selbst immer behaupte. Für Thierse ist Scientology mehr „ein strategisch handelndes Wirtschaftsunternehmen, dessen Ziel es ist, Macht über Menschen zu gewinnen und dabei Geld zu verdienen“. Daher müsse man genau aufpassen, ob Scientology missionarisch tätig werde und sich Menschen gefügig mache, sage er der “Berliner Zeitung“. FDP-Innenexperte Max Stadler appellierte an die Innenminister zu prüfen, ob die Beobachtung der Sekte durch den Verfassungsschutz verstärkt werden müsse.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×