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20.01.2011

07:32 Uhr

Segelschulschiff Gorch Fock

Bundeswehrverband prüft Meuterei-Vorwürfe

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hat angesichts der Vorwürfe einer Meuterei auf dem Segelschulschiff Gorch Fock vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Nach dem Tod einer Offiziersanwärterin im November 2010 war es offenbar zu Konflikten auf dem Schiff gekommen.

HB FLENSBURG. Man müsse prüfen, ob Sicherheitsbestimmungen verletzt worden seien, sagte Kirsch dem „Hamburger Abendblatt“. „Manchmal stellt sich am Ende manches anders dar als am Anfang.“ Besatzungsmitglieder des Segelschulschiffs hatten von Führungsversagen leitender Offiziere sowie einem Vertrauensverlust zwischen Stammmannschaft und Offiziersanwärtern nach dem Tod einer Frau im vergangenen November berichtet.

Kirsch sagte dem Blatt: „Diejenigen, die ihren Dienst ordentlich versehen haben, müssen wir schützen. Diejenigen, die aber ein Fehlverhalten an den Tag gelegt haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“ Er stellte sich hinter das Ausbildungskonzept auf dem Segelschulschiff der Marine. „Es gibt keine bessere Ausbildung als auf einem Schiff, wenn es um den Crew-Gedanken geht.“ Das Konzept werde sich auch in Zukunft bewähren.

Ein Sprecher des Wehrbeauftragten des Bundestages in Berlin hatte am Vortag bestätigt, dass von Amts wegen Ermittlungen aufgenommen worden seien. Es seien Eingaben von Besatzungsmitgliedern gemacht worden, aus denen hervorgehe, dass „etwas im Argen“ liege, sagte Sprecher Sebastian Hille. Vergangene Woche sei eine Delegation des Wehrbeauftragten zu ersten Gesprächen bei der Besatzung gewesen. Verteidigungsminister und -ausschuss seien informiert. Nach dpa-Informationen hat die Marine die Aufklärung der Vorgänge zugesagt und will ein eigenes Team an Bord schicken. Das legendäre Schiff hatte jüngst das Kap Hoorn umrundet.

Von der angeblichen „Meuterei“ berichten die „Mitteldeutsche Zeitung“, die „Stuttgarter Zeitung“, "Handelsblatt Online" und „Spiegel Online“ unter Berufung auf den Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus. Die Beschwerden seien nach dem Tod einer Offiziersanwärterin aufgekommen. Die Frau war von einem Mast gefallen.

Den Berichten zufolge wollten trauernde Offiziersanwärter nicht mehr in die Takelage des Schiffes klettern. Sie sollen trotzdem zum sogenannten Aufentern gedrängt worden sein, „was dem Freiwilligkeitsgebot zuwider läuft“, schreibt die „Stuttgarter Zeitung“. Daraufhin sollen Vorgesetzte ihnen angedroht haben, nicht mehr Offizier werden zu können. Vier Soldaten sollten „wegen Meuterei und Aufhetzen“ abgelöst und nach Deutschland geflogen werden. Den Berichten zufolge soll es auch Fälle sexueller Belästigung an Bord gegeben haben.

Im Fall des Bundeswehrsoldaten, der in Afghanistan im Dezember bei einem Unfall mit einer Waffe ums Leben kam, ermittelt nach Informationen der „Bild“-Zeitung die Staatsanwaltschaft Gera wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Der 21-jährige Hauptgefreite sei offensichtlich durch eine Kugel aus der Waffe eines Kameraden getötet worden, berichtete am Mittwochabend auch die „Tagesschau“.

Der Soldat kam kurz vor dem Weihnachtsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ums Leben. Die Bundeswehr hatte nach dem Vorfall mitgeteilt, der Hauptgefreite sei mit einer Schusswunde in einem Außenposten nördlich des Regionalen Wiederaufbauteams Pol-e-Chomri gefunden worden. Demnach starb er später während einer Notoperation im Feldlager Pol-e-Chomri. In Berichten hieß es damals, es habe sich offenbar ein Schuss gelöst, als der Soldat seine Waffe reinigte.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte schon bei dem Merkel-Besuch in Afghanistan indirekt gesagt, dass ein anderer Soldat den tödlichen Schuss ausgelöst habe: „Selbstverständlich ist es auch eine Herzensfrage, diesen Kameraden, von dem das Unglück ausging, und seine Familie aufzufangen.“

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