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14.03.2013

16:40 Uhr

„Sehr unappetitlich“

Ökonomen zerpflücken Anti-Euro-Partei

VonDietmar Neuerer

ExklusivAuch wenn die neue Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ eine Bereicherung für die Parteilandschaft sein mag, so überwiegt doch die Skepsis. Führende Ökonomen halten ihre Thesen für mehr als abwegig.

Parteigründer Bernd Lucke bei der ersten öffentlichen Veranstaltung im hessischen Oberursel. Reuters

Parteigründer Bernd Lucke bei der ersten öffentlichen Veranstaltung im hessischen Oberursel.

BerlinEines hat die neue Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ schon erreicht: es wird über sie gesprochen. Das politische Berlin ist sogar regelrecht alarmiert, weil befürchtet wird, dass die neue Gruppierung mit ihrem bürgerlichen Anstrich so manchen Bundestagswahl-Traum platzen lassen könnte. Bei Ökonomen erntet die Bewegung, die etwa von dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke und dem früheren Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), Konrad Adam, gegründet wurde, mit ihren Anti-Euro-Thesen energischen Widerspruch.

Doch auch leise Zustimmung ist vernehmbar, etwa, wenn der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, die Parteigründung als solche erst einmal gar nicht schlecht findet. „Grundsätzlich ist es im demokratischen System gut und wünschenswert, wenn das Angebot an politischen Alternativen größer wird“, sagte Hüther Handelsblatt Online. Und sicherlich werde die Floskel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), es gebe keine Alternative zum eingeschlagenen Weg, zu Recht von der neuen Partei kritisiert, „denn diese Formulierung ist weder richtig noch passend“. Es gebe „immer Alternativen, sie haben nur unterschiedliche Preisauszeichnungen“, betonte Hüther.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“

Parteigründer

Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

Nein zum Euro

Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

Bundestagswahl

Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Hüther spielt damit auf eine Äußerung Luckes an, der sich erbost über die derzeitige Euro-Rettungspolitik geäußert hatte. Den Euro nannte er einen „Spaltpilz“, der in Südeuropa die Wirtschaft ruiniere, weil die nicht wettbewerbsfähigen Länder nicht abwerten können. Dem Norden, vor allem Deutschland, würden ungeheure Haftungsrisiken für die Milliarden-Kreditprogramme aufgebürdet. „Zu dieser Währungs- und Europa-Politik gebe es keine Alternative, sagen Regierung und Opposition, die bedauerlicherweise in dieser Frage eine einheitliche Politik machen. Doch, es gibt immer eine Alternative“, meint Lucke, nämlich die Auflösung des Euro und die Rückkehr zu nationalen Währungen oder kleineren Währungsverbünden.

Dem widerspricht der IW-Chef vehement. Er sei entschieden der Meinung, dass ein Austritt aus oder ein Zerfall der Euro-Zone „nicht zu geringeren, sondern zu höheren Kosten für alle Beteiligten führt als die von der Politik gewählte Strategie“, sagte Hüther. „Denn eine Währungsunion ist kein Buchclub, aus dem man beliebig austritt.“ Es gebe die „viel geforderte Symmetrie zwischen dem Eintritt und dem Austritt respektive der Gründung und der Auflösung nicht, da die Kapitalmarktanpassungen zu anderen Bedingungen führen“.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Zukunft des Euro

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

Neue Währungen

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

Europäische Verträge

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

Austrittsrecht

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

Lasten für den Steuerzahler

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

Schuldenschnitte

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

EZB-Politik

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Die Protagonisten der neuen Partei übersähen überdies die politischen Konsequenzen für Europa. „Ich teile auch die Bewertung nicht, dass Südeuropa ruiniert und der Norden überfordert wird.“. Die dazu vorgetragenen Argumente verkennten die tatsächlichen politischen Veränderungen im Süden und die erreichte Weiterentwicklung bei den europäischen Institutionen. „Eine Währungsunion ist nun einmal auch eine Verantwortungsgemeinschaft, aus der man nicht bei der ersten Krise aussteigt“, betonte Hüther.

Kommentare (229)

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schlonz

14.03.2013, 16:53 Uhr

Ob die führenden Ökonomen runquatschen oder in China fällt ein Sack Reis um. Die wollen nur den Kopf aus der Schlinge ziehen. Bisher haben die Kritiker immer Recht gehabt und die Experten alle Unrecht. Eigentlich hätte die Strafverfolgung schon lange die Spur aufnehmen müssen, denn nicht nur alle EU-Verträge sind ohne Zustimmung des Souveräns beschlossen worden, alle Rettungsbakete und Bürgschaften, auch der Euro. "Hätten wir die Deutschen gefragt, hätte es keinen Euro gegeben" (Theo Waigel) Der Mann trampelt auf dem Grundgesetz herum und ist noch ganz stolz auf die Despotie - das war schwerer Landfriedensbruch und Landesverrat. Und darauf steht Gefängnis.




Baier

14.03.2013, 16:53 Uhr

wer sind denn die "führenden Ökonomen", die Lucke widersprechen? Hüther ist dem Institut der deutschen Wirtschaft verpflichtet, Horn den Gewerkschaften. Fehlt noch Bofinger, ist der in den Semesterferien? Das wars dann. Getragen wird die Idee der Eurokritik von 200 Wirtschaftsprofessoren. Also, liebes HB, die Überschrift liegt weit daneben, und Zerpflücken sieht anders aus. Aber dankenswerterweise setzt sich das HB mit den Problemen auseinander.

Account gelöscht!

14.03.2013, 16:53 Uhr

Es bleibt zu hoffen, das die Alternative es erstens schafft zur Bundestagswahl 2013 anzutreten und über die 5 % Hürde zu kommen, bevor sie durch die etablierten Euro Verbrecher ganz in die rechte Ecke geschoben wird.
Weg mit dem Euro und verheerend werden die Folgen sicherlich nur für einige Brüsseler Technokraten die ihre völlig überzahlten Jobs verlieren werden.

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