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11.04.2006

08:32 Uhr

Sechs Fragen an: Franz Walter

Franz Walter: „Die SPD geht harten Zeiten entgegen“

VonDie Fragen stellte Thomas Sigm, .

Die SPD verliert in immer kürzeren Abständen ihre Parteichefs. Franz Walter, Professor für Parteienforschung an der Universität Göttingen, spricht mit dem Handelsblatt über Platzecks politisches Vermächtnis.

Herr Walter, was bleibt als Platzecks politisches Vermächtnis?

Sehr wenig. Ein Parteichef muss integrieren und anschieben können. Beides konnte Platzeck nicht. Unter dieser Last hat er ja auch sehr gelitten. Weder kannte er die Partei mit ihrer langen Geschichte und ihren Hoffnungen und Ängsten gut genug. Noch ist er ein brillanter Denker oder Programmatiker – übrigens genauso wie Kurt Beck.

Die SPD verliert in immer kürzeren Abständen ihre Parteichefs . . .

Die immer schneller sich vollziehenden Wechsel zeigen, dass die einstige Geschlossenheit längst zu den Akten gelegt wurde. Es gibt kaum mehr eine gemeinsame verbindliche Weltanschauung oder ein gemeinsames programmatisches Credo. Schauen Sie sich nur die endlose Diskussion über das Grundsatzprogramm an, dann sehen Sie, dass die Partei harten Zeiten entgegengeht.

War der Wechsel zu Platzeck bereits ein Fehler?

Jedenfalls wurde nie richtig begründet, warum es kein Fehler war. Seit Willy Brandts Abgang sind die Führungswechsel immer rasanter, oft ganz begründungslos geworden.

Gilt das auch für den Wechsel zu Kurt Beck?

Außer Kurt Beck ist weit und breit niemand in Sicht. Der Wechsel geschieht jetzt eben zu einem günstigen Zeitpunkt. Beck hat in Rheinland-Pfalz sehr gut abgeschnitten.

Wird Beck also ebenfalls nur ein Übergangskandidat?

Grundsätzlich wird Beck in einem immer älter werdenden Volk gut ankommen. Die Zeit der umtriebigen Typen ist vorbei, es sind eigentlich wieder die bodenständigen, erfahrenen Politiker gefragt, die jede Weinkönigin küssen.

Also gute Perspektiven für Beck?

Seine Stärken können auf bundespolitischer Ebene auch seine Schwächen werden. Nehmen Sie das Beispiel Stoiber. Beck wäre also nicht der erste erfolgreiche Landespolitiker, dessen Stern rasch verglüht.

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