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23.09.2011

08:14 Uhr

Sensationserfolg bei Berlin-Wahl

Erster Pirat hängt seinen Beruf an den Nagel

VonDietmar Neuerer

ExklusivMartin Delius hat sich entschieden. Für die Politik. Der Jungparlamentarier der Berliner Piratenpartei gibt seinen Job auf. Im Interview spricht er über sein neues Leben als Politiker und die Zukunft der Piraten.

Die Piratenpartei-Fraktion mit Martin Delius (li.). dapd

Die Piratenpartei-Fraktion mit Martin Delius (li.).

Handelsblatt Online: Herr Delius, 15 Piraten ziehen ins Abgeordnetenhaus ein. Werden sie alle ihre Berufe dafür an den Nagel hängen?

Martin Delius: Über diese Frage muss sicher jeder einzelne Mandatsträger selbst entscheiden. Ich selbst werde meine derzeitige Anstellung aufgeben, um Vollzeit mein Mandat wahrnehmen zu können.

Die Piraten sind, was Parlamentsarbeit angeht, noch unerfahren. Werden Sie sich externe Unterstützung holen – beispielsweise den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss?

Wir bekommen bereits zu den Vorbereitungen der Konstituierung unserer Fraktion von vielen Seiten Hilfe und Hilfsangebote, die wir immer wieder dankend annehmen. Herrn Tauss haben wir nicht angefragt und sehen auch keine Notwendigkeit dies zu tun.

Berlin-Wahl: Wofür kämpfen die Piraten?

Berlin-Wahl

Wofür kämpfen die Piraten?

Das fulminante Ergebnis der Piraten in Berlin macht die etablierten Parteien nervös. Doch was treibt die politischen Freibeuter an? Wer die Newcomer verstehen will, muss die Kultur der „Digital Natives“ kennen.

Wie wollen Sie den etablierten Parteien begegnen, mit welchen Themen wollen Sie ihnen Paroli bieten?

Wir wollen eine konstruktive und offene Oppositionsarbeit leisten. Dazu müssen wir mit den anderen Parteien in allen Themenbereichen zusammenarbeiten. Wir werden uns zuerst mit den traditionellen parlamentarischen Gepflogenheiten auseinandersetzen und diese im Sinne der Transparenz kritisch hinterfragen. Es wird sich zeigen wie viele gute Argumente sich für "Althergebrachtes" in der Politik finden lassen, die auch Piraten überzeugen können.

„Transparenz“ war einer ihrer Schlüsselbegriffe im Wahlkampf. Wie wird im Parlamentsalltag aus dem theoretischen Begriff praktische Politik?

Wir werden unsere ersten Schritte in den parlamentarischen Betrieb auf unserem Blog dokumentieren. Die interessierte Öffentlichkeit darf sich auf live übertragene Fraktionssitzungen, öffentliche Protokolle zu Sitzungen, Treffen und andere Vorgänge freuen.

Kommentare (6)

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Predominant_Core_Capital

23.09.2011, 08:25 Uhr

Das Wahlergebnis der Piraten muss man eigentlich zu dem der FDP hinzu addieren, denn nach meinem bisherigen Eindruck sind die Piraten mE eher der chaotische Arm der FDP, alles natürlich am Gemeinwohl und keinesfalls egoistische Mitbürger, die sich jetzt für die nächste Legislaturperiode im Parlament gemütlich einrichten und ihre Jobs an den Nagel hängen. Als Protestwahl OK, als Dauereinrichtung Sinnbild einer zerfallenden Gesellschaft.

Account gelöscht!

23.09.2011, 08:44 Uhr

Da droht den Lobbyverbänden ja ein echtes Problem. Schluß mit geheimen Absprachen, Öffentlichkeit droht. Schluß mit Korruption und Vetternwirtschaft.
Zum Schluß noch der mündige Bürger. Man sollte überlegen diese Partei zu wählen!!!

derherold

23.09.2011, 11:23 Uhr

@ihr, ernsthaft zu glauben, "Absprachen mit Lobbyverbänden" seien das Problem, das zudem mit "Öffentlichkeit" zu beseitigen sei, zeugt davon, dem Medienapparat auf den Leim gegangen zu sein und nicht zu wissen, wie "Verwaltung" funktioniert".

Eine Stadt - auch Berlin - wird vom Personalrat der Verwaltung gelenkt. Bis die "Piraten" dort die "Korruption" und die "Vetternwirtschaft" entlarven, dürften ein paar Jahre vergehen.

Überdies kennen auch die "Piraten" div. "Lobbies" - auch wenn sie dort vllt. "Interessen" genannt werden - und werden bemüht sein, ihnen zu dienen.

Man darf daran erinnern, daß die "Grünen" bis Mitte der 80iger weitaus aggressiver und kenntnisreicher antraten als die "Piraten".

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