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19.09.2013

14:38 Uhr

Serie „Bodycheck“

Warum Steinbrück plötzlich weniger fuchtelt

VonMichael Moesslang

Geballte Fäuste, stechende Zeigefinger, das Spiel mit der Stimme – auf welche Gestik setzen Politiker und wie wirkt sie? Ein Körpersprachen-Experte analysiert für uns die Spitzenkandidaten. Heute: Peer Steinbrück.

Peer Steinbrück musste angreifen, er ist schließlich der Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel. Seine Auftritte der ersten Monate als Kandidat waren entsprechend geprägt durch besonders aggressive Gestik: ein auf das Publikum einstechender Zeigefinger, die geballten Fäuste oder die schlagende Hand, die staccato-artig betonen sollte. Auch seine Mimik zeigte nie Mildes oder gar Freundliches.

Nachdem dies – auch von mir – in diversen Medien häufig kritisiert wurde, hat er sich geändert. Erstaunlich, hat er doch zuvor stets betont, er lehne Coaching ab. Zuhören und lernen kann er aber anscheinend doch. So wirkt der SPD-Mann mittlerweile deutlich weniger böse. Im Sommerinterview des ZDF legt er seine Hände flach auf den Stehtisch, Gestik vermeidet er anscheinend bewusst. Kommt sie doch einmal aus ihm heraus, hält er sich gleich wieder zurück. Im „Bundestags-Duell“ hält er sich ebenfalls zurück, indem er sein Manuskript in die Hände nimmt. Ja, er macht ab und zu Gesten, aber positive, große, souveräne. Keine aggressiven mehr.

Ausgerechnet in diesen Wandel kommt sein „Stinkefinger“ via Süddeutsche in die Medien. Es gibt Gesten, die wird man nicht mehr los. Das Victory-Zeichen von Josef Ackermann ist nach neun Jahren immer noch das, was die meisten Menschen mit ihm verbinden. Für einen, der Kanzler werden möchte, ist der ausgestreckte Mittelfinger reichlich unpassend: er wird Steinbrück bleiben. Der SPD-Politiker hat damit einige konservativere Wähler verloren – und sicher keine neuen dazu gewonnen.

Die Spitzenkandidaten absolvieren derzeit ein Mammutprogramm. Bei TV-Auftritten präsentieren sie sich einem Millionenpublikum – die Eindrücke, die die Zuschauer via TV gewinnen, bleiben hängen. Einige erleben Steinbrück aber auch persönlich – bei den Wahlveranstaltungen der SPD. Beim Wahlkampf-Auftritt in Hamburg Anfang August wirkt er unkonzentriert. Dabei ist er doch eigentlich in seinem Element. Auf ein Rednerpult verzichtet er, was an sich eine gute Idee ist. Doch er läuft permanent unruhig um seinen Stehtisch. Sein Blick schweift unruhig, er sucht keinen festen Kontakt mit seinem Publikum. Die meiste Zeit sticht er zu. Mit dem linken Zeigefinger, denn das Mikrofon hat er in die aktive rechte Hand genommen.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

19.09.2013, 14:59 Uhr

Steinbrück hat erkannt, dass er mit seinem Gefuchtel und Gedrohe sämtliche ältere Wählerinnen verscheucht und ballt bis nach der Wahl die Faust jetzt in der Tasche.

Account gelöscht!

19.09.2013, 15:34 Uhr

Ein Face-Trainer hätte bei Steinbrück Probleme ihn auf echte Freundlichkeit zu trimmen. Es ist nun mal so, dass Frauen die ein Land regieren es besser können, da sie überwiegend Männern gegenüber stehen. Männer die als Machos versuchen den Platzhirsch zu machen, aber gegenüber Frauen anfangen zu balzen. Aber da Steinbrück immer zufriedener wird, weil der aufgezwungene Wahlkampf bald vorbei ist, kommen nur noch einmal Zeigefinger und Stinkfinger in Aktion, um am 22 September 2 x CDU zu wählen aus Sicherheit.

Angela Merkel ist eine Maulbrüterin, Taucher kennen diese Art Fische. Bei Gefahr wird das Maul aufgemacht und die Kleinen sind in Sicherheit wenn sie es schaffen. Nach der Wahl muss sich die CDU breiter aufstellen und Merkel muss Persönlichkeiten aufstellen, die nicht alles
aufsagen was Merkel :sagt.

Kritiker

19.09.2013, 16:43 Uhr

Der Steinbrück hat endlich begriffen, dass er nicht fliegen kann.

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