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04.08.2013

15:03 Uhr

Serie: „Wir sind die Neuen“

Der schwarze Rote

VonJan Mallien

Karamba Diaby könnte der erste Bundesabgeordnete sein, der in Afrika aufwuchs. Er kandidiert im ostdeutschen Halle – einer Stadt, wo wenig Migranten leben und einige automatisch an das Thema Fremdenfeindlichkeit denken.

Karamba Diaby sitzt für die SPD im Bundestag.

Karamba Diaby sitzt für die SPD im Bundestag.

Halle/SaaleDrrrring!“ Karamba Diaby zuckt zusammen, dreht sich um – und lacht. Denn er kennt den schrillen Klingelton der Straßenbahn, die sich langsam am Riebeckplatz in Halle nähert. „Der Fahrer ist ein früherer Kollege der Linksfraktion“, sagt Diaby, der für die SPD im Hallenser Stadtrat sitzt. Der habe lange  bei ihm in der Nachbarschaft gewohnt und „klingelt immer, wenn er mich sieht.“

Die Straßenbahn fährt vorbei und hält wenige Meter entfernt an der Haltestelle. Diaby steigt ein und dabei ruft ihm der Fahrer vom Fenster aus zu: „Karamba, was machst Du hier?“ Diaby entgegnet: „Ich muss ein bisschen Wahlkampf machen.“

Nicht nur in Halle ist Karamba Diaby ein bekannter Mann. Inzwischen hat sich der  Name des 51-Jährigen bis in die USA herumgesprochen. Die „New York Times“ widmete ihm eine Geschichte auf der Titelseite. Die überregionalen Zeitungen aus Deutschland berichteten ebenfalls. Auch aus Frankreich und Großbritannien kamen Anfragen.

Das Interesse der Journalisten hat vor allem einen Grund: Karamba Diaby könnte der erste Bundesabgeordnete sein, der in Afrika aufwuchs. Und er ist schwarz. Das ist bei über 10 Millionen Migranten in Deutschland eine nicht ungewöhnliche Entwicklung. Bisher sind Migranten in den Parlamenten und Stadträten noch stark unterrepräsentiert. Dies ändert sich nun langsam. Karamba Diabys Chancen für den Einzug in den Bundestag stehen sehr gut:  Er ist Direktkandidat im Wahlkreis Halle und steht für die SPD auf Platz drei der Landesliste in Sachsen-Anhalt.

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Das besondere bei Diaby ist, dass er aus Halle kommt. Aus einer Stadt, wo es viel weniger Zuwanderer gibt als in Berlin, Stuttgart oder Gelsenkirchen. Der Ausländeranteil in Halle liegt bei gerade einmal 3,8 Prozent – in Berlin sind es zwölf Prozent. Zudem denken einige fast automatisch an das Thema Fremdenfeindlichkeit, wenn sie ostdeutsche Städtenamen wie Halle hören.

Diaby hat damit auch schon Erfahrungen gemacht. Anfang des Jahres hatte „Der Spiegel“ in einem Artikel unter dem Titel „Das Experiment“ über seine Kandidatur berichtet - und Halle dabei als „Hochburg des Rechtsextremismus“ bezeichnet.

Der Artikel schlug hohe Wellen in der Stadt. Die Lokalpresse reagierte empört. Im Stadtrat wollte die CDU-Fraktion sogar einen Antrag stellen, mit dem der Spiegel-Artikel verurteilt und eine Beschwerde beim Presserat erwirkt werden sollte. Diaby schrieb einen offenen Brief. Er könne die empörten Reaktionen auf den Artikel sehr gut nachvollziehen. 

„Der Artikel hat mit Klischees gespielt,“ sagt er. Er habe sich vom Autor nicht ernst genommen gefühlt.  „Es gibt in Halle wie in anderen Städten auch Probleme mit rechtem Gedankengut und Alltagsrassismus.“ Ihn störe aber die Pauschalisierung.  „Es kommt nicht darauf an, ob es hier mehr oder weniger Probleme damit gibt. Es geht darum, das Problem zu bekämpfen.“ Auf Halle lässt er nichts kommen.

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