Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.06.2013

10:12 Uhr

Serie „Wir sind die Neuen“

Ein 22-Jähriger fordert den Kanzlerkandidaten

VonChristoph Henrichs

Moritz Körner studiert Sozialwissenschaften – und tritt als FDP-Bundestagskandidat im Wahlkreis von Peer Steinbrück an. Der Student pendelt von Seminaren zu Parteitagen und muss sich häufig gegen Klischees wehren.

Moritz Körner (FDP) tritt wie Peer Steinbrück (SPD) in Mettmann an. Marius Hoppe

Moritz Körner (FDP) tritt wie Peer Steinbrück (SPD) in Mettmann an.

MettmannStühle werden hin und her geschoben, die Parteimitglieder rücken zusammen und gucken sich erwartungsvoll um. Der heutige Gast wird vor der größten Runde sprechen, die der FDP-Ortsverband Monheim seit langem gesehen hat: „Zwölf Leute, das ist ja Wahnsinn“, sagt Ulrich Anhut, der Ortsverbandsvorsitzende. Er strahlt. Eine große Ehre sei es, den liberalen Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Mettmann I heute in den eigenen Reihen begrüßen zu dürfen, bekundet Anhut. Der Ehrengast heißt Moritz Körner. Er ist 22 Jahre alt, Student der Sozialwissenschaften und Teilzeit-Hoffnungsträger. Sein Wahlkreis-Gegner: Peer Steinbrück.

Doch von der Versammlung des kleinsten Ortsverbands des Wahlkreises scheint Steinbrück Lichtjahre entfernt zu sein. Hier geht es für Moritz Körner erst einmal darum, sich zu präsentieren. Vor Ort sein, freundlich lächeln, Reden halten. Die Termine dieser Art häufen sich zunehmend für den Nachwuchspolitiker.

„Lieber Vorsitzender, liebe Parteifreunde“, beginnt Körner, der mit Abstand jüngste am Tisch, und alle lauschen andächtig. Körners Kopf wendet sich mit vor Eifer geröteten Wangen unaufhörlich hin und her, sein fester Blick fixiert jeden Einzelnen. Der junge Politiker sitzt aufrecht, der rechte Arm dirigiert seine Worte. Auch sein linker Fuß wippt mit, wenn er Dinge sagt, die ihm besonders wichtig sind: Der Schuldenberg, auf dem unsere Kinder nicht spielen können! Die rot-grüne Bevormundungshand! Die Erfolge der schwarz-gelben Bundesregierung!

Serie „Wir sind die Neuen“: Ein Name, der Fluch und Segen ist

Serie „Wir sind die Neuen“

Ein Name, der Fluch und Segen ist

Michelle Müntefering ist die Frau von SPD-Legende Franz Müntefering und seit langem Kommunalpolitikerin. In 100 Tagen will sie in den Bundestag. Ihr Name kann ihr dabei helfen, sie aber auch hemmen. Teil drei der Serie.

Nach der Rede: Donnerndes Klopfen von zwölf Fäusten auf dem schweren Holztisch. So wirft der Wahlkampf seine Schatten voraus. Im Sommer wird Moritz Körner Politiker mit dem Hobby Studium sein, im Moment trifft man ihn allerdings noch häufiger an der Düsseldorfer Universität an. Bei einer Tasse Kaffee erinnert er sich hier zurück an seine Anfänge bei der FDP im Jahr 2008.

„Ich wollte eigentlich nur ein bisschen mitmachen“, erklärt er fast entschuldigend und zuckt vorsichtig mit den Schultern, um das Getränk in seiner Hand nicht zu verschütten. Unzählige Studis lärmen in der Pause zwischen zwei Seminarblöcken am Kaffeeautomaten vorbei. Sie nehmen keine Notiz vom Langenfelder, in der Uni-Cafeteria ist er ein Sowi-Student unter vielen. Nur Eingeweihte wissen um sein Doppelleben.

Serie „Wir sind die Neuen“: Aus dem Kellner-Job in den Bundestag

Serie „Wir sind die Neuen“

Aus dem Kellner-Job in den Bundestag

Noch jobbt Luise Amtsberg in der Kneipe, aber im Herbst wird die grüne Spitzenkandidatin in Schleswig-Holstein als eine der jüngsten Abgeordneten in den Bundestag einziehen. Ihre Agenda für Berlin steht längst fest.

Einfach ein bisschen mitmachen, das tut Körner nämlich längst nicht mehr – falls er es jemals überhaupt getan hat. 2008 belebte er persönlich seinen eingeschlafenen JuLi-Kreisverband neu. „Liberale Eigenverantwortung halt“, sagt er und grinst. Es ging steil bergauf, plötzlich war er stellvertretender FDP-Kreisvorsitzender, dann JuLi-Landesvorsitzender. Jetzt steht er ganz oben: Im Wahlkampf gegen den Kanzlerkandidaten.

Peer Steinbrück wird nur als Schattenkandidat über dem Regionalwahlkampf schweben. Abgesehen von einer Podiumsdiskussion kurz vor der Wahl wird der Kanzlerkandidat für die meisten anderen Termine wohl keine Zeit haben. Schließlich hat Steinbrück ja im Gegensatz zu Körner eine wichtigere Mission, als nur einen Wahlkreis zu gewinnen.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.06.2013, 10:56 Uhr

Schade!

Ein offensichtlich kluger Kopf will ohne Lebens- und Berufserfahrung führen. Das wird symptomatisch.
Wer nicht arbeiten will, geht in die Politik.

Und dann noch bei einer Partei, die sich in den letzten 4 Jahren unwählbar gemacht hat.

eksom

28.06.2013, 11:11 Uhr

FDP muss aber schon unüberbrückbare Personalprobleme haben!
Den spielt mein Sohn als BWL-er mit 23 und echten Lebenserfahrungen aus der Strasse jederzeit politisch an die Wand! Theoretischer Sozialwissenschaftler und dann noch bei der FDP. Der junge Mann weiß wohl nicht, wo und wofür die FDP steht?! Welchen Beruf haben wohl seine Eltern?

RDA

28.06.2013, 11:42 Uhr

Aha, der Schuldenberg! Da hätte die FDP aber gleich mehrere Möglichkeiten gehabt, den abzubauen bzw. gar nicht erst aufzubauen: Bei der Wiedervereinigung mit einer Vermögensabgabe und höheren Einkommensteuern und ab 2009 mit der Rückkehr zum Einkommensteuertarif 1998. Aber die FDP hat nichts dergleichen gemacht, stattdessen wurde die Umsatzsteuer für Hotels gesenkt. Und das, obwohl die FDP doch keine Subventionen mag...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×