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06.09.2013

12:26 Uhr

Serie „Bodycheck“

Mit seiner Stimme fängt Trittin keine Stimmen

VonMichael Moesslang

Geballte Fäuste, stechende Zeigefinger, das Spiel mit der Stimme – auf welche Gestik setzen Spitzenpolitiker und wie wirkt sie? Ein Körpersprachen-Experte analysiert die Kandidaten. Heute: Das grüne Spitzen-Duo.

Ein gegensätzliches Duo: Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin.

Ein gegensätzliches Duo: Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin.

DüsseldorfWenn man das Bild eines wahlkämpfenden Politikers vor Augen hat, dann ist das häufig dieses: Mit wildem Fuchteln von Hand und Arm stellt er sein Aggressionspotenzial unter Beweis. Der eine Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, ist so einer. Immer wieder schlägt er mit einem oder sogar beiden Armen virtuelle Feinde tot. Dabei macht dieses Verhalten am Rednerpult auf mich den Eindruck, als hätte ihm das jemand beigebracht. Denn seine Schläge passen eigenartigerweise nicht synchron zu den Worten, wirken also nicht authentisch. Im übrigen ist es auch keineswegs zeitgemäß, so viel Aggression zu zeigen.

Die Präsenz, die Jürgen Trittin bei seinen Live-Auftritten hat, allein schon durch seine Statur, erleben nur die wenigsten Wähler. Deshalb beschränkt sich diese Analyse auch auf den Eindruck, den jene Zuschauer gewinnen, die Trittin via TV bei seinen Reden im Bundestag oder in Interview-Situationen erleben. Wen wir aber hauptsächlich durch die Medien kennen, den können wir nur durch Körpersprache und Stimme einschätzen. Und selbst dann, wenn wir intensiv Wahlprogramme lesen und vergleichen, wird unser Unterbewusstsein immer noch ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Heute wird von Politikern erwartet, dass sie uns zuverlässig und mit kühlem Kopf durch die größten Krisen führen können. Der cholerisch aufbrausende Politiker-Typ à la Chruschtschow, der bei einer UN-Rede einen dritten Schuh dabei hatte und mit diesem wütend aufs Rednerpult schlug, ist heute nicht mehr gefragt. Vielmehr ist es das Ziel, Vertrauen zu gewinnen. Inhaltlich gelingt dies Trittin sicher bei seiner Wählerschaft. Doch Körpersprache wirkt unbewusst, wirkt tiefer. Und wer mit seinem Finger auf die Zuhörer einsticht oder mit der Faust auf sie schlägt, regt Abwehrmechanismen an.

Auffällig bei Trittin ist, dass er den Oberkörper oft eigenartig weit nach hinten lehnt. Und, dass selbst in emotional-aggressiven Phasen oft eine Hand für längere Zeit in seiner Hosentasche verschwindet. Das ist nicht gerade der Weg, Sympathien – und dadurch Vertrauen – zu gewinnen. Versteckte Hände wirken immer negativ.

Kommentare (15)

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Trainer

06.09.2013, 12:36 Uhr

"Denn Göring-Eckardt fällt zwar durch kräftige Farbakzente in der Kleidung auf, wirkt jedoch farblos am Rednerpult oder in Interviews."
_________________________

Da hätte man dem Gestendeuter für Hörgeschädigte aber etwas mehr Verve in der Analyse gewünscht:
Der harte alarmistische Diskant in der Simme Göring-Ehrhardt's konterkarierte nachgeradezu die Überlegtheit ihrer Äußerungen, so unterschiedlich man sie auch bewerten mag, die geäußerten Inhalte.

Von der "Musik" gab Trittin den Römpömpö und Göring-Eckhardt den Beaker, ungeachtet der vorgebrachten Argumente.

so-ist-es

06.09.2013, 12:50 Uhr

Die Stimme des TrittIn klingt wie eine schnarrende knarrende, über Jahre unbenutzte Oberbodentüre, ganz seinem Charakter gemäß, ungeheuer symphatisch.

Oberbodentuere

06.09.2013, 12:57 Uhr

Wie sich Trittins Verhältnis zu seinen Wählern ungefähr gestaltet könnte man ggf hier erfahren:

http://www.youtube.com/watch?v=_1NcAULfSWY

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