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14.06.2013

18:22 Uhr

Serie „Wir sind die Neuen“

Ein Name, der Fluch und Segen ist

VonMaike Freund

Michelle Müntefering ist die Frau von SPD-Legende Franz Müntefering und seit langem Kommunalpolitikerin. In 100 Tagen will sie in den Bundestag. Ihr Name kann ihr dabei helfen, sie aber auch hemmen. Teil drei der Serie.

Michelle Müntefering sitzt für die SPD im Bundestag.

Michelle Müntefering sitzt für die SPD im Bundestag.

HerneDer Obdachlose vor dem Bahnhof in Herne will von ihr nur einen Euro haben. Doch er hat die Rechnung ohne Michelle Müntefering gemacht. Sie bombardiert ihn mit Fragen, während sie nach ihrem Portemonnaie kramt: „Wer bist du? Wo kommst du her?“ Neugierig ist die Herner SPD-Kommunalpolitikerin, man könnte auch sagen: Sie will etwas über den Menschen wissen. Natürlich ist das ihr Job. Denn für Müntefering hat der Wahlkampf begonnen. Im September will sie als SPD-Abgeordnete den Sprung in den Bundestag schaffen.

Dass sie so viel wissen will, könnte auch an der Anwesenheit der Journalisten liegen. Doch es ist wohl mehr als pure Neugierde oder der Job, weshalb Müntefering Fragen um Frage stellt. Bei jeder Gelegenheit an diesem Tag in Herne versucht sie, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Egal ob Handwerker oder Chef beim Besuch des Unternehmens Reckli und Herne: Sie redet, sie fragt, sie reißt Witze. Es ist einfach ihre Art: offen und gerade heraus. „So ist man eben im Ruhrpott“, sagt sie. „Die Menschen sind hier sehr direkt. Man versteht sich. Das mag ich und ich hoffe, dass ich auch so bin.“

Michelle Müntefering ist 33; die meisten kennen sie wohl weniger als Politikerin, denn als Frau des 40 Jahre älteren SPD-Urgesteins Franz Müntefering. Geheiratet haben die zwei 2009. Seitdem werde sie immer wieder auf diese Ehe angesprochen, sagt sie, vor allem von Journalisten.

Serie „Wir sind die Neuen“: Auf dem Sprung in den Bundestag

Serie „Wir sind die Neuen“

Auf dem Sprung in den Bundestag

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Ob ihr Name Fluch oder Segen ist? „Von beidem etwas“, sagt sie. „Manche unterstellen, dass ich „nur“ die Frau eines Politikers bin“, sagt sie. „Dabei wird aber vergessen, dass ich schon sehr lange eigenständig Politik in der Kommune mache, seit 2002 in verantwortlicher Funktion“. Andererseits bringe ihr der prominenten Name auch positive Aufmerksamkeit und das sei ganz klar ein Vorteil.

Es ist ihre Heimatstadt – oder besser gesagt: ihre Heimatregion – die sie umtreibt. „Das Ruhrgebiet ist eine starke Region, dir zusammenhält. Manchmal ist es wie in einem großen Dorf“, sagt Müntefering. Und sie hat Recht. Denn Herne mit seinen rund 158.000 Einwohnern ist vom Norden nach Süden nur rund sechs Kilometer lang und von Osten nach Westen nur zwölf Kilometer breit. Da stößt man schnell an Grenzen. Wer hier fremd ist, merkt gar nicht, dass er plötzlich nicht mehr in Herne steht, sondern zum Beispiel in Wanne-Eickel.

Das bedeutet: Fläche ist in Herne knapp. Eng verbunden damit ist das Problem der Bebauung, des Verkehrs und des Lärms. Alles passiert hier auf engstem Raum. Gleichzeitig ist es der Strukturwandel, der nicht nur Herne, sondern der gesamten Region zu schaffen macht. Die Arbeitslosigkeit, die damit verbunden ist. Und die leeren Kassen der Kommunen.

„Wir schaffen das nicht allein“ sagt Müntefering. Sie nennt als Beispiel die EU-geförderten Projekte: „Wie sollen strukturschwache Städte bei schlechter Finanzlage noch Eigenanteile für Stadtentwicklung aufbringen, um die Förderung überhaupt zu bekommen?“, fragt sie. Das sei eine Milchmädchenrechnung. Auch ein Grund, weshalb sie nach Berlin will. Weil - auch - Herne Hilfe vom Bund braucht.

Kommentare (37)

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Der_Realist

14.06.2013, 18:35 Uhr

Frau heiratet einen 40 Jahre älteren Mann nur aus einem Grund. Eine Schande, dass das Handelsblatt hier noch Werbung für sie macht

Account gelöscht!

14.06.2013, 18:38 Uhr

Was in Bayern im kleinen Stil abgelaufen ist mit Familienangehörigen, betreiben einige SPD Grössen im großen Stil. Ob Schröder oder Müntefering, der Dank eines gesicherten Mandats für ihre Frauen lässt sie weiter öffentlich weiterleben. Ganz zu Schweigen von der Kohle die den "verarmten" Beiden Helden zugute kommt. Als Berater ihrer Frauen verdienen sie dann auch noch mal dazu. Ist das nicht herrlich Politiker zu sein!

Gast

14.06.2013, 18:42 Uhr

Es ist traurig, dass der in ihrem (Fr. Müntefering) letzten hier veröffentlichten Artikel offensichtlich gewordene Mangel an Intelligenz nicht genug Grund ist, dass sie nicht in den Bundestag kommt.

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