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23.01.2011

14:55 Uhr

Segelschulschiff „Gorch Fock“

„Wie in einem schlechten Film“

Die Zustände an Bord der "Gorch Fock" kommen nur allmählich ans Licht. Nach dem Tod der jungen Rekrutin im November regte sich Widerstand unter den Kadetten gegen die Schiffsführung, von "Meuterei" war die Rede. Die Rekruten wurden nach Hause geschickt, der Schiffskommandant abgesetzt, nun ist die Zukunft des Seglers offen. Und in den Medien prallen die Meinungen von Ex-Rekruten aufeinander.

Als Konsequenzen aus den Vorfällen auf der „Gorch Fock“ musste dessen Kommandant, Norbert Schatz, gehen. dpa

Als Konsequenzen aus den Vorfällen auf der „Gorch Fock“ musste dessen Kommandant, Norbert Schatz, gehen.

HB BERLIN/DÜSSELDORF. Maria hat keine guten Erinnerungen an ihre Zeit auf der "Gorch Fock". Während ihrer Ausbildung verbrachte die Offizieranwärterin mehrere Wochen auf dem Segelschulschiff der Marine. Sie war im vergangenen November an Bord, als eine Mitstreiterin beim Klettern in der Takelage aus 27 Metern Höhe auf das Deck prallte und starb. Das Schiff ist seitdem in Verruf gekommen. Zurecht, meint Maria und berichtet von Drill, Schlafentzug und Schikane an Bord.

Lange galt die "Gorch Fock" als Vorzeigeschiff der Marine. Die Bilder der herausgeputzten Kadetten machen was her. Auch Maria (Name geändert) war zum Start ihrer Ausbildung an Bord beeindruckt. "Solange das Ganze im Hafen stattfindet - mit Musikkorps und Ausgehuniform - ist das natürlich eine ganz große Sache", erzählt sie, "die Familie steht am Ufer, winkt mit dem Taschentuch. Das hat wirklich etwas von Seefahrer-Romantik." Später, draußen auf der See, war ihre Begeisterung schnell verflogen.

"Auf stumpf schalten, sonst überlebst du nicht"

Es ist Leben auf engstem Raum mit rauem Befehlston und straffer Hierarchie. Die Kadetten stehen ganz unten in der Hackordnung. Sie schlafen in Hängematten im Zwischendeck. "Privatsphäre gibt es nicht. Besonders als Frau hat man das Gefühl, sich aufgeben zu müssen", sagt Maria: "Ich habe mir am dritten Tag gesagt: Du schaltest jetzt auf stumpf, ansonsten überlebst du das hier nicht."

Deckschrubben mit der Zahnbürste und ständiges Gebrüll - all das sei kein Klischee, berichtet Maria, "da wird gebrüllt, da wird gedrillt, das ist systematisches Schleifen wie in einem schlechten Film." Und dazu ständige Übermüdung. Schlaf bekam Maria an Bord kaum, auch die Kameraden nicht. Koffeintabletten machten die Runde - und Gerüchte, die junge Marinesoldatin, die vor einem Jahr auf einer Ausbildungsfahrt gestorben war, sei schlicht während der Wache eingeschlafen und deshalb von Bord gestürzt. 2008 war das.

Kommentare (18)

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Morchel

23.01.2011, 16:12 Uhr

Man wird nicht als Soldat geboren, man wird dazu gemacht. Jeder Mensch flieht vor Feuer wenn er bedroht wird ein Soldat läuft zum Feuer hin wie erreicht man das ? Drill, Drill, Drill, Ein Volk was sich nicht wehren kann zieht den Pflug, ernten tun die andern. Naturgesetze.

Xavi

23.01.2011, 16:41 Uhr

@Morchel:
Aber dazu muss man kein altes Segelschiff als Puff betreiben.

U. G.

23.01.2011, 17:09 Uhr

Eure Kultur des Emanzipationskomplexes kann vor allem in diesem Fall nur im Puff enden.
Frauen und Männer auf engsten Raum, wer das Tier im Menschen (wir sind auch nur ein Stück Natur und sind so gestrickt) nicht sehen will, ist geschickt darin sich und seinen Nachkommen was vor zu machen.
Es wird sich zeigen was von der Gleichberechtigung der Geschlechter im Abendland übrig bleiben wird, wenn es mal wirtschaftlich wieder so richtig eng wird, wenn Anarchie und Aufstände an der Tagesordnung sind. Vermutich werden dann solche Vorfälle wie auf diesem Schiff als Kindergeburtstag eingestuft werden können.

ich sehe schwarz für eure möchtegern emanzipierte Gesellschaft. Denn der Stärkere ist immer ein Stück gleicher, auch unter den Geschlechtern. Und übrigens, das ist auch ein Stück menschliche Natur, die Natur des Rechtes unter hifename der Keule. Und auch darin steht ihr im Abendland Niemandem in nichts nach.

Wer seinen Kindern, Frauen und Müttern keine Schutzbariere vor dallem vor dieser Gesellschaft aufstellt, kann nur so enden.

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