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10.09.2013

10:48 Uhr

Serie „Bodycheck“

Gysi betont perfekt – selbst wenn er brüllt

VonMichael Moesslang

Geballte Fäuste, stechende Zeigefinger, das Spiel mit der Stimme – auf welche Gestik setzen Politiker und wie wirkt sie? Ein Körpersprachen-Experte analysiert für uns die Spitzenkandidaten. Heute: Gregor Gysi.

Es macht richtig Spaß dem Kanzlerkandidaten der Linken zuzuhören. Okay, es ist nicht immer einfach, die Aussagen zu ertragen, wenn man anderer Meinung ist. Manchmal kann man lachen, wie er die Dinge darstellt. Wenn er erklärt, warum er beispielsweise der SPD das Soziale abspricht. Doch Gysi ist auch einer, der vor Begeisterung nur so sprüht. Der das dann auch glaubhaft sagt. Dem man ansieht, wie er sich wirklich engagiert. Zumindest rhetorisch.

Diesen Trumpf spielt der Spitzenkandidat der Linkspartei. Die meisten Menschen werden ihm im Wahlkampf nur bei Fernsehberichten begegnen, was die Bedeutung von Körpersprache und Stimme erhöht. Deshalb konzentriert sich auch diese Analyse auf den Eindruck, den die Zuschauer gewinnen, die Gysi via TV bei seinen Reden im Bundestag oder in Interview-Situationen erleben.

Gysi ist brillant, das Rednerpult wird zur großen Bühne und seine Reden zum Schauspiel im besten und unterhaltendsten Sinne. Wenn er brüllt, dann kommt das nicht zuletzt deswegen so gut an, weil er einfach perfekt betont. Weil er den Worten mit allen Mitteln Wirkung verleiht durch eine klare Artikulation, lebendige Sprechweise und richtig gesetzte Pausen. Weil er dazu eine Gestik einsetzt, die bis weit über seinen Kopf hinausgeht, fast fuchtelt und so seine eigene Überzeugung auch ohne Ton erkennen lässt.

Selbst dann, wenn der Linke vom Manuskript abliest, redet er lebendiger, spannender und letztlich überzeugender als die Mehrheit der Politiker, wenn diese frei sprechen. Das muss man erst Mal können. Das macht die Energie seines Redefeuerwerks aus.

Wirkt das noch seriös? Ist das zu viel? Ist das übertrieben? Jein. Erstens: der Erfolg gibt ihm Recht. Wo wären die Linken heute, wenn nicht Gysi mit seiner Art es immer wieder schaffen würde, die Linkspartei in den Medien zu positionieren? Wo wären sie, wenn Gysi nicht so durchwegs sympathisch rüber käme? Wo wären sie, wenn Gysi nicht alle Vorwürfe zu SED und Stasi immer wieder rhetorisch vom Tisch wischen könnte?

Kommentare (10)

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cosmoB

10.09.2013, 11:30 Uhr

Nein, es ist nicht nur die Form die Gysi überzeugen lässt, es ist auch der Inhalt.
Die Linke hat mit Gregor Gysi und Sarah Wagenknecht die zwei brilliantesten Politiker im deutschen Rhetoriker im deutschen Bundestag, dagegen wirkt Merkel mit ihren abgedroschenen Phrasen "alternativlos", "das muss ich mir nochmal ansehen", "sie kennen mich" geradezu wie eine Spielerin aus der intellektuellen Kreisklasse. Ich arbeite in der freien Wirtschaft, zahle den Spitzensteuersatz und werde dieses Mal zum ersten mal die Linke wählen, da deren Argumente überzeugend sind und es endlich Zeit wird, dass die Umverteilung von unten nach oben ein Ende hat.

Account gelöscht!

10.09.2013, 12:28 Uhr

Ein wasserpredigender Weintrinker und brandgefährlicher Demagoge. Genauso gefährlich wie Wagenknecht. Die beiden sind gerade deshalb gefährlich, weil sie nicht so unbeholfen und naiv wirken wie Riexinger und Kipping.

Soukharyev

10.09.2013, 13:01 Uhr

Macht Spaß? Na, na...

Wann endlich wird die demokratische Presse mutig über folgende Themen reden:

- 200 Mlrd € der deutschen Staatsangehörigen auf "schwarzen" Konten in der Schweiz: Wie wurden die Gelder verdient? Wenn alle 200 Mlrd gesetzlich verdient wurden, kassieren nur Ausländer "schwarze" Milliarden aus dem kriminellen Business in Deutschland?

- Warum wurden in der Tatsache Minister für Verteidigung und für Ökologie gefeuert?

- Wie so hat D. Strauss-Kahn eine berufliche Prostituierte vergewaltigt, und nämlich in 3 Monaten nach seinem Versuch, das menschliche Gesicht des Kapitalismus in die Fahndungsliste einzutragen?

- Wann genau hat der norwegische Terrorist Breivik Sprengstoffe gekauft: vor der Rede Fr. Merkel über "Krach der Multikulturalität in ganzem Europa", oder danach?

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