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04.01.2007

08:33 Uhr

Serie: Mehrwertsteuer-Erhöhung

Schub für die Schattenwirtschaft

VonRainer Nahrendorf

Gibt die höhere Mehrwertsteuer Anreize zu illegalem Wirtschaften? Berechnungen des Schattenwirtschaftsexperten Friedrich Schneider an der Universität Linz legen die Befürchtung nahe. Demnach wird die Schattenwirtschaft um drei bis fünf Milliarden Euro wachsen. Handwerksbetriebe fordern von der Regierung nun einen Ausgleich.

Experte: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer stoppt die 2006 eingetretene Abnahme der Schattenwirtschaft. Foto: dpa Quelle: dpa

Experte: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer stoppt die 2006 eingetretene Abnahme der Schattenwirtschaft. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent zum 1. Januar 2007 wird die Schattenwirtschaft um drei bis fünf Milliarden Euro wachsen lassen. Zusammen mit der Einführung der so genannten „Reichensteuer“, der bereits seit diesem Juli von Arbeitgebern zu zahlenden höheren Pauschalabgabe auf Minijobs und der Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge stoppt die Mehrwertsteuererhöhung die 2006 eingetretene Abnahme der Schattenwirtschaft und kehrt den Trend wieder um. Daran ändern auch die Verringerung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags und der Steuerbonus für Handwerkerleistungen nichts. Das geht aus den aktualisierten Berechnungen des Schattenwirtschaftsexperten Friedrich Schneider an der Universität Linz hervor. Schneider rechnet für 2007 mit einer Zunahme der Schattenwirtschaft um 3,3 bis 4,8 Mrd. Euro auf bis zu 350 Mrd. Euro.

Das Finanzministerium verteidigte die Mehrwertsteuererhöhung als dringend notwendig zur nachhaltigen und strukturellen Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Sie werde die Schattenwirtschaft nicht in großem Umfang erhöhen, erklärte der Sprecher des Ministeriums, Torsten Albig, gegenüber dem Handelsblatt, da die Bundesregierung, durch Mehreinnahmen mitfinanziert, die Kosten der Arbeit deutlich senke. Albig verwies auf die Reduzierung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags von 6,5 auf 4,2 Prozent. Arbeitnehmer und Arbeitgeber würden dadurch um 17 Mrd. Euro entlastet.

Schneiders Berechnungen der Schattenwirtschaft basieren auf dem Bargeldansatz und dem Dymimic-Verfahren. Der Bargeldansatz geht von der Annahme aus, dass Aktivitäten in der Schattenwirtschaft überwiegend bar entlohnt werden, um keine Spuren zu hinterlassen. Die Differenz zwischen dem für das offizielle Bruttoinlandsprodukt erforderlichen Bargeldumlauf und dem tatsächlichen Bargeldumlauf gilt als Indikator für die Größe der Schattenwirtschaft. Bei dem Dymimic-Verfahren wird die Schattenwirtschaft auf der Grundlage von Ursachen-Wirkungszusammenhängen wie zum Beispiel der Steuerlast und der Bargeldnachfrage geschätzt.

Auf das Baugewerbe und das Handwerk entfallen nach Schneiders Schätzungen in diesem Jahr mit 38 Prozent oder 131 Mrd. Euro der weitaus größte Teil der Schattenwirtschaft. Das Handwerk hält nicht viel von Schneiders Berechnungen, fordert jedoch von der Bundesregierung, die negativen Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung auf die in Schwung gekommene Handwerkskonjunktur abzumildern. Ein speziell für das Bau-und Ausbaugewerbe wirksames Instrument dafür sei der Steuerbonus für Handwerkerleistungen. Für Renovierungs-, Erhaltungs-und Modernisierungsmaßnahmen können 20 Prozent der von Handwerkern in Rechnung gestellten Arbeitskosten bis zu einer Höhe von 3 000 Euro steuerlich abgesetzt werden. Für die steuerliche Anerkennung ist eine Rechnung und ein Zahlungsbeleg erforderlich.

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